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Radio Hamburg

Abschlussbericht liefert Kritik

Hamburger Elbphilharmonie

Hamburg, 15.02.2014
Elbphilharmonie

Erstmals nennt der Abschlussbericht auch die Namen der Verantwortlichen.

Die Kosten des Elbphilharmonie-Baus stiegen ums Zehnfache und die Eröffnung soll statt 2010 jetzt 2017 stattfinden.

Eine unfertige Planung, mangelnde Kontrolle vonseiten der Politik und ein Chaos auf der Baustelle sind schuld am Desaster beim Bau der Hamburger Elbphilharmonie. Das geht aus dem Abschlussbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses hervor, der am Freitag (14.02.14) von den Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft diskutiert wurde.

Kostenexplosion und Bauverzögerungen

Auf 724 Seiten geht es um die Frage, wie es zu den Kostenexplosionen und Bauverzögerungen bei dem Prestigeprojekt kommen konnte. "Der Bericht offenbart ein schonungsloses Bild, was alles falsch gelaufen ist", so der Vorsitzende Ole Thorben Buschhüter.

Kosten um das Zehnfache gestiegen

Die Kosten für die Elbphilharmonie sind von ursprünglich 77 Millionen auf 789 Millionen Euro gestiegen und die Eröffnung wurde von 2010 auf 2017 verschoben. Erstmals nennt der Bericht, der die Vorgänge bis Ende 2008 untersucht, auch die Namen der Verantwortlichen. Demnach wollten alle Beteiligten das Konzerthaus unbedingt bauen, ohne den Steuerzahlern die wahren Kosten zu präsentieren, die mittlerweile zehn Mal so hoch sind als ursprünglich geplant.

Verfrühte Ausschreibung

Für die wichtigsten Fehlentscheidungen des Projekts, die verfrühte Ausschreibung und das komplizierte Dreiecksverhältnis zwischen Stadt, Hochtief und den Architekten ist demnach die städtische Realisierungsgesellschaft mit ihrem Chef Hartmut
Wegener verantwortlich.

Aufsichtspflicht nicht gerecht geworden

Die politisch Verantwortlichen, allen voran Hamburgs damaliger Bürgermeister Ole von Beust und sein Chef der Senatskanzlei Volkmar Schön, seien dagegen ihrer Aufsichtspflicht nicht gerecht geworden und hätten sich zu wenig um Details des Jahrhundertbaus gekümmert. "Der politische Anspruch, die Elbphilharmonie zu einem der zehn besten Konzerthäuser der Welt zu machen, kollidierte hart mit den knappen Geld- und Zeitressourcen", so Grünen-Politikerin Eva Gümbel.

Verzicht auf interne Prüf- und Kontrollmechanismen

Die Organisation des Projekts an den Behörden vorbei, mit der allein verantwortlichen Realisierungsgesellschaft und die Heraushebung des "Machers" Wegener habe Verzicht auf interne Prüf- und Kontrollmechanismen bedeutet.

Kontrollpflichten nicht nachgekommen

Nach Ansicht der Linken hatte der ehemalige Bürgermeister Ole von Beust das Projekt Elbphilharmonie zwar zur Chefsache erklärt, sich dann aber nicht darum kümmern wollen. "Weder er, noch die ihn beratende Senatskanzlei kamen ihren Kontrollpflichten ansatzweise nach. So konnte die Realisierungsgesellschaft nach Belieben schalten und walten", sagte Norbert Hackbusch. Diese Verantwortung könne jetzt nicht auf andere Projektbeteiligte abgewälzt werden.

Die Linke sieht in der Übernahme der Bauherrenrolle für Hotel, Parkhaus und Gastronomie durch die Stadt im Sommer 2006 den eigentlichen Geburtsfehler des Projekts.

Chaotische Situation

Aber auch die Architekten Herzog & de Meuron und der Baukonzern Hochtief kommen in dem Bericht nicht gut weg. Weil fertige Baupläne nicht rechtzeitig vorgelegen hätten, sei es zu einer "chaotischen Situation einer aufwendigeren Planung parallel zum Bau" gekommen.

Angebotspreis niedrig kalkuliert

Über den Baukonzern Hochtief äußert der Bericht die Vermutung, das Unternehmen habe den Angebotspreis von Anfang an niedrig kalkuliert, um später Nachforderungen zu stellen.

Am Samstag sollen die Beratungen fortgesetzt werden, dann haben die Betroffenen vier Wochen Zeit, Stellung zu nehmen. Anfang April soll der Abschlussbericht verabschiedet werden.

(dpa/eli)