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Radio Hamburg

Fall Yagmur

Aufklärung ohne falsche Rücksichtnahme

Hamburg, 31.01.2014
Tod, Dreijährige, Yagmur, Billstedt, Trauer

Yagmur starb im Dezember 2013 an den Folgen eines Leberrisses.

Am Tod der kleinen Yagmur tragen die Jugendämter eine Mitverantwortung. Welche Konsequenzen müssen jetzt gezogen werden?

Nach einem Bericht über schwere Versäumnisse der Jugendämter im Fall Yagmur geht die Suche nach den Ursachen weiter. Der Leiter des Bezirksamtes Eimsbüttel, Torsten Sevecke, kündigte eine "Aufklärung ohne falsche Rücksichtnahme" an. Eine "Task Force" (Arbeitsgruppe) solle schnell klären, wie es zu den Fehlern kommen konnte, die ein Prüfbericht der Jugendhilfeinspektion aufgelistet hatte.

Darin wird nicht nur das Jugendamt Eimsbüttel kritisiert, sondern auch das Jugendamt Mitte, das wegen des Umzugs der Familie seit Juli 2013 die Verantwortung für das Kind hatte. Yagmurs Vater soll das Mädchen laut Staatsanwaltschaft Mitte Dezember so schwer misshandelt haben, dass Yagmur kurz darauf an den Folgen eines Leberrisses starb.

Warnhinweise ignoriert

Immer wieder gab es Warnhinweise, in welcher Gefahr sich das Mädchen befand. Viele Chancen wurden vertan. Der Prüfbericht, den Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) als "schonungslos" bezeichnete, attestierte einzelnen Fachkräften in den Jugendämtern Leichtgläubigkeit, schlechte Übergaben oder Überforderung. Scheele hatte betont, dass er keine Notwendigkeit für Konsequenzen auf der Ebene der Bezirksamtsleiter sehe. Ob Yagmurs Tod für die mit dem Fall betrauten Mitarbeiter dienstrechtliche Konsequenzen haben wird, ist noch offen. Bei der Staatsanwaltschaft Hamburg laufen nach
wie vor Vorermittlungen zur Arbeit der Jugendämter.

Kritik am Jugendamt Eimsbüttel

Im Zentrum der Kritik am Jugendamt Eimsbüttel steht die Entscheidung, das Mädchen wieder bei seinen leiblichen Eltern leben zu lassen - obwohl damals noch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Kindesmisshandlung gegen Vater und Mutter liefen. "Wie konnte am 7. Mai 2013 diese Weichenstellung getroffen werden?", nannte Sevecke eine zentrale Frage, der nachgegangen wird. Die Mitarbeiterin, die den Fall einst in Eimsbüttel betreute, solle noch einmal befragt werden. Sie sei aber momentan krank geschrieben.

Lest auch: Prüfbericht: Jugendamt an Yagmurs Tod mitverantwortlich

Mit Spannung wurde der Bericht der Jugendhilfeinspektion zum gewaltsamen Tod der kleinen Yagmur erwartet. Jetzt l ...

Yagmur lebte seit August 2013 bei ihren leiblichen Eltern, vorher hatte sie bei einer Pflegemutter und in einem Kinderschutzhaus gewohnt. Das Mädchen habe bei den Eltern in Hamburg-Billstedt ein Martyrium erlebt, berichtete Sevecke. Vier Monate später war Yagmur tot, die Eltern sitzen in Untersuchungshaft. Der Vater, der wegen Körperverletzung, Drogendelikten und Diebstahls schon vorher polizeibekannt war, soll die Dreijährige zu Tode geprügelt haben. Seine Ehefrau unternahm nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nichts dagegen.

Familienausschuss berät über Fall Yagmur

Die junge Mutter hatte Yagmur nach der Geburt einer Pflegemutter anvertraut, weil sie sich überfordert fühlte. Sie machte aber den Behörden klar, dass dies nur vorübergehend sein sollte. Langfristig wolle sie wieder für das Kind sorgen. Die Eltern hatten immer das Sorge- und Besuchsrecht. "Das Hauptproblem war, dass von Anfang an die Rückkehr in die Herkunftsfamilie im Mittelpunkt stand", erklärte Sozialsenator Scheele.

Am 6. Februar wird der Familienausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft über den Bericht der Jugendhilfeinspektion beraten. Die SPD-Abgeordnete Melanie Leonhard betonte, wichtig sei dabei auch, die "Kommunikation und Verfahren rund um die Staatsanwaltschaft und das Familiengericht" zu untersuchen. Die Jugendhilfeinspektion hatte nur den Auftrag, die Arbeit der Jugendämter zu überprüfen. Eine Gerichtssprecherin dementierte Darstellungen, das Familiengericht habe entschieden, das Kind zu den Eltern zurückzuführen. (dpa/apr)