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Radio Hamburg

Oscar Pistorius

Der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen

Pretoria, 12.09.2014
RHH - Expired Image

Oscar Pistorius wurde der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen.

Im Prozess um den Mord an Reeva Steenkamp wurde nun ihr Lebensgefährte, Oscar Pistorius, der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen worden. 

Nachdem Reeva Steenkamp am 14. Febraur 2013 tot in dem Haus ihres Lebensgefährten Oscar Pistorius aufgefunden wurde,  wurde dieser wegen Mordes angeklagt. Der Prozess dauerte mehrere Monate. Am Donnerstag (11.09.) begann die Richterin mit der Verlesung der Urteilsbegründung. Bei Beginn der Verlesung des Urteils sprach die Richterin  Pistorius bereits am  11. September 2014 vom Vorwurf des Mordes bzw. Totschlags frei.

Am Freitagmorgen (12.09) verkündete die Richterin dann das endgültige Urteil. 

Pistorius der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen

Um 10:20 Uhr wurde Pistorius von der Richterin Thokozile Masipa der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Das Strafmaß wird erst in einigen Wochen bekannt gegeben. Die Höchststrafe für fahrlässige Tötung liegt bei 15 Jahren, möglich ist aber auch, dass nur eine Bewährungsstrafe auf Pistorius zukommt. 

Strafmaß noch nicht festgelegt

Die Richterin legte das Strafmaß für Pistorius wie erwartet noch nicht fest. Möglicherweise gibt sie es erst in einigen Wochen bekannt. In der Zwischenzeit können Staatsanwaltschaft und Verteidigung Argumente vorlegen - entweder für ein besonders hartes Urteil oder für mildernde Umstände. 

Bleibt Pistorius bis Strafmaßverkündung frei?

Nach dem Schuldspruch stritten Staatsanwalt und Verteidiger darüber, ob der frühere Sportstar bis zur Verkündung des Strafmaßes weiter in Freiheit bleiben soll oder nicht. Am Nachmittag wollte die Richterin entscheiden, ob Pistorius zunächst ins Haus seines Onkels zurückkehren darf, wo er seit seiner Freilassung auf Kaution wohnt. Während der Mittagspause wurde Pistorius kurzzeitig in eine Zelle im Gericht gebracht.

Anklage geht von Mord aus

Für die Staatsanwaltschaft ist das Urteil eine Niederlage, denn aus ihrer Sicht hat Pistorius seine Freundin Steenkamp vorsätzlich getötet. Nach Pistorius Aussage habe er nachts aus dem Badezimmer Geräusche gehört und vermutet, dass sich ein Einbrecher in seine Wohnung geschlichen habe. Er habe sich bewaffnet, laut geschrien und blind durch die Badezimmertür geschossen. Pistorius hatte seine Partnerin Steenkamp, die sich im Badezimmer befand, erst an der Hüfte getroffen und noch drei weiteren Schüssen abgegeben,  wobei sie auch am Kopf getroffen wurde.

Pistorius glaubte, ein Einbrecher sei im Haus

Richterin Masipa argumentierte, die Anklage habe in dem Prozess nicht widerlegen können, "dass Pistorius wirklich glaubte, es sei ein Einbrecher im Haus". Der Sportstar hatte schon kurz nach der Tat und während des Prozesses beteuert, aus Angst vor einem Eindringling undin Panik geschossen zu haben. Erst nach den vier Schüssen habe er festgestellt, dass seine Freundin nicht schlafend im gemeinsamen Bett gelegen habe.

Pistorius zeigt kaum eine Regung

Pistorius nahm den Schuldspruch mit Fassung auf: Der 27-Jährige zeigte kaum eine Regung, stattdessen schien er sich leicht vor Richterin Masipa zu verbeugen. Am Vortag war er im Gerichtssaal wiederholt von Weinkrämpfen geschüttelt worden. Nach dem Urteil saß Pistorius - einst ein weltweites Idol des Behindertensports - still neben seiner Schwester. 

Steenkamps Familie schockiert

Die Mutter der erschossenen Reeva Steenkamp, June, tröstete weinende Familienmitglieder nach der Urteilsverkündung. "Ihr müsst nicht weinen", hörten Anwesende sie sagen. Vater Barry Steenkamp verließ den Gerichtssaal mit hängenden Schultern.

Nach der Verkündung des Strafmaßes in wenigen Wochen könnte Pistorius laut südafrikanischen Rechtsexperten sofort in ein Gefängnis kommen. Ein mögliches Berufungsverfahren könnte rund ein Jahr dauern.

Anderes Urteil nach deutschem Recht

In Deutschland wäre Oscar Pistorius nach Einschätzung von Juristen wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt worden. "Nach deutschem Recht wäre es so nie abgelaufen", sagte Erik Olaf Kraatz von der Kanzlei Dr. Schulte und Partner. Wie Jurist Thomas Schulte sagte, wäre Pistorius in Deutschland vermutlich wegen Totschlags verurteilt worden. Der Strafrahmen hätte nach seinen Worten bei 10 bis 15 Jahren gelegen, je nach den Umständen der Tat.

Urteilsbegründung unverständlich

Die Kanzlei stellte die Frage, wie man annehmen könne, "dass einem Schützen im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, der seine Waffe viermal hintereinander abfeuert, nicht klar gewesen sei, dass er damit einen Menschen töten kann?" Auch wenn sich Pistorius tatsächlich gegen einen Einbrecher in seinem Haus hätte wehren müssen, hätte er nach Ansicht der Rechtsexperten einen Warnruf und einen warnenden Schuss abgeben müssen. 

(dpa/asc/mgä)

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