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Radio Hamburg

Reich und versnobt?

So ist Aufwachsen in Poppenbüttel wirklich

Hamburg, 18.04.2016
Poppenbüttel, AEZ, S-Bahnhof Poppenbüttel, Poppenbüttler Schleuse

Der Bahnhof, das Alstertal und das AEZ - das sind die Hotspots in Poppenbüttel.

"Ich dachte, in Poppenbüttel sind alle reich, tragen Marco Polo und gehen zu Pferde-Rennen", sagt meine Kollegin Kim. Das sehe ich als Poppenbüttlerin aber ganz anders.

Als meine Kollegin Kim zum ersten Mal meinen Artikel zum Thema Poppenbüttel las, war sie mehr als irritiert.

Alle sind reich und tragen Markenklamotten

Der Artikel hieß noch "7 Dinge, die Du nur kennst, wenn du aus Poppenbüttel kommst" und Kim fiel nach ihrer Lektüre fast vom Glauben ab. "So hab' ich mir das aber gar nicht vorgestellt", sagt sie, "Ich dachte, in Poppenbüttel wären alle reich und spielen Golf und Hockey und tragen nur teure Markenklamotten. Das, was du geschrieben hast, klingt ja schon fast... prollig!" 

Poppenbüttel - Endstation

Wie bitte? Meine Jugendzeit war doch nicht prollig. Ich fand's eigentlich ganz gut, so als Jugendliche in Poppenbüttel. Klar hat es genervt, nachts zu Fuß vom Bahnhof nach Hause zu laufen, weil zwar die S-Bahn am Wochenende alle 20 Minuten fährt, die Busse ab Poppenbüttel aber natürlich nicht. Und natürlich gab es überdurchschnittlich viele Mädels von der Fraktion "Perlenohrringe und Lacoste-Pullover sind mein Standard-Outfit". Genauso wie diejenigen, die zum 18. Geburtstag einen Neuwagen vor die Tür gestellt bekamen.

Sicher, Poppenbüttel gehört zu den einkommensstärkeren Stadtteilen Hamburgs, so reich wie Blankenese, Othmarschen oder Wellingsbüttel ist es aber nicht. Ich habe meine Jugend als "ganz normal" in Erinnerung - mit H&M-Klamotten, immer zu wenig Geld in der Tasche und den billigsten Drinks.

In Poppenbüttel aufzuwachsen ist nicht so langweilig, versnobt und spießig, wie sich Eimsbüttler, Eppendorfer, St. Paulianer und andere "Zentral-Hamburger" das so vorstellen. Denn auch in Poppenbüttel ist was los - und manche Dinge findet man ganz sicher nur hier:

1. Gehen wir noch kurz ins Ätz?

Poppenbüttler gehen nicht einfach ins AEZ – das kann ja jeder sagen. Wenn das größte Einkaufszentrum Hamburgs zu den Orten gehört, an denen du dich am häufigsten aufhältst, braucht es auch eine eigene Namensabkürzung. Überhaupt: Das Ätz ist dein zweites Zuhause. Du brauchst noch Drinks für die nächste Party? Ab ins Ätz. Ein neues Oberteil? Ab ins Ätz! Noch schnell ein Geschenk besorgen? Natürlich im Ätz! Eis essen im Winter? Wo sonst, wenn nicht im Ätz? „Zufällig“ auf deinen Schwarm treffen? Die Chance, dass er im Ätz ist, ist groß.

Das AEZ wird von Poppenbüttlern nur "Ätz" genannt.

2. Poptown, P-Town, PB?

Poppenbüttel ist ein langer Name. Also nennst du deine Hood auch gern liebevoll Poptown oder P-Town. Für WhatsApps und Mails reicht auch ein einfaches PB.

3. Die Schleuse ist nicht nur eine Schleuse 

An der Poppenbütteler Schleuse werden schon lange keine Alsterkähne mehr geschleust, Kanufahrer müssen ihr Kanu um die Schleuse herumtragen. Umso besser eignet sich die Schleuse aber als Partytreffplatz. Wer im Sommer nicht weiß, was er abends machen will, geht einfach zur Schleuse – hier trifft man garantiert jemanden.

Poppenbütteler Schleuse

4. Auch ein Müllberg ist ein Berg 

Auch in Hamburg gibt es Berge. So. Auch wenn Süddeutsche das nicht einsehen wollen. Und der sechsthöchste Berg Hamburgs ist in… ja, na gut… er ist in Hummelsbüttel – aber für uns gehört er genauso zu Poppenbüttel wie Kupferteich und AEZ. Der 77 Meter hohe Berg ist die höchste nicht natürliche Erhebung in Hamburg und tatsächlich ein Berg aus Müll – hier wurde eine alte Bodendeponie aufgefüllt. Er eignet sich hervorragend zum Rumhängen und im Winter zum Schlitten fahren.

5. Party am Kupferteich

Der Kupferteich eignet sich nicht nur gut für einen entspannten Spaziergang im Grünen – auch abends ist hier im Sommer einiges los. Ein Vorteil an einem grünen Randstadtteil ist die Möglichkeit, sich abends draußen ungestört mit Freunden treffen zu können. Die Lautstärke spielt auch keine große Rolle – direkte Nachbarn gibt es schließlich nicht.

In Poppenbüttel hat man die Wahl: Fildelio oder Schweinske?

6. Fidelio, Schweinske oder Poppy?

Ja, wir geben es zu, ein vorortähnlicher Stadtteil hat natürlich auch Nachteile. Die Auswahl an Restaurants und Kneipen ist…sagen wir mal… klein. Aber Baked Potato im Schweinske oder Pizzabrot mit Knoblauchsauce im Fidelio gehen immer.
Hartgesottene gehen auch mal ins „Poppy“, der einzigen urigen Kneipe in Poppenbüttel. Richtig voll ist es dort aber eigentlich nur Ostern und Heiligabend.

Das Poppy ist die einizige "richtige" Kneipe in Poppenbüttel.

 

7. Nachts an der Shell-Tankstelle

Tanken, einkaufen, Freunde treffen – all das geht in Poppenbüttel besonders gut an der Shell-Tankstelle in der Harksheider Straße. Denn nachts liegt in Poppenbüttel der Hund begraben. Weit und breit gibt es keinen Kiosk, an dem man noch kurz Zigaretten oder ähnliches holen könnte. Doch zum Glück gibt es die 24 Stunden geöffnete Shell-Tankstelle an der Harksheider Straße. Wer nachts irgendetwas braucht oder noch Lust auf ein Bier hat, geht einfach zur Shell. Und da sonst halt nichts offen hat, trifft man dort garantiert diejenigen, die auch noch nicht schlafen wollen.

Shell-Tankstelle Poppenbüttel

Gehört das noch zu Hamburg?

Und zwei Sachen noch: JA, Poppenbüttel gehört noch zu Hamburg! Auch wenn die S1 hier endet und man innerhalb weniger Minuten in Norderstedt ist! Und NEIN, der Name Poppenbüttel hat nichts - wie so häufig angenommen - mit "poppen" zu tun. Er geht wahrscheinlich zurück auf einen Herrn namens "Poppilo", dem im Mittelalter eine Mühle am Kupferteich gehörte. 

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