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Radio Hamburg

Türkei

28 Staatsanwälte sollen Grubenunglück untersuchen

Soma/Istanbul, 16.05.2014
Grubenunglück in der Türkei Kumpel

Mindestens 284 Kumpel starben bei dem Bergwerksunglück in der Türkei. 450 konnten lebend gerettet werden.

Fast alle Opfer des Bergwerksunglücks im türkischen Soma wurden mittlerweile gefunden. Jetzt rücken die Ermittler mit einem Großaufgebot an.

Nach dem größten Bergwerksunglück in der Geschichte der Türkei soll ein Großaufgebot von Staatsanwälten nach Schuldigen suchen. Der Hohe Rat der Richter und Staatsanwälte (HSYK) habe als oberstes Aufsichtsgremium 28 Ankläger auf den Fall angesetzt, berichteten türkische Fernsehsender. Energieminister Taner Yildiz sagte, in den Stollen der westtürkischen Stadt Soma würden noch 18 Männer vermisst. Die Zahl der gefundenen Toten stieg drei Tage nach dem Unglück auf 284.

Pfiffe für Erdogan

Gegen die Regierung und insbesondere gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan richtete sich neue Kritik. Erdogan wurde vorgeworfen, er habe einen jungen Mann im Unglücksort Soma geohrfeigt. Türkische Oppositionspolitiker und Internetaktivisten empörten sich. Die Szene soll auf einem Video festgehalten sein - allerdings ist die Sequenz verwackelt, so dass Erdogans Verhalten nur undeutlich zu erkennen ist. Erdogan war bei seinem Auftritt in Soma von einer Menschenmenge ausgebuht und ausgepfiffen worden. Sicherheitskräfte bahnten ihm den Weg durch Demonstranten in ein Geschäft. Dort kam es zur Konfrontation mit einem jungen Mann. Dieser sagte, der Ministerpräsident habe ihn unbeabsichtigt geschlagen, weil dieser wütend auf die Demonstranten gewesen und die Kontrolle verloren habe. "Ich werde den Herrn Ministerpräsidenten nicht anzeigen. Ich erwarte
nur eine Entschuldigung", sagte Taner Kuruca. Oppositionspolitiker kritisierten Erdogan scharf.

Unfallursache weiter unklar

Die Betreibergesellschaft Soma Holding wies erneut Vorwürfe zurück, es habe Unregelmäßigkeiten gegeben. Die Unfallursache werde noch untersucht. Es habe sich aber gezeigt, dass die Explosion - anders als zunächst vermutet - nicht von einem defekten Trafo ausgelöst worden sei. Die türkische Regierungspartei AKP wolle das Unglück vom Parlament untersuchen lassen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. Die Regierung wird kritisiert, weil sie schärfere Sicherheitskontrollen verhindert haben soll. Der Ärger gegen Erdogan und seine Delegation entlud sich in Demonstrationen.

Lest auch: Grubenunglück in der Türkei: Regierung schlägt Welle der Empörung entgegen

In Soma werden die toten Kumpel zu Grabe getragen. Tausende fordern den Rücktritt des Regierungschefs. Die Stimmu ...

Ein Berater Erdogans entschuldigte sich inzwischen für Tritte auf einen am Boden liegenden Demonstranten. "Der Zwischenfall am Mittwoch in Soma tut mir sehr leid", erklärte er. Wegen "Provokationen, Beleidigungen und Angriffen" habe er die Selbstbeherrschung verloren. Nach Angaben der Soma Holding wurden 450 Kumpel lebend gerettet. Zusammen mit den Toten und den am Freitag (16.05.) genannten 18 Vermissten hätten sich demnach maximal 752 Arbeiter in dem Bergwerk aufgehalten. Zunächst hatte der Energieminister von 787 Bergleuten gesprochen.

 

In Deutschland kritisierte Grünen-Chef Cem Özdemir das Verhalten von Erdogan nach dem Grubenunglück. "Der Auftritt, den er dort vorgelegt hat, ist einer, den auch viele seiner Anhänger nicht gutheißen können, denn nach so vielen Toten trauert man und findet die richtigen Worte und gießt nicht Öl ins Feuer, wie er es gemacht hat", sagte Özdemir im ZDF-"Morgenmagazin". Erdogan hatte die schlechte Sicherheitsbilanz der Kohlebergwerke in der Türkei heruntergespielt und gesagt: "Solche Unfälle passieren ständig." (dpa/apr)