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Rote Flora

Eigentümer will Gebäude räumen

Hamburg, 10.12.2013
Hamburg, Schanze, Rote Flora, Markt, Hamburg Marketing

Klausmartin Kretschmer will die "Rote Flora" zum Jahresende räumen lassen.

Der Eigentümer der seit mehr als 20 Jahren besetzten "Roten Flora", Klausmartin Kretschmer, will das Theater im Schanzenviertel räumen lassen.

Der Eigentümer der "Roten Flora", Klausmartin Kretschmer, will das Gebäude bis zum Ende des Jahres räumen lassen. Sollten die Besetzer das ehemalige Theater nicht bis Weihnachten verlassen haben, wird Kretschmer Hamburger Behörden auffordern, sein Eigentum für ihn von der Besetzung zu befreien. Gleichzeitig kündigte er an, dass ab sofort jeden Monat ein Nutzungsentgelt in Höhe von 25.000 Euro plus Mehrwertsteuer fällig wird. Da die Besetzer durch viele Partys, Konzerte und andere kommerzielle Veranstaltungen erheblich höhere monatliche Einnahmen haben werden, ist das, laut Kretschmer, eine angemessene Forderung.

Kretschmer seit 2001 Eigentümer

Kretschmer erwarb das seit 1989 besetzte Gebäude 2001 nach eigenen Angaben auf Drängen der damaligen Regierung für circa 190.000 Euro. Seit mittlerweile über zwei Jahren versucht er die "Rote Flora" mit dem dazu gehörigen Gelände wieder zu verkaufen – bislang vergeblich. Inzwischen wird der Wert des Grundstückes wohl mehrere Millionen Euro schwer sein.

Umbau zum Kulturzentrum

Zuletzt kündigte Kretschmers Immobilienberater Gert Baer an, dass aus der Flora im Einvernehmen mit den Besetzern nun ein sechsstöckiges Kulturzentrum mit Konzerthalle werden soll. Die Besetzer bezeichnen die Pläne als absurd und "totalen Realitätsverlust". "Selbstverständlich können Sie Ihr persönliches Eigentum im alten Flora-Gebäude und das Eigentum der dort ansässigen Vereine, welches sich in meinem Gebäude befindet, herausnehmen", heißt es in dem Schreiben Kretschmers an die im Gebäude ansässigen Vereine. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, spricht Kretschmer keine weitere Duldung der Besetzer aus und droht mit zivilrechtlichen Strafen, die er dabei etwa auf Haus- und Landfriedensbruch begründet. Das gelte im Übrigen auch für alle Besucher, welche die "Rotfloristen" ins Haus ließen.

Kretschmers Erfolg gilt als ungewiss

Aus Expertensicht ist es keineswegs sicher, dass Kretschmer mit seinen Forderungen Erfolg haben wird. Erstens wurde im Kaufvertrag festgelegt, dass die Floristen im Gebäude geduldet werden. Zweitens müsste Kretschmer einen Zivilprozess führen, um seine Forderungen für rechtskräftig erklären zu lassen. Erst dann darf er die Behörden wegen einer möglichen Räumung ansprechen.

Konzert sorgt für Ärger

Zuletzt hatte es erheblichen Wirbel um ein Konzert des Hip-Hop-Trios Fettes Brot in der "Roten Flora" gegeben. Kretschmer hatte der Band Hausverbot erteilt und Strafanzeige "wegen der drohenden Straftat eines Hausfriedensbruchs" gestellt. Schon damals war er damit jedoch nicht erfolgreich. Das Konzert fand wie geplant statt. Die Polizei schritt nicht ein, da es sich ihrer Meinung nach um eine zivilrechtliche Auseinandersetzung handele.

Bezirk sieht Bauprojekt mit Unmut

Doch nicht nur von dieser Seite bekommt Kretschmer Gegenwind. Auch der Bezirk Altona ist nicht über seine Pläne, aus der "Roten Flora" ein "Flora Stadtteilkultur- und Veranstaltungszentrum" zu machen, wenig erfreut. Man geht nicht davon aus, dass Kretschmer bei seinem Bauantrag Erfolg haben werde. Denn voraussichtlich noch im Januar werde der Bebauungsplan "Sternschanze 7" rechtskräftig, nach dem das Haus nicht mehr abgerissen oder umgebaut werden darf und dauerhaft Stadtteilkulturzentrum bleiben soll.

(dpa/fbu)

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