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Radio Hamburg

Verwendung von Zahngold

Krematorien dürfen Edelmetalle behalten

Hamburg, 21.08.2014
Gericht, Justiz, Richter, Hammer

Der Angeklagte hat zwischen 2003 und 2011 insgesamt 31 Kilogramm Gold eingesammelt.

Weil ein Mitarbeiter eines Krematoriums 31 Kilogramm Zahngold klaute, entschied ein Gericht nun, dass die Krematorien die Edelmetalle behalten dürfen.

Über einen Fall von Störung der Totenruhe in einem Hamburger Krematorium hat am Donnerstag (21.08.) das Bundesarbeitsgericht in Erfurt entschieden. Dem Urteil nach dürfen Krematorien Zahngold von Toten nach der Einäscherung verwahren und verwerten.

Edelmetalle nach dem Ableben "herrenlos"?

Grund für den Prozess war eine Schadenersatzklage von 250.000 Euro der Hamburger Friedhöfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter. Der heute 56-Jährige hatte zwischen 2003 und 2011 gemeinsam mit seiner mittlerweile gestorbenen Frau und weiteren Beteiligten hundertfach Zahngold und andere wertvolle Metalle nach der Einäscherung von Toten an sich genommen und verkauft. Insgesamt kamen in acht Jahren mehr als 31 Kilogramm Gold zusammen – ein Schaden, den die Friedhöfe einfordern wollten.
Strittig bei dem Verfahren war die Frage, ob die Edelmetalle von Verstorbenen "herrenlos" geworden sind und damit niemandem mehr gehören. Aus diesem Grund war der Mann auch nicht wegen Diebstahls, sondern wegen Störung der Totenruhe und "Verwahrungsbruch" strafrechtlich angeklagt worden – neben dem arbeitsrechtlichen Prozess.

Eingenommene Gelder wurden gespendet

Bereits im Jahr 2005 war der ehemalige Bediener der Einäscherungsanlage des Krematoriums in Hamburg-Öjendorf von seinem Arbeitgeber schriftlich darauf hingewiesen worden, keinen Schmuck oder Zahngold aus der Asche der Verstorbenen an sich zu nehmen. Als er es dennoch tat, wurde ihm fristlos gekündigt. Der Mann argumentierte, er verletzte kein Eigentum, da das Zahngold mit der Verbrennung herrenlos geworden sei. Das Krematorium geht hingegen davon aus, dass es die Wertgegenstände nach der Verbrennung verwahren und verwerten durfte. Die durch den Verkauf eingenommenen Gelder seien gespendet worden, sagte der Bundesarbeitsgerichtssprecher Waldemar Reinfelder.

Die Richter wiesen die Klage zwar zurück an das Hamburger Landgericht, bestätigten aber, dass ein Krematorium prinzipiell über das Gold verfügen kann. Ein Eigentum des als herrenlos geltenden Zahngoldes sei daraus nicht abzuleiten, sagte ein Gerichtssprecher.

(dpa/pgo)

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