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Radio Hamburg

Grubenunglück in der Türkei

Regierung schlägt Welle der Empörung entgegen

Istanbul/Soma, 15.05.2014
Recep Tayyip Erdogan, Ministerpräsident, Türkei

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in der Kritik.

In Soma werden die toten Kumpel zu Grabe getragen. Tausende fordern den Rücktritt des Regierungschefs. Die Stimmung ist angespannt.

Nach dem verheerenden Grubenunglück mit mehr als 280 Toten in der Türkei wächst die Wut auf die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Entrüstung löste ein Berater Erdogans aus - er soll am Ort der Katastrophe in Soma auf einen Demonstranten eingetreten haben. In Soma kam es zu herzzerreißenden Szenen, als Familien die toten Kumpel zu Grabe trugen. Dutzende Bergleute sind noch unter Tage eingeschlossen. Kritiker werfen der Regierung vor, trotz Sicherheitsbedenken eine schützende Hand über das Kohlebergwerk gehalten zu haben.

Trauer, Wut und Gewalt

Berater Yusuf Yerkel hatte Erdogan bei einem Besuch in Soma begleitet, als dieser ausgebuht wurde. Auf Fotos ist zu sehen, wie Yerkel auf einen Mann eintritt, den zwei Sicherheitskräfte am Boden festhalten. Medienberichten zufolge sagte Yerkel, bei dem Mann habe es sich um einen militanten Linken gehandelt, der ihn und Erdogan angegriffen und beleidigt habe. Die Zahl der Toten stieg nach Angaben von Energieminister Taner Yildiz auf mindestens 282. Das Grubenunglück in Soma ist damit das schwerste in der Geschichte der Türkei. Es ist zugleich das schlimmste weltweit seit fast 40 Jahren.

Mangelnde Sicherheit

Nach Angaben der Betreibergesellschaft Soma Holding wurden insgesamt 450 Kumpel lebend gerettet. Darunter seien 80 Verletzte, die noch in Krankenhäusern behandelt würden. Energieminister Yildiz hatte gesagt, zum Zeitpunkt der Katastrophe seien 787 Arbeiter in der Zeche gewesen. Somit wäre das Schicksal von 55 Arbeitern ungeklärt. Hoffnung auf Überlebende gab es kaum noch. Die Soma Holding teilte mit, die zuständigen Behörden überprüften das Bergwerk alle sechs Monate. Die letzte Kontrolle sei im März gewesen. Dabei seien keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Türkische Medien hatten berichtet, die Regierungspartei AKP habe im vergangenen Monat Forderungen der Opposition zurückgewiesen, die Sicherheit an der Zeche zu überprüfen. Die Nachrichtenagentur Dogan meldete, in der Zeche habe es nur einen einzigen kleinen Schutzraum für 6500 Menschen gegeben.

Streik in mehreren Städten

Der Zorn vieler Türken entzündete sich auch, weil Erdogan die schlechte Sicherheitsbilanz der Kohlebergwerke in der Türkei heruntergespielt hatte. "Solche Unfälle passieren ständig", hatte er gesagt. Die Proteste gegen die Regierung dauerten an. In der westtürkischen Küstenmetropole Izmir ging die Polizei Medienberichten zufolge mit Tränengas und Wasserwerfern gegen rund 20.000 Demonstranten vor. Mehrere Gewerkschaften hatten zum Streik aufgerufen. In der Hauptstadt Ankara und in der Metropole Istanbul hatten schon am Vorabend Tausende Menschen den Rücktritt der Regierung gefordert. Die Polizei setzte auch dort Wasserwerfer und Tränengas ein.

 

Zwei Tage nach der Katastrophe dauerte der Brand in der Zeche an. "Es sieht so aus, als wenn das Feuer kleiner geworden wäre", sagte Yildiz. Die Brandursache war weiter ungeklärt. Medienberichten zufolge hatte vermutlich ein elektrischer Defekt in einem Trafo zu einer Explosion und dem Brand geführt. Am Donnerstag (15.05.) besuchte Staatspräsident Abdullah Gül den Ort der Katastrophe. Verzweifelte Familien mussten die Leichen ihrer
Angehörigen identifizieren. Viele beklagten fehlende Informationen. Ein Totengräber auf dem Friedhof in Soma berichtete, mit Hilfe von Freiwilligen seien mehr als 200 Gräber ausgehoben worden. Mehrere Beerdigungen fanden parallel statt. Lastwagen brachten die Särge zum Friedhof. Angehörige, darunter viele Kinder, weinten vor den Gräbern.

Das Grubenunglück in der Türkei löste weltweit Trauer aus. Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, boten der Türkei Hilfe an. In der Türkei kommt es immer wieder zu tödlichen Grubenunfällen. Mehrfach gab es in den vergangenen Jahren Verstöße gegen Sicherheitsregeln oder es wurden veraltete Arbeitsgeräte eingesetzt. Beim bis dahin schwersten Bergwerksunglück in der Türkei im Jahr 1992 waren 263 Menschen ums Leben gekommen. (dpa/apr)