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Radio Hamburg

Yagmurs Eltern vor Gericht

Mutter tötete "aus Hass auf ihre Tochter"

Hamburg, 12.06.2014
RHH - Expired Image

Die Eltern der getöteten Yagmur müssen sich seit Mittwoch (11.06) vor Gericht verantworten.

Schläge, Tritte, Kratzer - nach Überzeugung der Hamburger Staatsanwaltschaft misshandelte die Mutter der kleinen Yagmur ihr Kind zu Tode.

Der Vater soll seine Tochter nicht geschützt haben. Bei  Prozessbeginn vor dem Landgericht schwiegen die Eltern.

Mehr als 80 Blutergüsse an Yagmurs Körper

Oberstaatsanwalt Michael Abel berichtet von mehr als 80 Blutergüssen und Wunden am kleinen Körper der getöteten Yagmur aus Hamburg. "Aus Hass auf ihre Tochter" habe die Mutter das Mädchen monatelang immer wieder verprügelt, der Vater habe derweil tatenlos zugesehen, ist der Jurist am Mittwoch (12.06) bei Prozessbeginn vor dem Landgericht der Hansestadt überzeugt. Ihm gegenüber auf der Anklagebank sitzen Yagmurs Eltern - beide blass, in ihren Gesichtern sind keine Regungen abzulesen. Während die Staatsanwaltschaft die Leiden ihrer Tochter schildert, halten die Eheleute den Blick gesenkt. Kurz darauf lassen sie über ihre Verteidiger erklären, in dem Prozess erst einmal schweigen zu wollen.

Staatsanwaltschaft: "Tochter grausam getötet"

Die 27 Jahre alte Mutter ist klein und zierlich, wirkt mit Haarreifen und Zopf mädchenhaft. Doch die Staatsanwaltschaft wirft der Frau Mord vor, sie habe ihre Tochter "grausam getötet". "Das Kind musste ständig mit neuen Angriffen rechnen", sagt Abel bei der Anklageverlesung. Ein Leberriss war schließlich tödlich, das Kind verblutete am 18. Dezember 2013 innerlich. Die Tat hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt - auch weil die zuständigen Jugendämter die Gefahr für das Mädchen trotz vieler Hinweise übersahen. 

Der 25 Jahre alte Vater muss sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen verantworten. "Der Tod des Kindes war für ihn vorhersehbar", erklärt Oberstaatsanwalt Abel. Er wirft dem Paar zudem Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht vor - beim Vater allerdings wieder mit dem Zusatz "durch Unterlassen". Die Eltern sitzen in Untersuchungshaft und hatten bei früheren Vernehmungen ihre Unschuld beteuert.

Yagmurs Eltern würdigen einander keines Blickes

Während der Verhandlung würdigen sich die Angeklagten keines Blickes. Nach ihrer Festnahme hatte die Mutter den Vater beschuldigt, er galt monatelang als Hauptverdächtiger. Doch die Befragungen von Zeugen und die Auswertung von Handydaten ergab nach Ansicht der Staatsanwaltschaft, dass die Version der Mutter nicht stimmen konnte. Im April wurde deshalb Mordanklage gegen die Frau erhoben. Bei der Obduktion entdeckten die Ermittler Schminke an Yagmurs Leiche. Nach
Überzeugung der Ermittler hatte die Mutter so versucht, die Spuren der Schläge zu überdecken.

Parlamentarischer Untersuchungsausschuss

Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft untersucht derzeit, inwieweit der Staat beim Schutz des Mädchens versagte. Denn viele unterschiedliche Menschen waren bei Jugendämtern, Familiengericht und Staatsanwaltschaft mit Yagmurs Fall befasst. Schon früher gab es schwere Misshandlungsvorwürfe, beschuldigt waren unter anderem die Eltern.

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"Verkettung von Fehleinschätzungen"

Doch die Kommunikation zwischen den Behörden lief schlecht. Wichtige Details waren nicht allen Beteiligten bekannt oder wurden zum Teil falsch interpretiert. Am Ende der "Verkettung von Fehleinschätzungen" - wie es in einem im Januar veröffentlichten Bericht der Jugendhilfeinspektion heißt - durfte Yagmur nicht mehr bei ihrer Pflegemutter leben, sondern kam im August 2013 zurück zu ihren leiblichen Eltern. Vier Monate später war das Kind tot.

(dpa/mgä)

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