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Radio Hamburg

Fall Yagmur

Rechtsmediziner Püschel erstattete Anzeige

Hamburg, 15.04.2014
RHH - Expired Image

Der Rechtsmediziner Klaus Püschel hat als erster Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss zum Tod der dreijährigen Yagmur aus Billstedt ausgesagt.

Schon ein Jahr vor dem Tod der Dreijährigen hatte ein Rechtsmediziner wegen schwerer Verletzungen Anzeige erstattet. Yagmurs Eltern sitzen in U-Haft.

Im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Fall Yagmur hat der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel Kommunikationsprobleme mit Jugendamt und Staatsanwaltschaft geschildert. Püschel hatte Monate vor dem gewaltsamen Tod des Mädchens Anzeige erstattet, weil die Dreijährige mit zahlreichen Verletzungen in einem Krankenhaus behandelt wurde. Das Kind wurde seiner Einschätzung nach misshandelt und schwebte in höchster
Lebensgefahr, sagte Püschel dazu. "Anscheinend ist meine große Besorgnis nicht durchgedrungen."

Anzeige zu kühl formuliert?

Die Anzeige sei im Nachhinein betrachtet vielleicht zu kühl formuliert gewesen, dramatischere Formulierungen hätten die Gefahr für Nicht-Mediziner wahrscheinlich deutlicher gemacht, räumte der 62-Jährige selbstkritisch ein. "Ich war seinerzeit der Meinung, die Situation war klar genug." Zumal es nur sehr selten vorkomme, dass er so eine Anzeige erstatte. Bei Untersuchungen Ende 2012/Anfang 2013 im Krankenhaus waren bei Yagmur schwere Verletzungen am Kopf, eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse und zahlreiche Blutergüsse festgestellt worden.

Eltern sitzen in U-Haft

Er habe sich sehr bemüht, diese "massiven Verletzungen" in seinem Bericht für Laien verständlich zu erklären, betonte Püschel. Sollte etwas unklar geblieben sein, hätte er Rückfragen von den Behörden erwartet. Doch es sei kaum nachgehakt worden. Püschel war der erste Zeuge des Untersuchungsausschusses. Die Abgeordneten der Bürgerschaft wollen die Frage klären, warum bei den Behörden Alarmzeichen für frühere Misshandlungen des Mädchens übersehen oder falsch interpretiert wurden. Yagmur starb am 18. Dezember vergangenen Jahres an inneren Blutungen. Sie sollen Folgen von schweren Misshandlungen sein, die der Vater ihr nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zufügte. Die Mutter soll nichts dagegen unternommen haben. Die Eltern sitzen in Untersuchungshaft.

Lest auch: Fall Yagmur: Erste Zeugen sollen sich äußern

Vor vier Monaten verblutete in Hamburg die dreijährige Yagmur, ihr Vater sitzt in U-Haft. Ein Untersuchungsaussch ...

Das Mädchen wurde vom Jugendamt betreut. Yagmur war schon kurz nach ihrer Geburt zu einer Pflegemutter gekommen, immer wieder kam es aber auch zu Begegnungen mit den leiblichen Eltern, die das Sorgerecht hatten. Nach der Anzeige des Rechtsmediziners gab das Jugendamt Yagmur vorübergehend in ein Kinderschutzhaus. Denn die Pflegemutter bezichtigte sich selbst, möglicherweise für Verletzungen des Kindes verantwortlich zu sein - deshalb wurde zuerst auch gegen sie ermittelt. Laut Püschel fragte die Hamburger Staatsanwaltschaft aber erst im Herbst 2013 bei ihm an, ob die Schilderungen der Pflegemutter überhaupt zu den Verletzungen des Kindes passten. Er habe das verneint. Im November stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die leiblichen Eltern und die Pflegemutter ein, weil man nicht genau klären konnte, wer der Täter war.

Doch noch während die Ermittlungen gegen die Eltern liefen, hatte das Jugendamt bereits erlaubt, dass Yagmur von Mitte 2013 an dauerhaft bei ihnen wohnte. Vier Monate später war das Kind tot. Ein Prüfbericht der Jugendhilfeinspektion sah Leichtgläubigkeit, schlechte Übergaben und Überlastung als Ursachen für die Fehleinschätzungen bei den beteiligten Jugendämtern Mitte und Eimsbüttel. (dpa)