Lieber User,

anscheinend hast Du einen Ad-Blocker aktiviert oder Javaskript deaktiviert. Um unsere Existenz zu sichern, sind wir als werbefinanzierter privater Radiosender auch im Internet auf Werbung angewiesen. Damit Du auch weiterhin alle Inhalte unserer Webseite nutzen kannst, bitten wir dich, Deinen Ad-Blocker zu deaktivieren oder radiohamburg.de als Ausnahme hinzuzufügen. Sobald Du das gemacht hast, kannst Du unsere Inhalte nach einem Reload der Seite ganz normal weiternutzen.

103.6 Grüße
Dein Radio Hamburg Team


*Sollte diese Meldung fälschlicherweise angezeigt werden, schicke uns bitte eine Mail an adblocker@radiohamburg.de

Es gibt neue Inhalte auf unserer Startseite - jetzt aktualisieren! [Schließen]
Radio Hamburg

Missbrauchsprozess

Emotionale Aussagen von den Müttern der Opfer

Hamburg , 17.10.2013
Prozess, Kinderschänder, Stefan H., Erzieher

Der Erzieher hatte vor Gericht ein Geständnis abgelegt.

Im Prozess gegen einen Erzieher haben am zweiten Verhandlungstag die Eltern der Opfer die schlimmen Folgen des Missbrauchs für ihre Kinder geschildert.

Emotionaler Auftritt vor Gericht: Vier Mütter haben am Donnerstag (17.10.) eindringlich geschildert, wie sehr ihre Kinder unter den Folgen eines sexuellen Missbrauchs in einer Hamburger Kita leiden.

"Er hat meinen Sohn gebrochen"

Alle schilderten übereinstimmend, die Kleinen seien extrem aggressiv und gewalttätig geworden. "Er haut, er tritt, er schlägt", sagte etwa die Mutter eines zur Tatzeit vier Jahre alten Jungen. "Alle Männer findet er ganz schrecklich." Der Angeklagte - ein Erzieher - habe nicht nur ihren Sohn gebrochen: "Er hat die ganze Familie kaputtgemacht." Der 30-Jährige hatte beim Prozessauftakt vor dem Hamburger Landgericht gestanden, mehrere Mädchen und Jungen in einer kirchlichen Kita in Hamburg-Schnelsen und in seiner Wohnung in Norderstedt sexuell missbraucht zu haben. Außerdem räumte er ein, dass er massenweise kinderpornografische Fotos von den Opfern gemacht hat. Die Anklage geht von einem Tatzeitraum zwischen September 2012 und Februar 2013 aus.

Angst davor, dass Sohn selbst Täter wird

Drei der vier Kinder machen inzwischen eine Therapie. Ihr Sohn habe sich total verändert, erklärte die Mutter eines damals neun Jahre alten Jungen, der den Hort der Kita besuchte: "Er hat den Halt verloren. Er ist ein ganz anderes Kind geworden." Er müsse seine ganze Freizeit dafür opfern, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen - mit Psychotherapie, Deeskalationstraining und Ergotherapie. "Er hat ein Selbstbild, dass er schlecht und dumm sei." Nach Bekanntwerden der Vorfälle habe ihr Sohn sehr viel an sich herumgespielt, erzählte die Mutter eines damals Vierjährigen: "Das ganze Spiel war sehr auf die Genitalien konzentriert." Sie und ihr Partner hätten natürlich Angst, wie es in der Pubertät werde. "Und wir haben wahnsinnig Angst davor, dass er selbst irgendwann Täter werden könnte." Sie könnten im Moment nicht mehr so unbefangen mit ihrem Kind umgehen wie vorher.

Übersexualisiertes Verhalten

Auch die Mutter eines zur Tatzeit ebenfalls vier Jahre alten Mädchens berichtete von übersexualisiertem Verhalten. Die Kleine fotografiere etwa selbst ihre Geschlechtsteile - "so wie er ihr das gezeigt hat". Nachts werde sie von Alpträumen geplagt: "Sie wird wach und schreit." Ihre Tochter habe sich von einem sehr fröhlichen in ein sehr auffälliges Kind verwandelt. Wenn sie mit einem Mann allein sei, drehe sie durch. Die Kindergartenleitung habe ihn mehrfach auf sein Verhältnis zu den Mädchen und Jungen angesprochen, räumte der Angeklagte ein. Er habe dann versichert, dass er es einstellen werde, den Kindern zu nah zu kommen.

Video unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Vor Gericht wurden am zweiten Verhandlungstag mehrere Videos mit den polizeilichen Vernehmungen der Kinder vorgeführt. Am Nachmittag sollte zudem ein Film gezeigt werden, den der Angeklagte von der Vierjährigen gedreht hat - aller Voraussicht nach sollte dabei die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Ob noch am Donnerstag (17.10.) mit den Plädoyers und einem Urteil zu rechnen ist, blieb zunächst unklar. Die Prozessbeteiligten hatten sich bereits beim Auftakt auf einen Deal geeinigt. Aller Voraussicht nach bekommt der Angeklagte eine Strafe von höchstens fünfeinhalb Jahren und ein Berufsverbot.

 

(dpa/mgä)