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Radio Hamburg

Terroranschlag in Barcelona

13 Deutsche unter den Verletzten

Barcelona, 18.08.2017
Anschlag Barcelona, Terror

Menschen laufen panisch hin und her, suchen nach Schutz in Hauseingängen - und eine Mutter schreit verzweifelt nach ihren Kindern... ein Horrorszenario im wunderschönen Barcelona. 

Er ist Anwalt für Menschenrechte, läuft die berühmte Flaniermeile Las Ramblas entlang und gerade auf dem Weg zu einer Konferenz - Aamar Anwar. Wie immer ist auf der Straße viel los, unzählige Touristen genießen einen sonnigen Tag im schönen Barcelona. Doch dann passiert es: "Auf einmal habe ich ein lautes, krachendes Geräusch gehört und die Menschen auf der Straße finden an zu schreien und rennen. Eine Frau neben mir schrie verzweifelt nach ihren Kindern...", sagt Anwar.

"Innerhalb von 30 Sekunden kamen Polizisten mit Waffen angerannt, Polizei- und Krankenwagen waren auf einmal da und wir wurden so schnell von der Straße weggerissen. Alle waren so in Panik." Ein Polizei-Van nach dem anderen kamen an dem Ort des Schreckens und des Terrors an. Doch Aamar Anwar war nicht der einzige, der live dabei war, als der weiße Lieferwagen 13 Menschen wie aus dem Nichts aus dem Leben riss. 

Verzweifelt auf der Suche nach Schutz

Ethan Spibey, der mit seinem Freund gerade Urlaub in Barcelona macht, sagt: "Plötzlich war da so ein Chaos. Menschen liefen schreiend herum, flüchteten in unsere Richtung. Ein kleines Kind wurde überrannt und wir kümmerten uns um sie." In einer Kirche hätten sie dann mit fünfzig weiteren Menschen Schutz gesucht. "Viele Menschen sind in Shops und Cafés geflüchtet, um sich zu retten." Auch Mel Higgings war gerade mit ihrer Familie im Urlaub in Barcelona, als der Lieferwagen die flanierenden Menschen attackierte. Sie griff sich ihre Töchter und rannte mit ihnen in einen Shop, wo die Türen schnell geschlossen wurden. "Irgendwann war es so ruhig. Wir waren kurz davor wieder die Türen zu öffnen, als die Menschen wieder panisch herumrannten und schrien, wir sollten wieder die Türen schließen." Weitere 20 Minuten harrten sie in dem Shop aus, als die Polizei ihnen sagte, sie sollten so schnell wie möglich nach Hause gehen. "Du siehst sowas normalerweise immer nur im Fernsehen, und selbst wenn du bei sowas in Sicherheit bist, hast solch eine schreckliche Angst - nicht zu wissen, was passiert ist und was passieren wird."

Unsere ehemalige Kollegin Marta berichtet von der Stimmung

Eine ehemalige Kollegin von uns, Marta, kommt gebürtig aus Barcelona und arbeitet dort nun auch bei einem Radio: "Wir haben unser normales Programm gespielt. Plötzlich kam ein Kollege von uns von dem Anschlag erzählt, dass ein Mann mit seinem Wagen auf der Las Ramblas viele Menschen umgefahren hat. Alle waren schockiert, keiner wusste da genau, was überhaupt passier ist. Wir haben auf weitere Infos gewartet und dann haben wir einfach das Programm abgebrochen und haben versucht die Leute immer wieder neu zu informieren." Doch was ist das für ein Bild, das sich einem da bietet? "Momentan ist hier viel Polizei. Gestern Abend haben wir gegen 23 Uhr die Radiostation verlassen, wir waren alle ziemlich lange da. Als ich dann nach Hause gegangen bin, waren noch ziemlich viele Touristen unterwegs, weil sie nicht zu ihren Hotels auf Las Ramblas kamen. Deshalb war es so spät abends immer noch ein bisschen chaotisch. Viele Leute waren sehr verwirrt, weil sie nicht wussten, wo ihre Verwandten und Freunde waren, die sie auf der Rambla aus den Augen verloren hatten." Doch Angst hat Marta trotz des Anschlags nicht. "Ich bin sehr stolz auf die Menschen, die gestern Blut gespendet haben, die Wasser an Leute verteilt haben und die Leute halten einfach immer zusammen, unterbrechen sogar ihre Streiks, um zusammenzuhalten." 

Mille aus Barmbek entkam knapp dem Terror

Auch eine Barmbekerin, Mille, war am Tag des Anschlags, 17.08., in Barcelona - für einen Tagesausflug. "Also es wurde irgendwie unruhig in den Ecken überall. Und dann hörte man irgendwie irgendwelche Rufe, aber ich habe es nicht verstanden, weil ich kein Spanisch kann. Und mein Freund ist dann nur aufgestanden, hat mein Telefon weggepackt und meinte 'Los komm, wir müssen hier weg'. Wir wussten gar nicht was los ist, der Taxifahrer wusste nicht, was los ist. Und wir sind dann schon wieder Richtung Flughafen gefahren und erst als wir dann im Flughafen drin waren, haben wir erst gesehen, wie knapp das eigentlich war und dass das direkt bei uns um die Ecke war. Zwanzig Minuten waren wir genau an diesem Rondel, und sind da die Ramblas runtergelaufen, waren eigentlich den ganzen Tag da. Da haben wir erst bemerkt, wie knapp wir diesem Anschlag entkommen sind. Ich habe nur gedacht: 'Vielen Dank Gott, dass Du uns verschont hast!'

Die Opfer

Laut den Behörden Spaniens wächst die Zahl der Toten auf 14 Personen. Dazu kommen insgesamt 130 Verletzte. Von den Opfern sind 15 schwer verletzt, 35 erlitten mittelschwere Verletzungen und leicht verletzt sind 42 Menschen. Unter den Verletzten befinden sich auch 13 Deutsche, darunter auch Jugendliche. Drei Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen sind schwer verletzt.

"Wir haben keine Angst"

Plaza Catalunya, nach dem hunderttausend Trauernde an der Schweigeminute teilgenommen haben, ruft die Menschenmenge: "No tinc por!" - "Wir haben keine Angst!"

Mit diesen Worten setzten die Menschen eindeutig ein Zeichen gegen den Terrorismus. Sie lassen sich nicht ihrer Freiheit berauben. 

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