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Radio Hamburg

Übernahmegespräche

Air Berlin verhandelt mit drei Interessenten

Berlin, 17.08.2017
Air Berlin Flugzeug

Bereits seit Wochen laufen die Übernahmegespräche bei Air Berlin. Verkehrsminister Dobrindt wirbt für eine deutsche Lösung. 

Die insolvente Air Berlin verhandelt mit drei Interessenten über eine Übernahme von Teilen des Geschäfts. "Neben der Deutschen Lufthansa stehen wir mit zwei weiteren Interessenten aus der Luftfahrt in Kontakt", sagt Vorstandchef Thomas Winkelmann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Gespräche liegen schon seit Wochen. 

Etihad will nicht mehr, andere dafür schon

Alle Unternehmen seien "in finanzieller Hinsicht seriös, vom Volumen her ausreichend groß, um Air Berlin eine sichere Zukunft zu bieten, und hätten zudem das Interesse, weiterhin vom Standort Deutschland aus zu operiere", sagt Winklemann außerdem. Namen wollte er jedoch nicht nennen. Alle Interessenten seien börsennotiert. Eine juristisch belastbare Vereinbarung, die den Betrieb zentraler Geschäftseinheiten und die Mehrheit der Beschäftigten absichere, will Winkelmann der Zeitung zufolge noch im September treffen. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft hatte am Dienstag (15.08.) Insolvenz angemeldet, weil Großaktionär Etihad die Verluste nicht mehr ausgleichen will. Der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro noch für etwa drei Monate gesichert. 

Bei den Übernahmegesprächen geht es laut Winkelmann um Teile von Air Berlin und auch von ihrer Tochter Niki. Außer der Lufthansa soll unter anderem Ryanair-Konkurrent Easyjet und auch Tuifly interessiert sein. Auch die Thomas-Cook-Tochter Condor hat Interesse angemeldet. Verkehrsminister Alexander Dobrindt favorisiert offensichtlich eine deutsche Lösung. 

Kritik an der Firmenleitung

Winkelmann zeigte sich zuversichtlich, viele der rund 8.600 Arbeitsplätze retten zu können. "Ich glaube, trotz Insolvenz, mein Ziel zu erreichen und einen Großteil der Jobs zu sicher. Das kriegen wir hin." Er sagte jedoch auch in einem anderen Gespräch: "Aus heutiger Sicht die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Marke Air Berlin verschwindet." Die Pläne der Lufthansa stoßen weiter auch auf Gegenwind, denn Air Berlin ist auf vielen Flugstrecken der direkte Konkurrent von Lufthansa. Lufthansa müsse daher bei einer Übernahme "mit strengen Bedingungen und Auflagen rechnen". Dazu zähle der Verzicht auf weite Teile der begehrten Landrechte von Air Berlin. Kritik übte der Kommissionschef auch an der Hilfe der Bundesregierung. Außerminister Sigmar Gabirel verteidigte den Einsatz hingegen: "Wir haben einen Brückenkredit gebilligt für Air Berlin, weil sonst pro Tag 80.000 Menschen in der Urlaubszeit an Flughäfen gestanden hätten". Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte zwar ebenfalls die Hilfe, kritisierte jedoch auch die Firmenleitung und ihre "Fehler in der Unternehmensstrategie". Man habe sich nicht entscheiden können, ob man Ferien-Flieger oder Geschäftsreisen-Anbieter sein wolle.