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Radio Hamburg

Ferguson

Neue schwere Rassen-Unruhen

Ferguson, 25.11.2014
RHH - Expired Image

In Ferguson ist es erneut zu schweren Rassen-Unruhen gekommen.

Eine Geschworenenjury in Ferguson hat entschieden, dass der weiße Polizist Darren Wilson nicht vor Gericht muss.

"Keine Gerechtigkeit, kein Frieden", rufen die Demonstranten. In der US-Kleinstadt Ferguson brennen nach der umstrittenen Entscheidung einer Anklagekammer im Fall Michael Brown wieder Gebäude.

Als Staatsanwalt Robert McCulloch vor die Kameras tritt, ist die Anspannung auf dem Höhepunkt. Es ist später Abend. Seit vielen Stunden weiß jeder, dass die Grand Jury nach rund drei Monaten endlich zu einem Urteil gekommen ist. Nur nicht, zu was für einem. 

Die zwölf Geschworenen mussten klären, ob der weiße Polizist Darren Wilson eine Straftat begangen hatte, als er am 9. August den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown auf offener Straße in Ferguson erschoss. Eine Entscheidung von großer Tragweite - weit über die Kleinstadt in Missouri hinaus.

"Die Welt schaut zu"

Also wägt McCulloch seine Worte genau ab. Er bedauert Browns Eltern, die "einen geliebten Menschen durch Gewalt verloren haben". Die Bedeutung seines Auftritts ist ihm völlig klar. "Die Bürger sind sich bewusst, dass die ganze Welt zuschaut wie wir antworten und reagieren", sagt er mit rauer Stimme. Der Chefankläger kritisiert zunächst die vielen Gerüchte über den Vorfall, die in sozialen Netzwerken im Internet sowie durch den "unersättlichen Appetit der Medien" gestreut worden seien. Schließlich stellt er sich noch vorbeugend schützend vor das Justizsystem, in dem nur harte Beweise zählten und nicht Hörensagen. Das lange Vorgeplänkel hat gute Gründe. Ihm folgt eine lange Liste an Indizien, die den 18-jährigen Brown in kein gutes Licht stellen. Wilson habe den Jugendlichen an jenem Sommertag gebeten, nicht mitten auf der Straße zu gehen, erklärt McCulloch. Darauf sei der an das Fenster des Polizeiwagens getreten und hätte hineingegriffen. In dem Auto seien zwei Schüsse gefallen. Brown habe sich dabei am Daumen verletzt. Er habe sich wieder von dem Wagen entfernt. Wilson sei ihm hinterher gelaufen. Es gebe Beweise, dass der Teenager sich umgedreht habe und mindestens zwei Mal auf Wilson zugekommen sei. Der Polizist feuerte daraufhin zehn Schüsse ab.

Viele Zeugen hatten ursprünglich nach dem Vorfall berichtet, dass Brown wehrlos gewesen sei, seine Hände gehoben habe, der Polizist ihm in den Rücken geschossen habe. Doch viele dieser Aussagen seien falsch gewesen, meint der Staatsanwalt. Einige hätten ihre Angaben geändert, andere später zugegeben, das Geschehen doch nicht gesehen zu haben. Schussverletzungen im Rücken habe Brown nicht gehabt. Die Entscheidung der Jury: Keine Anklage gegen den Polizisten.

Trotzdem Ausschreitungen

Doch McCulloch kann sich noch solche Mühe geben, in Ferguson kommt es unmittelbar nach der Pressekonferenz zu Ausschreitungen. Hunderte Demonstranten stellen sich vor dem Polizeigebäude der Polizei auf. Eine Gruppe junger Leute ruft: "Wir brauchen all die rassistischen Polizisten nicht". Andere: "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden." Schnell wird es richtig gewalttätig in dem Vorort von St. Louis. Flaschen fliegen und Ziegelsteine. Protestanten zertrümmern die Fensterscheiben eines Spirituosenladens und plündern ihn. Andere setzen ein Polizeifahrzeug in Brand. Weit über ihnen kreisen mindestens drei Polizeihubschrauber. Überall marschieren Beamte in voller Kampfmontur.

Obamas Friedfertigkeits-Aufruf verpufft

Dann zünden Demonstranten auch Gebäude an. Hohe Flammen schlagen in den Nachthimmel. In der Luft liegt dichter Qualm, ob das Tränengas ist oder Blendbomben, ist nicht ganz klar. Immer wieder ist lautes Knallen zu hören. Schüsse? All die Rufe nach Friedfertigkeit noch am Abend, von US-Präsident Barack Obama bis hin zu den Eltern von Michael Brown, scheinen ungehört zu verhallen. Aber wer vor Ort ist, weiß auch: Betroffen ist ein relativer kleines Gebiet der Stadt, vier Häuserblöcke vielleicht. Und viele wollen eigentlich gewaltlos protestieren. Man brauche nur wenige Krawallmacher, um Feuer zu legen, sagen sie. 

(dpa/aba)

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