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Radio Hamburg

Sehr geringe Inanspruchnahme

Anspruch auf Bildungsurlaub

Hamburg, 15.02.2014
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Die meisten Kurse zur Weiterbildung wurden in den Bereichen EDV, Sprachen, Pädagogik und Psychologie sowie Rhetorik angeboten.

Nicht einmal ein Prozent der Beschäftigten in Hamburg und Schleswig-Holstein nimmt den Anspruch auf Bildungsurlaub wahr.

Englischkurse in Malta, Spanisch in Málaga oder aber auch gewaltfreie Gesprächsführung oder Stressmanagement. Möglichkeiten für Bildungsurlaube gibt es viele, aber kaum jemand im Norden nutzt sie. Gerade einmal rund 6.900 Arbeitnehmer in Schleswig Holstein nahmen 2012 ihren Anspruch auf Bildungsurlaub wahr, wie Matthias Günther von der zuständigen Investitionsbank Schleswig-Holstein der Nachrichtenagentur dpa sagte. Das entsprach gerade einmal 0,76 Prozent aller Arbeitnehmer in Schleswig Holstein.

Ähnliche Zahlen in Hamburg

Für Hamburg werden keine offiziellen Daten erhoben, sagte ein Sprecher der zuständigen Behörde für Schule und Berufsbildung. Laut Experten könne aber von ähnlichen Zahlen ausgegangen werden. "Damit können wir überhaupt nicht zufrieden sein", sagte der Vorsitzende des DGB Nord, Uwe Polkaehn. "Der Nachholbedarf ist besonders in den kleineren Betrieben Schleswig-Holsteins und Hamburgs hoch."

Mangelndes Selbstbewusstsein

Über die Gründe für die geringe Inanspruchnahme lasse sich nur spekulieren. Kerstin Schumann vom DGB-getragenen Verein Arbeit und Leben sieht als Ursache vor allem die mangelnde Kenntnis der Arbeitnehmer sowie die Angst, dass der Bildungsurlaub vom Chef nicht gerne gesehen werde. "Man braucht Selbstbewusstsein, wenn man seinen Wunsch auf Weiterbildung durchsetzen will", so Schumann.

Uwe Polkaehn befürchtet ebenfalls, dass durch die Arbeitgeber ein Betriebsklima geschaffen werde, in welchem sich Angestellte nicht trauten, ihren Anspruch auf Bildungsurlaub wahrzunehmen. "Gerade in kleineren Betrieben findet diesbezüglich eher Anti-Werbung statt", so Polkaehn.

Kein Interesse an Bildungsurlaub

Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände für Schleswig-Holstein und Hamburg Thomas Fröhlich ist jedoch der Ansicht, dass Arbeitnehmer schlichtweg kein Interesse am Bildungsurlaub haben. "Wir stellen stattdessen einen starken Zugang zu betriebsinternen Schulungen fest", so Fröhlich. Die seien für Arbeitnehmer offenbar attraktiver, da der Nutzen für die eigene Karriere und für das Unternehmen höher sei.

Bis zu 3.000 Angebote

Fünf Tage Bildungsurlaub stehen Arbeitnehmern in Hamburg und Schleswig-Holstein pro Jahr gesetzlich zu. Aus bis zu 3.000 anerkannten Veranstaltungsangeboten konnten die Arbeitnehmer in Schleswig-Holstein zu diesem Zweck in den vergangenen Jahren wählen, wie die Zahlen der Investitionsbank ergaben. Die meisten Kurse wurden in den Bereichen EDV, Sprachen (vor allem Englisch), Pädagogik und Psychologie sowie Rhetorik angeboten.

Frauenanteil geringer

Nach wie vor ist dabei der Anteil der Frauen geringer, wie die Zahlen belegen. Nur 3.034 Frauen ließen sich in Schleswig-Holstein 2012 für den Bildungsurlaub vom Arbeitgeber freistellen. Im Vergleich dazu waren es 3.500 Männer. "Das liegt wohl an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf", sagte DGB Nord Vorsitzender Polkaehn. Frauen
arbeiteten nach wie vor mehr Teilzeit oder im Minijob. "Da nutzen sie
das Angebot nicht so", so Polkaehn.

Nutzen für den Betrieb

Auf das Argument der Arbeitgeberseite möchte sich Polkaehn indes nicht einlassen. "Betriebsinterne Schulungen sind in Ordnung." Der Bildungsurlaub stelle aber eine ganz andere Qualität dar. "Zum lebenslangen Lernen gehört, nicht zum Fachidioten zu werden. Betriebsinterne Weiterbildung reicht da nicht aus." Wenn Bildung stattdessen ganzheitlich gesehen werde, entstehe langfristig auch ein Nutzen für den Betrieb.

Polkaehn rät daher allen Arbeitnehmern, ihren Anspruch auf Bildungsurlaub nicht verfallen zu lassen. "Man kommt da auf neue und kluge Gedanken", so der DGB Nord Vorsitzende.

(dpa/eli)