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Radio Hamburg

Eskalation in Kiew

Sicherheitskräfte rücken auf Maidan vor

Kiew, 18.02.2014
RHH - Expired Image

Sieben Zivilisten und zwei Polizisten wurden nach offiziellen Angaben getötet.

Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte haben in Kiew begonnen, auf den von Tausenden Regierungsgegnern besetzten Unabhängigkeitsplatz vorzurücken.

Das berichteten örtliche Medien am Dienstagabend. Die Polizei bewegte sich langsam mit Wasserwerfern zum Maidan vor. Vereinzelt marschierten zudem Spezialpolizisten der Berkut-Einheiten auf die brennenden Barrikaden zu. Demonstranten schossen mit Feuerwerkskörpern und versuchten, die Sicherheitskräfte mit starken Laserpointern zu blenden.

Sieben Zivilisten und zwei Sicherheitskräfte seien im Verlauf des Tages getötet worden, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag (18.02.) der Agentur Interfax. Den Angaben zufolge sollen mindestens zwei Demonstranten und zwei Polizisten jeweils durch Schüsse getötet worden sein.

Opfer mit Schussverletzungen auf beiden Seiten

Nach Wochen angespannter Ruhe war der Machtkampf in der früheren Sowjetrepublik am Dienstag eskaliert. Die Lage hatte sich am Nachmittag dramatisch zugespitzt, als Sicherheitskräfte auf den zentralen Unabhängigkeitsplatz Maidan im Zentrum vorrückten. Sie forderten die Demonstranten ultimativ auf, den Platz zu räumen. Die etwa 20.000 Regierungsgegner, darunter auch der Oppositionsführer Vitali Klitschko, weigerten sich, den Maidan zu verlassen. Die Opposition teilte mit, mehrere Demonstranten seien mit tödlichen Schüssen in Herz und Kopf aufgefunden worden. Die Regierungsgegner machten Mitglieder der berüchtigten Polizei-Spezialeinheit Berkut (Steinadler) verantwortlich. Nach Angaben des Innenministeriums wurden auch 18 Angehörige der Sicherheitskräfte mit Schussverletzungen in Krankenhäuser gebracht.

Sicherheitskräfte rückten gegen die Barrikaden der Regierungsgegner auf dem Maidan vor. Sie setzten Rauchgranaten ein, wie örtliche Medien berichteten. Die Demonstranten warfen Brandsätze. Von der Bühne auf dem Maidan riefen Redner die Protestierer auf, den Platz zu verteidigen. Frauen wurden aufgefordert, sich rund um die Bühne zu versammeln.

U-Bahnverkehr in Kiew eingestellt

Die U-Bahn Kiews wurde am späten Nachmittag komplett gesperrt. Damit drohte der Nahverkehr in der Metropole mit etwa 2,8 Millionen Einwohnern zusammenzubrechen. "Alle Haltestellen sind zu. Die Metro fährt nicht mehr", sagte ein Metrosprecher der Agentur Interfax.

Klitschko: Weitere Gespräche mit Janukowitsch

Die ukrainische Protestbewegung will den seit November besetzten zentralen Unabhängigkeitsplatz - den Maidan - in Kiew nicht freigeben. "Wir sind hier auf dem Maidan und geben ihnen nicht die Möglichkeit, ihn zu säubern", sagte der Oppositionspolitiker und Ex-Boxprofi Vitali Klitschko am Dienstag in Kiew. Er kündigte neue Verhandlungen mit Präsident Viktor Janukowitsch für diesen Mittwoch (19.02.) an. Es dürfe zu keinem weiteren Blutvergießen kommen, betonte Klitschko. Er hatte am Montag in Berlin auch Kanzlerin Angela Merkel zu Gesprächen über die Lage in der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik getroffen.

Ultimatum für Regierungsgegner

Der ukrainische Geheimdienst SBU und das Innenministerium hatten den Regierungsgegnern ein Ultimatum für ein Ende der Gewalt bis Dienstag 18.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MEZ) gestellt. Sonst würden "alle vom Gesetz erlaubten Mittel" eingesetzt, um das Chaos zu beenden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der Behörden. Die ukrainische Führung forderte die internationale Gemeinschaft auf, die Gewalt von Regierungsgegnern zu verurteilen. "Radikale Kräfte haben in Kiew und anderen Städten der Ukraine einen neuen, durch nichts zu rechtfertigenden Ausbruch von Gewalt und Gesetzlosigkeit initiiert", zitierten Medien den amtierenden Außenminister Leonid Koschara.

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Im Machtkampf in der Ukraine macht zum ersten Mal auch die ukrainische Opposition Zugeständnisse an das Regierung ...

Außenminister Steinmeier warnt vor Sanktionen

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zeigte sich "ernstlich besorgt". "Ich appellie an alle Seiten, auf Gewalt zu verzichten und rasch den Dialog wieder aufzunehmen", teilte er in Brüssel mit. Die französische Regierung verurteilte die neuen Ausschreitungen und die "willkürliche Anwendung von Gewalt". Der polnische Regierungschef Donald Tusk warnte in Warschau "Wir werden weiter für eine Verständigung in der Ukraine arbeiten, denn ein Bürgerkrieg von größerem oder kleinerem Ausmaß oder ein permanenter Konflikt ist weder für die Ukraine noch für die Sicherheit der Region gut." Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte die Führung in Kiew erneut vor Sanktionen. "Wer Entscheidungen zu verantworten hat, die zu einem Blutvergießen im Zentrum Kiews oder anderswo in der Ukraine führen, wird damit rechnen müssen, dass Europa die bisherige Zurückhaltung bei persönlichen Sanktionen überdenken muss", erklärte er in Berlin.

Monatelanger Machtkampf in der Ukraine

Die Ukraine wird seit Monaten von einem Machtkampf gelähmt. Die Opposition protestiert gegen Janukowitsch, seit der Präsident auf Druck Russlands ein weitreichendes Assoziierungsabkommen mit der EU auf Eis gelegt hatte. Die Opposition verlangt Neuwahlen und eine neue Verfassung, die die Vollmachten des Präsidenten erheblich zugunsten des Parlaments beschneidet.

(dpa/mgä)