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Radio Hamburg

Zugunglück in Frankreich

Weitere Tote in Trümmern befürchtet

Paris, 13.07.2013
Zugunglück, Frankreich, ICE entgleist, Bergungsarbeiten

Einige Waggons des ICE entgleisten und rasten in einen Bahnhof.

Nach dem schweren Zugunglück nahe der französischen Hauptstadt Paris laufen die Ermittlungen zur Unfallursache auf Hochtouren.

Mindestens sechs Tote und 30 Verletzte

Nach Angaben der Regierung sind neben Experten der Bahngesellschaft SNCF auch die Justiz und die staatliche Unfallbehörde BEA mit der Aufklärung der Intercity-Katastrophe betraut. Mindestens sechs Menschen kamen dabei nach jüngsten Angaben ums Leben. 30 Reisende mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Insgesamt waren 385 Passagiere an Bord.

Mögliche Ursache: Defekt an einem Weichenteil

Ein Defekt an einem Weichenteil könnte die Ursache des schweren Zugunglücks bei Paris sein. Das teilte die französische Bahngesellschaft SNCF am Samstag (13.7.) bei einer Pressekonferenz mit.

Mehrere Waggons des ICEs entgleisten

Nach ersten Ermittlungen zum Unfallablauf waren am Freitag (12.7.) um 17.14 Uhr mehrere Waggons des Intercity-Zuges an einer Weiche rund 200 Meter vor dem Bahnhof von Brétigny-sur-Orge entgleist. Während der eine Zugteil weiterrollte, krachte der andere zum Teil auf den Bahnsteig. Es müsse entweder ein Problem mit der Schiene oder den Eisenbahnrädern gegeben haben, sagte Bahnchef Guillaume Pepy am Unglücksort. Genaueres wisse man aber noch nicht.

Lokführer verhinderte schlimmere Katastrophe

Verkehrsminister Frédéric Cuvillier erklärte, der Zug sei nicht zu schnell gewesen. Er sei 137 Stundenkilometer gefahren und damit 13 km/h langsamer als erlaubt. Über die Weiche vor dem Bahnhof war eine halbe Stunde vor dem Unglück noch ein anderer Zug gefahren - offensichtlich ohne Probleme. Nach Angaben der Bahngesellschaft SNCF verhinderte der Lokführer des entgleisten Intercity durch seine schnelle Reaktionen eine noch größere Katastrophe. Als er Stöße spürte, habe er sofort Notsignale gesendet, erklärte SNCF-icherheitschef Alain Krakovitch auf einer Pressekonferenz in der Nacht zum Samstag in Paris. Dadurch hätten andere Züge gestoppt und "in oder mehrere Zusammenstöße" verhindert werden können. Der Intercity oder zumindest Teile von ihm befanden sich demnach nach dem Unfall nicht mehr auf dem eigentlichen Gleis. "Der Zugführer steht völlig unter Schock", sagte Krakovitch.

 

Bergungsarbeiten dauern an

An den Bergungsarbeiten waren nach Regierungsangaben Hunderte Rettungskräfte und mehrere Hubschrauber beteiligt. Spezialkräfte suchten auch in der Nacht noch nach möglichen weiteren Todesopfern. Innenminister Manuel Valls hatte am frühen Abend gesagt, es sei wahrscheinlich, dass sich die Opferbilanz weiter verschlimmere. In der Nacht gab es dafür aber zunächst keine Anzeichen mehr.

"Es flogen überall Trümmerteile herum"

Augenzeugen an der Unfallstelle hatten zuvor von Bildern des Grauens berichtet. "Das Bahnsteigdach ist eingestürzt. Vier Waggons sind total zerfetzt", sagte der sozialistische Parlamentarier Michel Pouzol im Radio. Es sei ein "apokalyptischer Anblick". Ein 22-Jähriger, der zum Unglückszeitpunkt in der Bahnhofsbar saß, berichtete von dramatischen Szenen. "Es flogen überall Trümmerteile und Schotter herum", sagte er der dpa. Teller seien auf den Boden gekracht, eine Frau sei durch die Schockwelle fünf Meter durch die Luft geschleudert worden. Nicht nur im Zug selbst, sondern auch am Bahnhof habe es Verletzte gegeben.

Staatschef Hollande noch am Freitag an Unglücksstelle

Staatschef François Hollande sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und sicherte zu, dass alles für die Aufklärung der Katastrophe getan werde. Auch er war am Abend zur Unglücksstelle geeilt. Der am Nachmittag in Paris gestartet Unglückzug hätte eigentlich um 20.05 Uhr in Limoges ankommen sollen. Die Stadt liegt rund 400 Kilometer südlich der Seine-Metropole.

Das Zugunglück von Brétigny-sur-Orge ist das schwerste in Frankreich seit 25 Jahren. 1988 waren am Gare de Lyon in Paris 56 Menschen ums Leben gekommen. An einem Zug versagten damals die Bremsen. Daraufhin bohrte er sich in einen stehenden Triebwagen.

 

(dpa/mgä)