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Radio Hamburg

#HamburgLiebe

In Hamburg zuhause - in Kölle daheim

Hamburg, 27.06.2016
Collage

Als gebürtiger Rheinländer in der Hansestadt musste ich mich mit einigen Unterschieden anfreunden. Zuhause fühle ich mich trotzdem...

Ich bin nicht von hier. Jedenfalls bin ich nicht hier geboren. Aber dort, wo ich geboren bin, lebe ich auch schon lange nicht mehr.

Durch den Tag mit mir

Grau, trüb, nass. Ist noch Nacht? Oder schimpft sich das da draußen schon Tag? Meine obligatorische Bekleidung: lange Hose und die Regenjacke, denn ich muss mit dem Fahrrad erstmal zur Bahn kommen. Sofort legt sich ein nasser Film auf meine Haut, obwohl es gar nicht regnet - dank der "grauen Suppe". Die Feuchtigkeit ist allgegenwärtig. Ich atme ein und rieche diesen unvergleichlichen Duft, den es nur hier gibt. Wenn es nachts geregnet hat und alles gerade abtrocknet.

Für manch einen mag es der blanke Horror sein und freut sich auf das Trockene. Für mich ist das Heimat. Hier fühle ich mich zuhause. Nicht, dass es nicht auch Tage geben würde, an denen ich über das „Schietwetter“ klage und mir wünsche, dass doch endlich mal wieder die Sonne scheinen würde. Besonders bei Westwind, der unaufhörlich Wolken von der Nordsee über den Himmel schickt und Hamburg unter einer selten aufreißenden Wolkendecke verschwinden lässt.

Vertraute Liebe

Doch meist ist es Liebe für mich. Es ist schwer zu erklären, was genau so schön daran ist. Ja, auch für mich ist es kalt und nass werde ich auch nicht gern. Aber es fühlt sich einfach richtig an. Und es fehlt einem sofort. Nach 10 Tagen in der sengenden Hitze am roten Meer wünsche ich mir nichts mehr, als endlich wieder mit der vertrauten Regenjacke vor die Tür zu gehen und den Wind meine Frisur zerstören zu lassen. Die omnipräsente Feuchtigkeit verwandelt meine Locken immer in eine undefinierbare Krause.

Sowieso gibt es ziemlich viel Wasser hier. Vielleicht nicht so viel wie bei den Nachbarn in Meck-Pomm, aber mit der großen Außenalster und der Elbe stehen die Hamburger ganz gut da. Ich finde Wasser großartig. Es bietet einfach so viele Möglichkeiten: Man kann im Wasser schwimmen, auf dem Wasser fahren oder sogar Sport treiben. Da, wo ich herkomme, trinken sie Wasser eher.

Herzlichkeit vs. Pragmatismus, aber immer patriotisch

Die Menschen sind herzlich dort. Man ist geselliger, nicht so kurz angebunden. Und man sprischt natürlisch ene andere Sprache . Das fehlt mir hier am meisten, die „Muttersprache“, die mich geprägt hat und die Mentalität. Die Kölner lieben ihre Stadt, die Hamburger auch. Und auch die Hamburger Sprache finde ich wunderbar und verbinde sie inzwischen mit Zuhause. Viele Karnevalslieder schwärmen von der Heimat in Kölle. Wenn wir hier im Norden diese Musik gehört haben, hatte Mama immer Pipi in den Augen. Auch ich bekomme eine Gänsehaut. Im Laufe der Zeit hab ich aber festgestellt, dass mir das mit Songs, die eine Liebeserklärung an die Hansestadt sind, nicht anders geht. „Reeperbahn, du geile Meile“ oder „Hamburch, meine Perle“. Nein, natürlich lässt mich das nicht kalt.

Mein anderes Ich

Meine Familie ist von Anfang an zwiegespalten. Papas Familie lebt seit jeher in der Hansestadt, Mama kommt aus Köln. Da bin ich auch geboren, bei den Jecken, in der Sonne. Auch die ersten Lebensjahre habe ich im Rheinland verbracht. Nicht, dass der Südwesten keine Vorteile hat. Aber die Umgewöhnung wird nicht leicht sein, wenn es wieder zurück nach Kölle geht. Dort, wo all meine Kindheitserinnerungen sind: Wie ich schaukeln und Fahrradfahren gelernt habe. Und wie ich das erste Mal abgehauen bin, bis mich die Polizei gefunden hat und ich, stolz wie Oskar, im Streifenwagen zurückgefahren bin.

Karneval vs. Fasching

Wenn man aus dem Rheinland in den Norden kommt, erlebt man spätestens im Februar, eigentlich schon im November eine böse Überraschung. Zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch ist es  in Deutschlands Süden und Westen durchaus üblich, dass immer mal wieder Karnevalspartys stattfinden, bei denen die Gäste liebevoll verkleidet sind und zu Musik in kölscher Sprache feiern. Gegen Ende Februar/ Anfang März erreicht das Ganze am Rosenmontag  seinen Höhepunkt. Hier im Norden merkt man davon nichts. Die Nordlichter machen sich nichts aus „Fasching“, ein Wort, bei dem Rheinländer Ohrenkrebs bekommen. Sowieso sind die Kölner ziemlich streng, was die fünfte Jahreszeit angeht. Es sollte sich auch niemand wagen, den traditionellen Narrenruf „Alaaf“ mit dem „Helau“ der verhassten Düsseldorfer zu vergleichen.

Kölsch vs. Pils

Kölsch ist die einzige Sprache, die man auch trinken kann. Nämlich als Bier. Nicht zu verwechseln mit dem Düsseldorfer Alt. Kleine Anmerkung für unwissende Norddeutsche: Nein, Kölner und Düsseldorfer können sich nicht sonderlich gut leiden. Hier in Hamburg trinkt man Pils. Auch das Alsterwasser gibt es in ganz Deutschland – nur heißt es dort Radler.

Das Grün - Das Wetter

Auf meinem Weg in die hanseatische Innenstadt komme ich an allem vorbei, was diese Stadt zu einem so magischen Ort macht. Nicht nur die Feuchtigkeit ist allgegenwärtig. Auch das Grün sieht man überall, jede freie Fläche ist voll davon. Die Dächer der Stadt sind von einer dünnen Moosschicht bedeckt. Überall gibt es Bäume, Blumen und Beete. Am Hauptbahnhof steige ich aus der Bahn und hetze in den Sender. Inzwischen ist es ein bisschen heller draußen. Es wird langsam trockener. Ich laufe die Spitalerstraße entlang und genieße die Atmosphäre. Erster Baulärm, brummende Busse, Menschen am Telefon.

Der Tag im Büro vergeht schnell und wenn ich abends aus dem Sender komme, kann ich sogar sehen, wie über den Dächern noch die Strahlen der tiefstehenden Abendsonne den Himmel rot leuchten lassen. Denn man soll es nicht glauben, aber auch das gibt es hier. Echte Sonne. Und das nicht nur im Sommer. Wenn ich mir ein Stück Köln hier in Hamburg wünschen könnte, dann wäre besseres Wetter auf jeden Fall dabei. Abends schweift dann noch mal der Blick auf der Wetter-App nach Köln - der Heimat, der Stadt mit mehr Sonne.

Eifel vs. Lüneburger Heide

Am Wochenende will man raus aus der dunklen Stadtwohnung und in den Garten. Hat man keinen Garten, kann man z. B. eine Parzelle mieten oder man hat ein Wochenendhaus vor den Toren der Stadt. Das ist im Norden wie im Westen nicht anders. Hier in Hamburg fährt man gern in die Lüneburger Heide, um sich von dem Stress zu erholen. Die Rheinländer verbringen ihre Wochenenden gerne in der Eifel. In diesem vulkanisch aktiven Teil des Schiefergebirges findet der unter Dauerstrom stehende Stadtmensch Ruhe und Erholung.

Täglich grüßt das Murmeltier

Wenn ich abends schlafen gehe, schaue ich nochmal aus dem Fester. Allmählich zieht es sich wieder zu und die Sterne verschwinden in der „grauen Suppe“. Morgen geht der Spaß von vorne los.

(nha)

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