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Radio Hamburg

Stadtteilschulen

Abiturienten schneiden 2012 deutlich schlechter ab

Hamburg , 03.09.2013
Schule, Bildung, Kinder

Die Abiturienten der Stadtteilschulen weisen in Mathematik einen Lernrückstand von drei Jahren auf die G8-Abiturienten auf.

2012 haben die Abiturienten der Stadtteilschulen deutlich schlechter abgeschnitten als die der Gesamtschulen im Jahr 2005.

Die Kess 13-Studie hat ergeben, dass an Hamburgs Stadtteilschulen immer mehr und vor allem immer mehr Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern Abitur machen. Weil aber bereits in der Mittelstufe Fehler gemacht werden, sie sind sie nicht nur schlechter als Gymnasiasten, sondern auch als frühere Jahrgänge.

Schulsenator Rabe: Probleme liegen in der Mittelstufe

Die Zahl der Abiturienten an Gesamtschulen, Aufbaugymnasien und beruflichen Gymnasien - heute zusammengefasst in Stadtteilschulen - ist deutlich gestiegen. Von 2005 bis 2012 habe sich deren Zahl vor allem wegen des regen Interesses von Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten um 67 Prozent erhöht, heißt es in der am Montag (2.9.) vorgelegten Studie "Kess 13". Schulsenator Ties Rabe (SPD) räumte jedoch ein, dass die Leistungen nicht auf ganzer Linie befriedigten.So seien die Abiturienten des Jahrgangs 2012 im Vergleich zu den Abiturienten der Gesamtschulen vor sieben Jahren sowohl in Mathematik als auch in den Naturwissenschaften deutlich schlechter. Ursache hierfür seien aber nicht die Oberstufen. "Die Fehler sind eindeutig in der Mittelstufe gemacht worden", sagte Rabe.

Mehr Abiturienten mit denkbar schlechten Lernvoraussetzungen

Bei der Kess-Studie wurde ein Jahrgang über mehrere Jahre hinweg insgesamt fünfmal in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften getestet. Zuletzt beteiligten sich im vergangenen Jahr 91 Prozent der 3014 Abiturienten an 38 staatlichen Schulen mit einer dreijährigen gymnasialen Oberstufe - den heutigen Stadtteilschulen. Diese Ergebnisse wurden mit jenen der vor sieben Jahren abgeschlossenen LAU-13-Erhebung verglichen. Dabei ergab sich eine erhebliche Veränderung bei der Zusammensetzung der Schülerschaft. So stieg der Anteil von Schülern mit denkbar schlechten Lernvoraussetzungen um 26 Punkte auf 31 Prozent. Im Gegenzug befand sich unter den Kess-Schülern kein einziger Jugendlicher mehr mit günstigsten
 Ausgangsbedingungen. Bei der LAU-Untersuchung waren es noch 25 Prozent.

Mathematik: Drei Jahre Lernrückstand auf G8-Abiturienten

Seien die Leistungen im Fach Englisch im Vergleich annähernd gleich, gebe es in Mathematik und Naturwissenschaften erhebliche Unterschiede, sagte Studienleiter Ulrich Vieluf. Die Differenz bei Mathe betrage deutlich mehr als ein Lernjahr. Ähnlich sehe es bei den Naturwissenschaften aus. Im Vergleich zu den G8-Gymnasiasten betrügen die Unterschiede sogar drei Lernjahre. Da lägen Welten dazwischen, sagte Vieluf. Gleichwohl betonte er mit Blick auf die Kess-Schüler: "Die Lernzuwächse sind sehr, sehr, sehr zufriedenstellend." Vor allem sozial Benachteiligte hätten Erstaunliches geleistet. "Wir können sagen, dass die Schülerinnen und Schüler mit den ungünstigsten Voraussetzungen die mit Abstand deutlichsten Fördererfolge verzeichnen", sagte Vieluf.

CDU: Niveauverlust des Hamburger Abiturs muss gestoppt werden

Bei aller Leistung sei es den Lehrern in der Oberstufe aber nicht gelungen, die großen Rückstände der Schüler wettzumachen, sagte Vieluf. Sie könnten aber auch nichts dafür, das Problem liege vielmehr in der Mittelstufe. "Die Schüler haben ein riesiges Potenzial, das im Verlauf der Mittelstufe nicht adäquat gefördert worden ist." Die Jugendlichen seien nicht hinreichend vorbereitet worden. 2Und die Oberstufe kann bei bester Pädagogik diese Rückstände nicht aufholen", sagte Vieluf. Die CDU-Opposition forderte deshalb ein Bündnis für mehr Qualität an den Schulen. "Der dramatische Niveauverlust des Hamburger Abiturs muss gestoppt werden", sagte die CDU-Schulexpertin Karin Prien. Der Blick müsse wieder mehr auf Leistung gerichtet werden. Die Grünen-Bildungsexpertin Stefanie von Berg, forderte Schulsenator Rabe auf, mehr zu tun als auf die langfristige Wirkung von Maßnahmen wie der Ganztagsschule, kleineren Klassen und zusätzlichen Lehrerstellen zu verweisen. Die FDP sprach mit Blick auf Rabes Politik von rückwärtsgewandten Schuldzuweisungen und dem Prinzip Hoffnung für die Zukunft.

 

(dpa/mgä)

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