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Radio Hamburg

"XKeystore"-Programm

NSA kann Chats in Echtzeit mitlesen

Berlin/London/Washington, 01.08.2013
Spionage, NSA, Kabel

Ein neues Dokument von Edward Snowden untermauert den Vorwurf, die NSA habe praktisch unbegrenzten Zugriff auf Internetdaten der Menschen weltweit.

Programm "XKeyscore" bietet NSA Zugriff auf gewaltige Datenmengen

Die britische Tageszeitung "The Guardian" veröffentlichte am Mittwoch  (31.7.) eine NSA-Präsentation, laut der Mitarbeiter über ein Programm namens "XKeyscore" Zugriff auf gewaltige Datenmengen haben. Dieses Programm setzt auch das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz testweise ein.

NSA kann ohne spezielle Genehmigung auf jegliche Facebook-Unterhaltungen zugreifen

Geheimdienstmitarbeiter können dem Dokument von 2008 zufolge in den "enormen Datenbanken" der NSA nach Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Schlagworten suchen. Ein Beispiel aus den Unterlagen zeigt eine Suchanfrage nach Unterhaltungen eines Nutzers im Online-Netzwerk Facebook. Für die einzelnen Anfragen bräuchten die Geheimdienstler keine gesonderte Zustimmung eines Richters oder eines anderen NSA-Mitarbeiters, schreibt der "Guardian". Einer weiteren Präsentation zufolge könne der US-Geheimdienst auf "fast alles, das ein typischer Nutzer im Internet tut" zugreifen - E-Mails, Suchanfragen und Verbindungsdaten von Millionen Menschen. Der Einsatz des System habe bis 2008 zur Ergreifung von 300 Terroristen geführt, heißt es.

Snowden:"Ich hatte Berechtigung, jeden anzuzapfen"

Snowden, der als Angestellter einer anderen Firma bei der NSA im Einsatz war, hatte bereits Anfang Juni in seinem ersten Interview behauptet, er habe praktisch jeden Internetnutzer belauschen können. "Ich an meinem Schreibtisch hatte die Berechtigungen, jeden anzuzapfen - Sie, ihren Buchhalter, einen Bundesrichter oder den Präsidenten, wenn ich eine private E-Mail-Adresse hätte", sagte er. Diese Möglichkeiten waren von US-Offiziellen dementiert worden. Auch die Beobachtung der Internetaktivität einzelner Menschen in Echtzeit sei mit "XKeyscore" möglich, berichtet jetzt der "Guardian".

XKeyscore speichert Verbindungsdaten 30 Tage lang

Unter anderem könne man die IP-Adresse jedes Besuchers einer bestimmten Website erfassen. "XKeyscore" sammele Unmengen von Daten. Inhalte der Kommunikation würden für drei bis fünf Tage gespeichert, Verbindungsdaten für 30 Tage. Innerhalb eines solchen 30-Tage-Zeitraums im Jahr 2012 seien 41 Milliarden Datenpunkte zusammengekommen. Analysten würden gewarnt, dass eine Suche in der gesamten Datenbank zu viele Ergebnisse liefere, deshalb sollten sie ihre Anfragen eingrenzen.

 

XKeyscore auch von deutschen Nachrichtendiensten eingesetzt

Die Präsentation stammt wie vorige Veröffentlichungen aus dem Bestand von Snowden. Diesmal stellte der "Guardian" allerdings den kompletten Schriftsatz ins Netz. Einige Seiten wurden geschwärzt, weil sie Details zu konkreten Geheimdiensteinsätzen enthielten, die man nicht verraten wolle. Der "Spiegel" berichtete Mitte Juli, auch deutsche Nachrichtendienste setzten "XKeyscore" ein. Das Nachrichtenmagazin berief sich dabei ebenfalls auf Unterlagen von Snowden. Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, bestätigte daraufhin in der "Bild am Sonntag", seine Behörde verwende "XKeyscore" testweise. Das Bundesamt erhebe damit aber weder Daten in Deutschland noch erhalte es Daten aus den USA.

 

NSA-Geheimdienstchef bitte Hacker um Hilfe bei Terrorismusbekämpfung

Der Chef des US-Geheimdienstes NSA, General Keith Alexander, hat bei einer Konferenz in Las Vegas die anwesenden Hacker aufgerufen, dem Geheimdienst bei seiner Aufgabe zu helfen. Alexander sagte am Mittwoch (31.7.) nach Angaben der "Washington Post": "Wir stehen für Freiheit." Die Hacker sollten dem Geheimdienst helfen das Land zu verteidigen. Er sagte, die NSA-Mitarbeiter wollten Terroristen finden und beobachten und nicht normale Amerikaner. Die Medien stellten Fakten
über NSA-Programme falsch dar. Der Ruf der Mitarbeiter des Geheimdienstes sei beschädigt, weil nicht alle Tatsachen auf dem Tisch lägen. Die "Washington Post" schrieb, der Auftritt von Alexander in Las Vegas sei Teil einer Kampagne der Öffentlichkeitsarbeit, um besser zu erklären, was die NSA tue.

 

(dpa/mgä) 

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