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Radio Hamburg

Elfjähriger Ausreißer

Suche nach Jeremie geht weiter

Hamburg, 23.11.2012
Jeremie - 11-Jähriger fährt mit Kleintransporter nach Hamburg

Jeremie bleibt verschwunden und das Jugendamt Hamburg-Mitte rückt wieder in den Fokus.

Noch keine Spur von Jeremie: Nach seiner Flucht aus Mecklenburg-Vorpommern nach Hamburg sucht die Polizei weiter nach dem elfjährigen Ausreißer.

Wo ist Jeremie? Nach dem 11-jährigen Pflegekind, das in einem Kleintransporter von Mecklenburg 100 Kilometer zu uns nach Hamburg gefahren sein soll, wird weiter gesucht. "Es gibt bisher keine Hinweise auf sein Versteck", sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag in der Hansestadt.

Der Junge soll gut 100 Kilometer mit dem Kleintransporter seiner Pflegeeltern von Lübtheen in Westmecklenburg nach Hamburg gefahren sein. Die Polizei hat allerdings Zweifel daran, dass der Junge alleine gefahren ist. Wer ihn begleitet hat, ist aber noch völlig unklar.

Er wird seit Dienstagabend vermisst. Die Polizei hofft auf Zeugen, die das etwa 1,50 Meter große, kräftige Kind gesehen haben.

Jeremie lebte seit Jahren in einem Zirkus

Die Grünen sehen das Jugendamt Hamburg-Mitte, das für die Betreuung des Elfjährigen zuständig ist, nun erneut unter Druck. Jeremie ist nach Polizeiangaben in Hamburg aufgewachsen und lebte seit knapp zwei Jahren in dem Zirkusprojekt in Mecklenburg. "Er kennt sich in Hamburg gut aus und verfügt deshalb über eine Vielzahl von Kontakten", erklärte die Sprecherin. Der Elfjährige soll bereits am Mittwoch seine Großeltern angerufen haben - und gesagt haben, es gehe ihm gut. "Seinen Aufenthaltsort wollte er nicht preisgeben." Der Transporter war am Mittwochmorgen in einer Friedhofseinfahrt in Hamburg-Billstedt gefunden worden.

Eltern seien drogenabhängig

Ein Träger mit Sitz in Nordrhein-Westfalen habe den Jungen betreut, hieß es beim zuständigen Bezirksamt Hamburg-Mitte. "Ein anerkannter Träger", betonte eine Sprecherin des Bezirks. Jeremies Eltern seien drogenabhängig. Auch bei seinen Großeltern habe der Junge nicht bleiben dürfen. Wann das Jugendamt zuletzt Kontakt mit dem Jungen hatte, konnte die Bezirksamts-Sprecherin am Donnerstag nicht sagen. "Die Kollegen im Jugendamt stellen gerade alle relevanten Daten zusammen." Auch wie lange Jeremie noch in dem Zirkusprojekt bleiben sollte, war unklar: "Aber solche Maßnahmen werden immer befristet festgelegt."

Jeremie wollte Weihnachten zu Oma

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung (Donnerstag) soll das Jugendamt Jeremie mitgeteilt haben, auch an Weihnachten dürfe er nicht zu seiner Oma - daraufhin habe er sich ins Auto gesetzt. In dem Zirkusprojekt habe er etwa Ställe ausmisten müssen. Jeremie ist nach Angaben der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern schon mehrfach ausgerissen. Dass der Elfjährige in einem Zirkusprojekt untergebracht war, nannte die Sprecherin "ungewöhnlich". Der Träger des Projekts in Nordrhein-Westfalen erklärte dagegen, eine solche Unterbringung sei nicht ungewöhnlich. "Wir haben etwa 100 solcher Projektstellen, überwiegend in Norddeutschland", sagte ein Sprecher. Dabei gehe es vor allem darum, den Kindern wieder Vertrauen zu schenken: "In der Regel kommen sie aus zerrütteten Familienverhältnissen und haben teilweise Heimaufenthalte hinter sich."

Neuer Problemfall für Jugendamt Hamburg-Mitte?

Die Grünen in Hamburg sehen nach Jeremies Flucht einen "neuen Problemfall" für das Jugendamt Hamburg-Mitte. Mit einer Kleinen Anfrage will die Bürgerschaftsfraktion "die ungewöhnlichen Umstände der Unterbringung und die Verantwortung des Jugendamts" klären. "Erlebnispädagogik ist zwar ein wichtiger Baustein des Jugendhilfeangebotes, aber die Unterbringung eines elfjährigen Kindes in einem Wanderzirkus muss schon sehr gut begründet sein", erklärte die kinder- und jugendpolitische Sprecherin Christiane Blömeke. "Gerade, wenn ein Jugendamt ein Kind an einen Träger außerhalb Hamburgs übergibt, erwarte ich, dass die Kontrolle der Hilfemaßnahme besonders engmaschig ist."

Das Bezirksamt Hamburg-Mitte war bereits wegen des Todes von Chantal unter Druck geraten. Die Elfjährige war Mitte Januar in der Obhut ihrer drogensüchtigen Pflegeeltern an einer Überdosis des Heroin-Ersatzstoffs Methadon gestorben. Das Mädchen stand unter der Aufsicht des Jugendamts Hamburg-Mitte.

(dpa/lhö)