Lieber User,

anscheinend hast Du einen Ad-Blocker aktiviert oder Javaskript deaktiviert. Um unsere Existenz zu sichern, sind wir als werbefinanzierter privater Radiosender auch im Internet auf Werbung angewiesen. Damit Du auch weiterhin alle Inhalte unserer Webseite nutzen kannst, bitten wir dich, Deinen Ad-Blocker zu deaktivieren oder radiohamburg.de als Ausnahme hinzuzufügen. Sobald Du das gemacht hast, kannst Du unsere Inhalte nach einem Reload der Seite ganz normal weiternutzen.

103.6 Grüße
Dein Radio Hamburg Team


*Sollte diese Meldung fälschlicherweise angezeigt werden, schicke uns bitte eine Mail an adblocker@radiohamburg.de

Es gibt neue Inhalte auf unserer Startseite - jetzt aktualisieren! [Schließen]
Radio Hamburg

Chaos in Ägypten

Massenproteste und neue Gewalt drohen

Kairo, 16.08.2013
Kairo, Ägypten, Räumung von Mursi-Anhänger-Lager

Nach der Eskalation der Gewalt in Ägypten rät das Auswärtige Amt nun für das ganze Land von Reisen ab.

Nach dem Freitagsgebet drohen Massenproteste und neue Gewalt in Ägypten. Die Regierung hält an ihrem harten Kurs fest.

Ägypten droht ein "Freitag der Wut" mit neuem Blutvergießen. Zwei Tage nach der Räumung der Islamisten-Protestcamps wollen die Muslimbrüder und die radikalislamische Vereinigung Dschihad erneut gegen die vom Militär eingesetzte Übergangsregierung auf die Straßen gehen. Zum Schutz organisieren sich Bürgerwehren. Die Polizei hat Order, mit scharfer Munition auf Plünderer und Saboteure zu schießen. Die USA riefen ihre Bürger zum Verlassen des Landes auf. Das Auswärtige Amt rät inzwischen von Reisen nach ganz Ägypten ab.

Demonstrationen beginnen an allen Moscheen Kairos

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Gewalt. Der Generalsekretär der Islamischen Partei, Mohammed Abu Samra, sagte dem Nachrichtenportal der Kairoer Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm", geplant seien friedliche Kundgebungen. Allerdings könne niemand garantieren, dass es nicht auch zu Gewalt und Brandanschlägen komme. Gerade die jungen Menschen seien sehr erzürnt. Die Demonstrationen sollen an allen Moscheen Kairos beginnen und am zentralen Ramses-Platz zusammentreffen, erklärten die Muslimbrüder auf Twitter. In vielen Straßen der Hauptstadt fanden sich in der Nacht an den Hauseingängen sogenannte Bürgerwehren zusammen, um Plünderer abzuschrecken.

Viele Tote und Verletzte

Die Protestbewegung "Tamarud", die die Massenkundgebungen gegen den inzwischen gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi organisiert hatte, rief die Bevölkerung über das Staatsfernsehen dazu auf, ihre Häuser, Moscheen und Kirchen selbst vor möglichen Attacken der Islamisten schützen. In mehreren Landesteilen gilt der Notstand. Die Polizei verhaftete vor Beginn der Proteste vier führende Mitglieder der Bruderschaft, wie das Nachrichtenportal youm7 meldete. Der seit Wochen schwelende Konflikt zwischen Islamisten und Mursi-Gegnern war am Mittwoch eskaliert, als Sicherheitskräfte zwei zentrale Protestlager der Muslimbrüder in Kairo gewaltsam räumten. Blutige Ausschreitungen forderten Hunderte Todesopfer. Die Regierung hatte am Donnerstag von 638 Toten und 4201 Verletzten gesprochen. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums dementierte diese Zahlen in der Nacht und sprach von etwa 600 Toten.

Militärübung amerikanischer und ägyptischer Streitkräfte abgesagt

Der demokratisch gewählte Mursi war am 3. Juli durch das Militär gestürzt worden. Die Islamisten fordern seine Wiedereinsetzung. Die Regierung in Kairo verteidigte ihr hartes Vorgehen gegen internationale Kritik und sprach von terroristischen Handlungen, die sich gegen Regierungsgebäude und lebenswichtige Einrichtungen richteten. US-Präsident Barack Obama hatte die Maßnahmen scharf verurteilt und eine traditionelle gemeinsame Militärübung amerikanischer und ägyptischer Streitkräfte abgesagt. Seine Warnung an die US-Bürger im Land begründete das US-Außenministerium mit den politischen und sozialen Unruhen. Der UN-Sicherheitsrat rief alle Parteien auf, die "Aggressionen2 einzustellen, wie Argentiniens Vertreterin Maria Cristina Perceval als derzeitige Ratspräsidentin nach einer Dringlichkeitssitzung des Gremiums am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte.

EU-Staaten beraten über Vorgehen

Die Regierungen der 28 EU-Staaten wollen möglichst rasch eine gemeinsame politische Haltung zur Krise in Ägypten finden. Ob es ein Sondertreffen der EU-Außenminister gibt, wird nach Angaben von Diplomaten in Brüssel voraussichtlich Anfang der Woche entschieden. In Ägypten gingen die Angriffe von Islamisten auf Behörden und Polizeikasernen in der Nacht auf Freitag weiter. Anwohner halfen Angehörigen der Ordnungspolizei in der Provinz Al-Minia zu verhindern, dass ihre Kaserne im Bezirk Abu Karkas gestürmt wird. Lokale Medien berichteten, in der Nähe des Tahrir-Platzes in Kairo seien am Morgen vor Ende der Ausgangssperre Schüsse zu hören gewesen. In der Stadt Al-Arisch auf der Sinai-Halbinsel wurde das Gebäude der Steuerbehörde in Brand gesetzt. In der Provinz Al-Kaljubija wurden in der Nacht zwei Polizisten an einer Straßensperre erschossen.

Reisewarnung für viele Teile Ägyptens

Das Auswärtige Amt rät inzwischen von Reisen nach ganz Ägypten ab. Das gab Ministeriumssprecher Andreas Peschke am Freitag in Berlin bekannt. Neu ist, dass nun auch von Reisen in die Urlaubsgebiete am Roten Meer abgeraten wird. Eine Reisewarnung gibt es weiterhin nur für den Nordsinai und das ägyptische Grenzgebiet zu Israel. Vor Reisen nach Kairo, nach Oberägypten und in das Nildelta wird "dringend abgeraten". (dpa/apr)

 

comments powered by Disqus