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Radio Hamburg

Bewährung aufgehoben

Becherwerfer von St. Pauli freigesprochen

Hamburg, 25.06.2014
Spielabbruch am Millerntor

Nach dem Bierbecherwurf von St. Pauli wurde der Angeklagte 46-Jährige jetzt freigesprochen.

Am Mittwoch (25.06) wurde der Bierbecherwerfer vom Millerntor vom Hamburger Landgericht in zweiter Instanz überraschend freigesprochen. 

Im April 2011 hatte ein 46-jähriger Fußballfan bei einem Heimspiel des FC St. Pauli im Millerntor-Stadion den Schiedsrichterassistenten mit einem gefüllten Bierbecher abgeworfen. Dafür wurde der Familienvater in erster Instanz zu einer harten Bewährungsstrafe verurteilt. Diese wurde am Mittwoch (26.06) aufgehoben.

Freispruch

In der zweiten Auflage des sogenannten Becherwerfprozesses wurde der 46-Jährige aus Mangel an Beweisen vor dem Hamburger Landgericht freigesprochen. In erster Instanz war der Fußballfan noch wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer hohen Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt worden. Laut Anklage hatte er im Heimspiel des FC St. Pauli gegen Schalke 04 am 1. April 2011 einen Bierbecher Richtung Linienrichter geworfen und damit eine Verletzung des 36-Jährigen billigend in Kauf genommen.

Mangel an Beweisen

Für die Richter am Landgericht waren die teils widersprüchlichen Zeugenaussagen allerdings zu dünn. Nach Ansicht der Kammer haben sich "schon nach Aktenlage Differenzen" zum Urteil des Amtsgerichtes ergeben. Dazu kamen die Aussagen zweier Stadionbesucher: Einer sah, dass der Schiedsrichterassistent von einem Becher getroffen wurde, aber nicht, wer den Becher warf. Ein anderer sah den Angeklagten einen Becher werfen, aber nicht, ob dieser Becher auch den Schiedsrichterassistenten traf. Ein Indiz für die Schuld des Angeklagten sei, dass der 46-Jährige aus dem Stadion rannte, nachdem der Schiedsrichterassistent getroffen war. "Vielleicht liefen Sie weg, weil Sie einen Hartplastikbecher aufs Feld geworfen haben", sagte die Vorsitzende Richterin. "Der Becher, der traf, war allerdings ohne Henkel und aus Weichplastik." Dies bestätigte eine Videoaufnahme.

Sechs Monate auf Bewährung gefordert

Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen eine sechsmonatige Haftstrafe auf Bewährung und eine Schmerzensgeldzahlung gefordert. "Am Tatgeschehen, wie es das Amtsgericht beurteilt hat, bestehen nicht die geringsten Zweifel", sagte die Staatsanwältin. Da der Angeklagte weder Reue zeige noch bei dem Opfer um Entschuldigung gebeten habe, sei ihm ebenso anzulasten wie die Tatsache, dass der Becherwurf Nachahmer animieren könne. Die beiden Verteidiger des 46-Jährigen hielten die Zeugenaussagen für wenig glaubwürdig. "Erinnerungslücken sind hier teilweise mit Vermutungen aufgefüllt worden", sagte ein Verteidiger in seinem Plädoyer. Er forderte einen Freispruch. Zuvor hatte der getroffene Schiedsrichterassistent von der Tat berichtet. "Ich habe kurz vor Spielende einen heftigen Schlag in den Nacken gespürt", sagte der 39-Jährige. "Dann hatte ich den Gedanken: ´Ich muss hier schnell weg, ich weiß nicht, was noch kommt.'" Seitdem
sei er bei Gegenständen, die aufs Spielfeld geworfen werden, besonders sensibel. Mehrere Zeugen hatte vor Gericht stets betont, dass es ein "Frustwurf" gewesen sein und dass während des Spiels viele Becher geflogen seien. 

"Urteil genau anschauen"

Nach dem Urteil sagte der 39-Jährige: "Es ist schade, dass kein Täter zur Rechenschaft gezogen wird." Der FC St. Pauli hält sich in Bezug auf Schadensersatzforderungen alle Optionen offen. Der Verein, am Ende jener Spielzeit aus der Bundesliga abgestiegen, musste das erste Zweitliga-Spiel der neuen Saison in Lübeck austragen. Pressesprecher Christoph Pieper erklärte : "Wir werden uns das Urteil sehr genau anschauen, aber momentan ist es sehr fraglich, ob wir etwas machen werden." Dem Verein ist durch den Becherwurf nach eigenen Angaben ein Schaden von
über 400 000 Euro entstanden.

(dpa/san)

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