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Radio Hamburg

Wilhelmsburg, Harburg, Horn

Razzia bei radikalen Islamisten

Hamburg, 14.06.2012
Polizei

Razzia gegen radikale Salafisten in ganz Deutschland, auch in Hamburg.

Mit groß angelegten Razzien sind Polizei und Justiz gegen radikale Salafisten in vielen Teilen Deutschlands vorgegangen. Auch in Hamburg.

In vielen Teilen Deutschlands hat es Razzien gegeben. In Hamburg sind vier Gebäude durchsucht worden. Und zwar in den Stadtteilen Wilhelmsburg, Harburg und Horn. Es wurde nach Beweismaterial für ein mögliches Vereinsverbot gesucht.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa durchsuchten Polizisten insgesamt 70 Objekte in sieben Bundesländern, um unter anderem Beweismaterial für mögliche Vereinsverbote sicherzustellen. Auch in Hamburg und Schleswig Holstein wurden Objekte durchsucht. Das bestätigten Polizeisprecher am Morgen in der Hansestadt und in Kiel.

Hausdurchsuchung in ganz Deutschland

In der Hansestadt waren demnach eine Moschee und drei Wohnungen im Visier der Ermittler. Radikale Salafisten stehen im Verdacht, mit ihrer Propaganda gewaltbereite Islamisten anzustacheln oder selbst Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen. Razzien gab es dem Vernehmen nach auch in Niedersachsen, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Mehrere hundert Polizeibeamte waren beteiligt. Betroffen waren unter anderem ein Moscheenverein in Solingen (NRW) und die Gruppe Dawa FFM in Frankfurt am Main. Auch Räume des Netzwerks "Die wahre Religion" um den radikalen Prediger Ibrahim Abou Nagie sollen durchsucht worden sein. Der Kölner Salafist hatte mit kostenlosen Koran Verteilungsaktionen in mehreren deutschen Städten für Aufsehen gesorgt.

Was sind und wollen Salafisten?

Salafisten verstehen sich als Vertreter des wahren Islams und orientieren sich radikal am Koran. Sie stehen seit dem vergangenen Jahr verstärkt im Visier der Sicherheitsbehörden. Im März 2011 erschoss ein islamistischer Einzeltäter am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten - es war der erste erfolgreiche islamistisch motivierte Anschlag auf deutschem Boden. Der Attentäter hatte sich über salafistische Propaganda im Internet selbst radikalisiert.
Zuletzt hatten sich Salafisten und Mitglieder der rechtsextremen Partei Pro NRW gegenseitig angestachelt. Pro NRW hatte sich den Hass der Islamisten zugezogen, weil Aktivisten der Splitterpartei vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen provokativ islamkritische Karikaturen gezeigt hatten. Die Sicherheitsbehörden waren besonders alarmiert, seitdem ein Islamist in einer Video-Botschaft zur Ermordung von Pro-NRW-Anhängern und Journalisten aufgerufen hatte.

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden gibt es in Deutschland derzeit rund 130 Gefährder, denen islamistische Anschläge zugetraut werden. Darunter seien 24 Salafisten.

(dpa/aba)