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Radio Hamburg

MS "Deutschland"

Reederei meldet Insolvenz an

Neustadt, 30.10.2014
RHH - Expired Image

Das "Traumschiff" stellte einen Antrag auf Insolvenz.

Die MS "Deutschland" Reederei hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Die Schulden belaufen sich auf rund 56 Millionen Euro. 

In Schifffahrtskreisen wird schon lange von finanziellen Schwierigkeiten der MS "Deutschland" gemunkelt. Jetzt ist es offiziell. Die Geschäftsführung hat Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Die Buchungslage auf dem "Traumschiff" sei aber gut.

Antrag auf Insolvenz

Die als ZDF-"Traumschiff" bekannte MS "Deutschland" ist in einen finanziellen Schlingerkurs geraten. Die Geschäftsführung der MS "Deutschland"-Beteiligungsgesellschaft stellte am Mittwoch beim Amtsgericht Eutin (Schleswig-Holstein) einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Aktuell belaufen sich die Verbindlichkeiten des "Traumschiffs" auf rund 56 Millionen Euro, davon sind etwa 50 Millionen Euro Anleiheschulden.

Gut gebucht

Wie die Reederei mitteilte, ist Wolfram Günther von der Restrukturierungsgesellschaft One Share Advisors zum Sachwalter bestellt worden. Günther sagte, er sei optimistisch, die
"Deutschland" langfristig wieder in sicheres Fahrwasser zu bringen. Die Buchungslage für das nächste Jahr ist nach Angaben der Reederei gut.

Keine Konkurrenz

In den Kreuzfahrtriesen mit Platz für mehrere Tausend Passagiere sieht Günther keine Konkurrenz für die „Deutschland“ mit knapp 300 Kabinen. "Das Schiff ist nicht im Mainstream angesiedelt, sondern hat ein eigenes Publikum, das die intime Atmosphäre schätzt", sagte er. Die anstehenden Reisen der „Deutschland“ sollen jedenfalls wie geplant stattfinden.

Weltreise Ende des Jahres

Eine seiner ersten Aufgaben werde es sein, die Finanzierung des anstehenden Werftaufenthaltes zu sichern, damit das Schiff Ende des Jahres auf Weltreise gehen kann, sagte Günther. Die Restrukturierung biete die Chance, die Altschulden loszuwerden und neu durchzustarten, sagte er. Die Gehälter der rund 300 Mitarbeiter an Land und auf See sind bis Ende Januar durch die Arbeitsagentur gesichert.

Mittelstandsanleihen

Das Schiff gehört der MS "Deutschland" Beteiligungsgesellschaft, die durch Mittelstandsanleihen finanziert wird. "Diese Art der Finanzierung war ein Fehler, den wir jetzt korrigieren müssen", so Günter. "Wir zahlen allein 2,5 bis 3 Millionen Euro Zinsen pro Jahr." Die Anleihen waren 2012 vom vorigen Besitzer des Schiffes, dem Münchner Investor Aurelius ausgegeben worden, um frisches Kapital für das Kreuzfahrtschiff zu beschaffen.

Anfang des Jahres verkauft

Anfang dieses Jahres verkaufte Aurelius die Beteiligungsgesellschaft an die Callista Private Equity. Am 12. November muss nun die Gläubigerversammlung darüber entscheiden, wie es mit der "Deutschland" weitergeht.

"Eine Reihe von Interessenten"

Ein erstes Treffen am 8. Oktober war wegen zu geringer Beteiligung nicht beschlussfähig. "Es gibt bereits eine Reihe von Interessenten für eine Beteiligung an dem Schiff. Aber ohne massiven Verzicht auf Seiten der Gläubiger wird es nicht gehen", stellte Günter klar.

Auf dem 1998 in Betrieb genommenen Schiff hat das ZDF die Serien "Das Traumschiff" und "Kreuzfahrt ins Glück" gedreht.

(dpa/lwe)

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