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Radio Hamburg

Rainer Hirsch aus der Nachrichtenredaktion

Fühlt Ihr Euch durch Flüchtlinge bedroht?

Hamburg, 11.09.2015
Flüchtlinge, Refugees, Getty Images

46 Prozent der Hamburger fühlen sich durch den Zuzug von Flüchtlingen bedroht. Ihr auch?

46 Prozent der Hamburger fühlen sich durch den Zuzug von Flüchtlingen bedroht. Das besagt die bundesweite repräsentative Umfrage, die Trend Research für uns durchgeführt hat.

Erklärungsansatz der Berliner Migrationsforscherin Sina Arnold: „Viele Menschen haben Sorge vor einem wirtschaftlichen Abstieg und nicht allen behagen die Veränderungen in unserer Gesellschaft in Bezug zum Beispiel auf Religion, Familienleben und Beruf.“ Erstaunlich ist dabei laut Arnold, wie unterschiedlich die Reaktionen sind: die einen attackieren Flüchtlingsheime während andere mit Luftballons davorstehen, um die Flüchtlinge willkommen zu heißen.

Genauso unterschiedlich sind die Reaktionen, die wir hier in der Redaktion auf unsere Berichterstattung zum Thema Flüchtlinge bekommen. Ganz viel Schwarz/Weiß, dabei wird es unsere Aufgabe als Gesellschaft sein, die Graubereiche dieses Themas auszumalen, sonst fliegt es uns um die Ohren.

46 Prozent der Hamburger sind definitiv keine Nazis oder rechtsextrem, sie spüren nur eine gewisse Verunsicherung und so etwas macht manchen Menschen Angst. Und unbestreitbar ist der Umgang mit hunderttausenden Flüchtlingen kein Selbstläufer. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben uns das Recht auf Asyl in die Verfassung geschrieben, gewiss ohne damit zu rechnen, dass es einmal Hunderttausende in Anspruch nehmen wollen. Ich will hier ganz klar betonen: es ist gut, dass wir das Asylrecht haben, nachdem Deutschland selbst von 1933 bis 45 die allerhässlichste Fratze der Unmenschlichkeit gezeigt, Menschen ausgegrenzt, verfolgt, vertrieben und vergast hat. Und das zu Millionen. Wir müssen dankbar sein, dass andere Länder aus Nazi-Deutschland fliehende Menschen aufgenommen haben, sonst wäre die deutsche Schuld noch größer. Auch heute.

Ich vermute, viele Menschen sind zurzeit vor allem verunsichert, weil Verwaltungen und Politik keine überzeugenden Patentlösungen parat haben. Können die auch gar nicht, aber Angela Merkels heutige Versicherung via Zeitung „Rheinische Post“, dass wir „die Aufgaben bewältigen und die Kosten für die Aufnahme der Flüchtlinge tragen können“, verhallt unter den Rufen ihrer CSU-Kollegen Söder und Friedrich „Deutschland ist überfordert“ und „Wir haben die Kontrolle verloren“.

Ob Deutschland überfordert ist? Keine Ahnung, ich finde, wir schlagen uns passabel. Die Flüchtlinge bekommen ein Dach über dem Kopf, sie haben zu Essen, ihnen fallen keine Bomben mehr aufs Haus, es gibt Krankenversorgung. Klar, all‘ das ginge besser und effektiver, aber allen seit den 80er Jahren von Migrationsforschern immer wieder ausgesprochenen Warnungen zum Trotz haben wir uns eben nicht darauf eingestellt und sind überrascht worden. Wir haben gesehen, wie Millionen Syrer aus ihrem Land in Zeltlager im Libanon und in die Türkei geflüchtet sind. An eine mögliche Weiterreise haben wir nicht gedacht.

Das erinnert mich ein bisschen an die Deutsche Einheit. Während der damalige westdeutsche Kanzler Helmut Kohl die schnelle Wiedervereinigung mit den Ostländern mit flotter Währungsunion quasi aus der Portokasse zahlen wollte und blühende Landschaften versprach, warnten andere (z.B. Oskar Lafontaine) vor finanziellen Risiken und falschen Anreizen zum Verlassen des Ostens. Bis jetzt haben wir die Herausforderung gemeistert – es ist nicht alles und vor allem nicht für jeden glatt gelaufen, aber unsere Gesellschaft hat es nicht gesprengt. Und das trotz durchaus unterschiedlicher Entwicklung der Gesellschaften in Ost und West. Deutschland ist ein big, global Player.

Meine Hoffnung ist, dass wir das in 25 Jahren auf die Flüchtlingskrise zurückblickend auch sagen werden. Und dass wir es dann geschafft haben werden, eine lebendige Gesellschaft mit Menschen unterschiedlichster Kultur, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung, zu kreieren. Weil es im Grunde nur um eines geht: wir alle wollen in Frieden leben.

Natürlich treiben auch mich die Fragen mit Risikopotential um: ich möchte nicht dauerhaft in einer Gesellschaft leben, in der sich Frauen wegen Unterdrückung verschleiern müssen. Ich will (obwohl ich's selbst gar nicht gern esse) nicht, dass Schweinefleisch aus Rücksicht auf eine Religion irgendwann aus der Schlachtertheke verschwindet. Ich will nicht, dass hier Männer standardmäßig aus religiösen Gründen beschnitten werden. Ich möchte mit der Religion anderer im Grunde genommen gar nichts zu tun haben. Soll jeder machen wie er will, aber bitte ohne Auswirkung auf mich. Aber nur weil jetzt hier viele Moslems Zuflucht suchen, heißt es nicht, dass sie uns ihr bisheriges Lebenskonzept überstülpen wollen. Und wir müssen ihnen klar machen, was unsere Regeln für ein gutes Miteinander sind. Vielleicht funktioniert es dann.

Was meint Ihr? 

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