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Radio Hamburg

Verdacht auf Misshandlung

Haftbefehl gegen Eltern von toter Dreijähriger

Hamburg, 20.12.2013
Tod, Dreijährige, Yagmur, Billstedt, Trauer

Nach dem Tod der dreijährigen Yagmur wurde Haftbefehl gegen die Eltern erlassen.

Starb die dreijährige Yagmur nach einer Misshandlung? Mit Hochdruck versucht die Polizei, diese Frage zu klären. Gegen die Eltern wurde Haftbefehl erlassen.

Nach dem Tod der dreijährigen Yagmur aus Hamburg-Billstedt sind am Donnerstag (19.12.) Haftbefehle gegen die Eltern erlassen worden.

Verdacht auf Totschlag gegen Vater

Dem 25 Jahre alten Vater werde Totschlag vorgeworfen, sagte ein Polizeisprecher. Der Haftbefehl gegen die 26 Jahre alte Mutter lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen. Das dreijährige Mädchen war nach einem Leberriss innerlich verblutet, die Rechtsmedizin entdeckte zudem mehrere Blutergüsse. Die Ermittler gehen Misshandlungsvorwürfen nach. "Die Untersuchungen sind in vollem Gange", berichtete die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach.

Bezirksamt Mitte zuständig

Yagmur wurde seit ihrer Geburt von verschiedenen Jugendämtern betreut. Zum Todeszeitpunkt war das Bezirksamt Mitte zuständig - wie einst beim Pflegekind Chantal, das vor knapp zwei Jahren an einer Methadon-Vergiftung starb. Die Opposition fordert vom SPD-Senat rasche Aufklärung. Die Mutter sprach bei einer ersten Vernehmung von einem Unfall, bei dem ihr Partner nicht zu Hause gewesen sein soll. Das Mädchen sei am frühen Mittwochmorgen in das Wohnzimmer gelaufen und dabei gestürzt. Der Vater ist wegen Körperverletzung, Diebstahls und Drogendelikten polizeibekannt. Yagmur lebte erst seit August dieses Jahres bei ihren leiblichen Eltern. Zuvor war sie auf Wunsch der Eltern, die sich überfordert fühlten, in einer Pflegefamilie untergebracht.

Warum kam Yagmur zurück zu den leiblichen Eltern?

Die Grünen und die CDU forderten vom SPD-Senat eine lückenlose Aufklärung des Falls. Am Montag (23.12.) kommt der Familienausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft zu einer Sondersitzung zusammen. Die Grünen beschäftigt vor allem die Frage, warum das Bezirksamt Mitte das Kind wieder in die Obhut der Eltern gab, obwohl es noch laufende Ermittlungen wegen einer ungeklärten Schädelverletzung des Mädchens gab. "Diese Entscheidung erscheint nur sehr schwer nachvollziehbar",
 kritisierte die Grünen-Abgeordnete Christiane Blömeke.

Ermittlungen wegen Kopfverletzung im November eingestellt

Yagmur musste Anfang 2013 wegen der schweren Verletzung operiert werden. Sie lebte zu diesem Zeitpunkt noch bei der Pflegefamilie, hatte aber auch Kontakt zu ihren Eltern. "Das Verfahren wurde damals gegen alle Personen geführt, die mit dem Kind zu tun hatten", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Erst im November wurden die Ermittlungen eingestellt, weil man die Umstände nicht klären konnte. Der familienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christoph de Vries, kündigte an:"Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass das Mädchen in Folge von Misshandlungen zu Tode gekommen ist, werden wir, wie im Fall des Mädchens Chantal, die familiäre Vorgeschichte und alle von staatlichen Stellen getroffenen Entscheidungen bis in den letzten Winkel durchleuchten - und zwar ohne Ansehen der Person."

Komplexer Fall - Akten werden zusammengetragen

Die Sozialbehörde wollte sich vorerst nicht äußern. Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) sei bestürzt, hieß es. Man wolle aber keine vorschnelle Einschätzung abgeben und erst alle Erkenntnisse zusammentragen. Im Bezirksamt Mitte werden derzeit Akten geprüft und Fachpersonal befragt. Der Fall sei sehr komplex, weil mehrere Jugendämter beteiligt gewesen seien, sagte ein Sprecher. Zur Aufarbeitung der Geschehnisse traf sich Bezirksamtschef Andy Grote (SPD) mit seinen Kollegen Arne Dornquast (Bergedorf) und Torsten Sevecke (Eimsbüttel). Zudem solle die nach Chantals Methadon-Vergiftung eingerichtete Jugendhilfeinspektion in die Untersuchung einbezogen werden. "Der Tod des Mädchens geht uns allen sehr nahe und wir wollen gemeinsam alles daran setzen, den tragischen Fall restlos aufzuklären", erklärte Grote.

(dpa/mgä)