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Radio Hamburg

Kulturschock in Hamburg

Ein Stück Spanien in Winterhude

Winterhude, Marta

Manchmal war ich Winterhude zu laut und manchmal habe ich in Winterhude nur Spanisch verstanden.

Ich bin laut, liebe die Sonne, aber habe nie gebruncht. Warum ich als Spanierin Winterhude manchmal lustig finde, diesen Stadtteil aber trotzdem liebe.

"Du kommst aus Barcelona? Und was machst du dann in Hamburg?!" Ich wohne in der Hansestadt des Franzbrötchens seit knapp drei Jahren und diese zwei kurzen Fragen, eine nach der anderen, fragt mich jeder Mensch, den ich bislang in Hamburg kennengelernt habe. Die schönste Zeit habe ich ohne Frage in Winterhude verbracht. Wie ich es bis dahin geschafft habe und wie es sich anfühlt, als Spanierin in dieser Ecke zu wohnen, möchte ich Euch jetzt erzählen.   

Weiß

Weißer Schnee lag wochenlang auf der Eimsbütteler Straßen, als ich im Januar 2014 in Hamburg ankam. Meine erste WG war dunkel und feucht und mein einziger Grund, den kalten Winter zu überleben, war der kleine, fancy, rote Kugelgrill, den ich bei Karstadt gekauft hatte und der seitdem neben meinem Bett lag: "Irgendwann kommt die Sonne und dann, Kleiner, gehen du und ich zusammen in den Eimsbütteler Park und gönnen uns einen fettes Steak in der Sonne", flüsterte ich ihm jede Nacht zu. Grillen ist ja Deutschlands Nationalsport und ich, ja, ich wollte fit bleiben.

Den ganzen weißen Winter blieb ich im Eidelstedter Weg. Zu wenig Sonne, zu wenige Freunde, zu wenige Bücher. Mir ging es damals nicht so gut. Kurzer Hand packte ich meinen Koffer -und meinen roten Grill ein.

Grün

Mit der blumigen Luft des Spätsommers zog ich auf die andere Seite der Alster um. Winterhude ist seit Juli 2014 mein Zuhause. Und es fühlt sich verdammt gut an. Die Melancholie ließ ich auf der Krugkoppelbrücke zurück und die riesigen, grünen Bäume von Bellevue halten sie bis heute dort. Ja, Winterhude ist versnobt. Aber Snobs sind lustig, besonders wenn man aus Spanien kommt.

In Winterhude wird nicht geredet, sondern geflüstert. Wie amüsant es ist, mit meinen spanischen Freunden auf einer schicken Terrasse im Poelchaukamp zu sitzen und zu merken, wie unwohl die Menschen sich uns herum fühlen: "Könnten Sie vielleicht ein bisschen leiser sein? Ich bin sehr empfindlich". Manchmal reicht auch ein kritischer Blick vom Kellner. Unsere Standardantwort in solchen Fällen: "Natürlich, Entschuldigung, war nicht mit Absicht". Gegen schlechtes Gewissen lassen wir immer großzügiges Trinkgeld da. 

 Jeder einzelne Mensch in Winterhude hatte Spanisch in der Schule. Aber nur fünf Jahre oder so. Jetzt haben sie fast alles vergessen. Trotzdem versuchen die Ralph-Lauren-Botschafter ihr bestes zu geben, wenn sie die Möglichkeit haben, ihre Sprach-Skills mit einer gebürtigen Spanierin zur Schau zu stellen. "Yo hablo un poco espanol". Und dann lachen sie. Immer. Und ich lache auch. Und sage immer, immer: "Naja, mehr Wissen braucht man auch nicht!". Ach wie schön, diese Spanier sind so sympathisch!

Rot

Das Schlüsselwort in Winterhude ist "edel". Alles in Winterhude ist verdammt edel. Letztens hat ein Burgerladen mit dem Namen „Edelsatt“ aufgemacht. Ist das nicht schön? So geil hat das rote Fleisch übrigens nicht geschmeckt, aber das ist nebensächlich. "Edel sells", und das Restaurant in dem Mühlenkamp ist mittags und abends immer voll.  Edel cool war auch, als meine Mutter letztes Mal zu Besuch war und wir zusammen Brot eingekauft haben. Besonders beliebt ist in unserer Familie die Kruste. Mein Vater liebt sie mit Olivenöl und Tomaten - für ihn ist das ein kleiner Alltagsgenuss. Edel erstaunt war meine Mutter als der Brotverkäufer, der unser Brot in Scheiben geschnitten hat, das Ende des Brots weggeschmissen hat. Auf Spanisch hat sie ihm daraufhin dramatisch zugerufen: "No, no. Este trozo porfavor también!" ("Nein, nein, dieses Stück bitte auch mit einpacken!"). Lächelnd packte der Verkäufer das gewünschte Stück in die Tüte. Die fünf Jahre Spanisch auf die Schule haben sich für ihn immerhin gelohnt.

In Barcelona haben wir provinziale Menschen einen Ernährungsrhythmus: Wir frühstücken morgens und machen Mittag- und Abendessen. Das war’s. Am Wochenende auch. In Winterhude wird aber samstags und sonntags heftig, heftig gebruncht. Vegan. Und Bio. Ein Brunch in Winterhude ist eine gute Möglichkeit, stundenlang zu essen ohne eine einzelne Kalorie in den Körper zu stecken. Das Menü: Hausgemachtes Granola mit Yoghurt, Honig und roten Beeren. Wassermelonen-Sticks mit Tofu. Grüner Smoothie aus Spinat und Gurke. Und Wasser. Wir Spanier gucken uns immer diese gesunde Menschen aus der Zukunft von weit entfernt an und fragen uns: wenn sie gleichzeitig frühstücken und Mittagessen, wann machen sie dann Siesta? Wir Spanier, ja, machen immer, jeden Tag, mindestens 3 Stunden Siesta. Das weiß doch jeder!

Blau

Mitte September ziehe ich wieder nach Barcelona um. Die wunderschönen Straßen meiner Ecke – Körnerweg, Agnesstraße, Wentzelstraße… werde ich vermissen. Das leckere Eis von Enjoy it!, das super Sushi von Yami und den Basil Gin Smash von der Berglund Bar auch. Aber am meisten die Menschen. Am meisten vermissen wir Menschen andere Menschen, und ich mag die Einwohner aus Winterhude, weil sie die Ecke so gern mögen. Weil sie gerne unter den Bäumen der blauen Alster lesen. Weil sie am liebsten Feierabend in dem Café unter ihrem Haus genießen. Weil sie sich geil finden, aber zu recht: sie wohnen ja in der schönsten Ecke der schönsten Stadt der Welt. Warum ich nach Barcelona zurück ziehe, wenn ich so einen edlen und gesunden Lifestyle führe, kann ich übrigens noch nicht richtig beantworten.

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