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Radio Hamburg

Feiertyp: Sattgekiezt

Och nee, bloß nicht auf den Kiez

Hamburg, 14.07.2016
Reeperbahn, Davidwache

Die Umgebung der Davidwache scheint einfach nicht für jeden auf Dauer ein magischer Wochenend-Anziehungspunkt bleiben zu können.

Besonders für Nicht- und Neu-Hamburger gehört der Kiez zu den festen Anziehungspunkten der Stadt. Was hat es bloß mit dieser Magie auf sich?

Für viele Neu-Hamburger haben die Straßen rund um die Reeperbahn geradezu magnetische Anziehungskraft. Es wird sich schon beim Einleben riesig gefreut, die berühmte Feiermeile endlich ohne allzu großen Anreiseaufwand im Zugriff zu haben, besonders junge Zugezogene wähnen sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Paradies. Bekommen wir Hamburger für kurze Zeit Besuch von Freunden oder Verwandten aus der Ferne, muss der Kiez oft unbedingt auf der dicht getakteten Hamburg-Agenda mit auftauchen und ausgiebig kennen gelernt werden. Großartig anders ging es auch mir nicht, als ich 2008 hergezogen bin, aber das Blatt hat sich dann doch unerwartet schnell gewendet.

Begeisterung, die schnell verschwindet

Es ist ja schön, dass der Kiez so vielen Menschen so viel Spaß macht. Sonst wäre es dort ja auch am Wochenende nicht so (unangenehm) bepackt mit den feiernden Massen. Und ja, die meisten Menschen, die den Kiez besucht haben, haben diesem oder mehreren Abenden ihre unvergesslichen Geschichten abgewonnen. So gern ich selbst feiern gehe, brauchte es allerdings nur eine Handvoll Kiezbesuche im Laufe von einigen Jahren, um von der Reeperbahn bereits mehr als genug zu haben. Anders ausgedrückt: Es dauert nach jedem Kiezgang länger, bis ich mich überhaupt wieder bereit fühle, mich ausgerechnet dort zum Feiern wieder mit hinschleifen zu lassen. Geht es nur mir so? So wohl ich mich seit Jahren in Hamburg fühle, so unwohl auf dem Kiez.

Was ist diese "Faszination Kiez"?

Denke ich über Abende auf dem Kiez nach, fällt mir persönlich auf Anhieb nur äußerst wenig Positives ein. Nervige Junggesellenabschiede, überall. Rappelvolle Läden, so voll, dass man nicht umfallen kann und Bierholen zur Kontaktsportart wird. Als Mann alle paar Meter dieses distanzlose Angequatsche von den zahlreichen Damen aus dem Horizontalgewerbe, bei dem man sich wünscht, von einer undurchdringlichen Kapsel umgeben zu sein, die spätestens die hundertzwanzigste Kontaktaufnahme bitte einfach unmöglich machen möge. Die allgegenwärtige Unberechenbarkeit der delirierenden Mitmenschen, die immer auch die Frage mitschwingen lässt, ob man sich noch wirklich sicher fühlen kann oder ob's gleich knallt. Die Notwendigkeit, beim Zusteigen zur S-Bahn an der Station Reeperbahn möglichst großen Abstand zu den wild schreienden Gruppen einzuhalten - Die Ausstrahlung unserer Feiermeile, auf die viele Hamburger auch sicher kulturell irgendwie zurecht stolz sind, bewegt sich für mich irgendwo zwischen verrucht und mulmig, hat es aber nie geschafft, auch mal ins Positive auszuschwenken.

Einmal durch die Herbertstraße?

Nein. Bitte erspart es uns. Eine kleine Wanderung durch die Herbertstraße muss anscheinend nicht nur oftmals dann sein, wenn wir privat gaaanz gespannte Touristen zu Gast haben, die sich händereibend fragen, was dort wohl so alles los sei, sondern immer wieder leider auch dann, wenn nur erst der Pegel dafür bei einigen stimmt. "Wir wollen mal richtig Hamburg sehen jetzt! Harhar!" Und dann? Lustig. Da ist doch nichts. Da war auch nichts. Bitte gehen Sie weiter. Es gehört beim Kiezbesuch zu den unangenehmsten und beschämendsten Kapiteln, wieder einmal dort mit durchzumarschieren, sich am liebsten schon wieder unsichtbar machen zu wollen und nicht schnell genug am anderen Ende angekommen sein zu können.

Spaßbremse, Typsache oder einfach Normalität?

Natürlich klingt das nach allem anderen als einer Empfehlung zum Hingehen, und doch tummeln sich dort die feierwütigen Menschenmengen, die offensichtlich irgendetwas daran zu finden scheinen. Naheliegend also, dass manche Menschen einfach nicht für den Kiez gemacht sind. Aber gehen andere Hamburger wirklich nach Jahren noch leidenschaftlich gern auf den Kiez? Gibt es noch viele wirklich einheimische Fans? Oder halten sich die "Eingesessenen" mehr und mehr aus dem Geschehen heraus, weil auch sie an den Punkt kommen, an dem es einfach reicht? Sicherlich sehr gemischt, für mich ist der Kiez jedenfalls einer der polarisierendsten Flecken Hamburgs. Und bei der nächsten Anfrage á la "Am Wochenende kiezen, biste dabei?" werde ich erneut sehen müssen, wie ich meinen Kopf aus der Schlinge ziehe. Absagen oder aushalten! Denn überreden wird man echte Fans des Spektakels wohl kaum mit ein paar entspannten Drinks in der Schanze. Bisschen spießig! Dafür müsse man ja schließlich nicht nach Hamburg kommen! Stimmt vielleicht. Aber für den Kiez? Ich weiß ja nicht.

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