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Radio Hamburg

Kreuzschifffahrt boomt

Aida investiert 100 Millionen in Umwelttechnik

Hamburg, 29.08.2013
Aidabella, Aida Bella, Aida Cruises

Die internationale Schifffahrt muss bis zum Jahr 2020 strengere Umweltauflagen erfüllen. Davon sind auch Kreuzfahrtreedereien wie Aida betroffen.

In Europa sind Kreuzfahrten so beliebt wie nie, neue Schiffe sind im Bau. Wegen strengerer Umweltauflagen wird in Technik investiert.

Die weltweit agierenden Kreuzfahrtreedereien müssen sich in den nächsten Jahren mehr Umweltschutz auf die Fahne schreiben. Wie die Handelsschifffahrt werden auch sie durch Auflagen der Internationalen Maritime Organisation (IMO) dazu verpflichtet, in Etappen bis 2020 Schadstoffemissionen noch stärker zu reduzieren. Mehr Umweltschutz auf See und in den Häfen, den Verbände wie der Naturschutzbund Deutschland fordern, bedeutet für die Reedereien Investitionen in neue Technologien - und Pionierarbeit. "In der Industrie gibt es einen Wettbewerb der Ideen", sagt der Neubau-Direktor von Aida Cruises (Rostock), Christian Schönrock. Auch er ließ sich in Hamburg nicht alle Details über das Filtersystem zur Abgasnachbehandlung entlocken, das auf einer japanischen Werft derzeit in zwei Aida-Neubauten installiert wird. Wer aus seinen Prototypen Serienprodukte entwickeln kann, sei in der Schifffahrtsindustrie ganz weit vorn.

Auch Tui Cruises setzt auf Umwelttechnologie

Die zum US-Kreuzfahrtriesen Carnival gehörende Aida Cruises (Rostock) investiert bis 2016 rund 100 Millionen Euro in Umwelttechnik. Ein Teil fließt auch in ein Projekt mit Becker Marine Systems (Hamburg) zur externen Stromversorgung in Häfen. Vom nächsten Jahr an könnte erstmals eine LNG Hybrid Barge - eine Schute mit Blockheizkraftwerk und Gasbetrieb - den Betrieb des Hotelschiffs am Kai sicherstellen. Auch der Hamburger Kreuzfahrtanbieter Tui Cruises ("Mein Schiff") setzt mehr Umwelttechnologie auf seinen beiden Neubauten (je 2500 Passagiere) ein. "Rußpartikelfilter gibt es für Schiffe dieser Größenordnung noch nicht von der Stange", berichtete Geschäftsführer Richard J. Vogel im Mai. Für ein System aus Entschwefelungsanlage, Katalysatoren sowie Waschwasserbehandlung hat er Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe veranschlagt.

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Kaum ein Kreuzfahrtschiff ist aus Gesundheits- und Umweltsicht empfehlenswert und belastet sogar Hafenanwohner un ...

Hapag-Lloyd setzt auf Katalysatoren

Wie Aida hat sich auch Tui Cruises, ein Gemeinschaftsunternehmen der Tui AG (Hannover) und des US-Anbieters Royal Carribbean Cruises, an einem Projekt E-Power-Barge der Eckelmann-Gruppe (Hamburg) beteiligt. Die dänische Fährreederei DFDS nimmt 400 Millionen Kronen (54 Mio Euro) in die Hand, um 12 Schiffe mit Srubbern zur Abgasentschwefelung auszurüsten, Vorlage ist ein eigener Prototyp. Hapag-Lloyd Kreuzfahrten setzt auf seiner im Mai in Fahrt gebrachten "Europa 2" einen Katalysator ein, der den Stickoxidausstoß gen Null bringen soll und teilweise auch Ruß filtert, wie das ebenfalls zur Tui AG gehörende Unternehmen mitteilte.

Nabu begrüßt Aida-Pläne

Mit einer Abgasreinigung können Reedereien vom 1. Januar 2015 an geltende strengere Umweltauflagen in Nord- und Ostsee erfüllen. Sonst dürfen sie in dieser Region - inklusive Ärmelkanal - nur noch mit leichterem Treibstoff mit einem Schwefelgehalt von maximal 0,1 Prozent fahren. "Die derzeit verfügbaren Treibstoffkapazitäten reichen nicht aus, um die gesamte Schifffahrt mit schwefelarmem Marine-Diesel zu versorgen", mahnte der Kreuzfahrtverband Cruise Lines International Association (CLIA). Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begrüßte die Aida-Pläne. Bei den 20 Neubauten, die internationale Reedereien bis 2016 für den europäischen Markt in Fahrt bringen wollen, verfügten 17 über keinerlei Abgasreinigung, hatte er noch Anfang August bilanziert. "Jetzt sind die Mitbewerber gefragt, es Aida gleich zu tun und ebenfalls den Ausstoß hochgiftiger und umweltschädlicher Luftschadstoffe zu reduzieren", forderte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. (dpa)

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