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Radio Hamburg

Nach Krawallen in St. Georg

Kurden kündigen weitere Proteste an

Hamburg, 08.10.2014
Kurden, Islamisten, Straßenschlacht

Am Dienstagabend kam es zu gewalttätigen Auschreitungen zwischen Kurden und Islamisten in St. Georg.

Nach der Straßenschlacht zwischen Kurden und radikalen Islamisten in St. Georg haben die Kurden für Mittwochnachmittag Proteste in Altona angekündigt.

Der Konflikt zwischen Kurden und Islamisten in Syrien lässt auch in Deutschland die Emotionen hochkochen. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Islamisten sind in Hamburg und Celle mindestens 23 Menschen teils schwer verletzt worden. Dutzende Verdächtige wurden vorübergehend festgesetzt. 

Kurdische Proteste gegen IS in Syrien

Die Polizei in Celle unterband die Zusammenstöße in der Nacht zum Mittwoch (8.10) mit Schlagstöcken und Pfefferspray, in Hamburg kamen Wasserwerfer zum Einsatz. Hintergrund der Gewalt sind Proteste von Kurden gegen den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf die eingekesselte kurdische Stadt Kobane in Syrien.

Äußerst gewalttätige Auseinandersetzung in St. Georg

In Hamburg standen sich im Stadtteil St. Georg jeweils rund 400 Kurden und Islamisten aus der Salafisten-Szene gegenüber. Beide Gruppen waren zum Teil mit Schlagstöcken und Messern bewaffnet. Ein dpa-Fotograf berichtete, dass die Islamisten mit Metallstangen, Macheten und spitzen Gegenständen die Kurden angriffen, die ebenfalls Waffen bei sich trugen. Es sei "ausgesprochen gewalttätig" gewesen.

4 Schwerverletzte, 22 Personen in Gewahrsam

Der Polizei gelang es erst mit Hilfe von Wasserwerfern, die Gruppen abzudrängen. Doch kam es zu Auseinandersetzungen zwischen kleineren Gruppen andernorts. Dabei wurden mindestens 14 Menschen verletzt, 4 von ihnen schwer. 22 Menschen kamen in Hamburg in Polizeigewahrsam, wurden aber später am Abend entlassen. Die Polizisten stellten Schlag- und Stichwaffen sicher. Erst am frühen Morgen beruhigte sich die Lage.

Gleise am Hauptbahnhof blockiert

Am Dienstagnachmittag (7.10) hatten zuvor etwa 500 Kurden in der Hamburger Innenstadt friedlich Solidarität mit den vom IS bedrängten Menschen in der umkämpften syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane gefordert. Anschließend blockierte aber eine Gruppe von etwa 80 Kurden für etwa eine Stunde bis gegen 18 Uhr mehrere Gleise am Hamburger Bahnhof.

Rat der Islamischen Gemeinschaften verurteilt Gewalttaten scharf

Der Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg, Schura, kritisierte die Gewalttaten scharf. "Ich verurteile jede Art von Gewalt", sagte der Schura-Vorsitzende Daniel Abdin der Nachrichtenagentur dpa. Bereits am Montag (6.10) hatten rund 300 Kurden unangemeldet vor dem Rathaus gegen den IS-Terror demonstriert. Für diesen Mittwochnachmittag sind weitere Proteste in Altona angekündigt.

Celle: Ausschreitungen zwischen jesidischen Kurden und muslimischen Tschetschenen

In Celle kam es nachts zu Ausschreitungen zwischen rund 400 jesidischen Kurden und muslimischen Tschetschenen. Nur mit mehreren Hundert Beamten gelang es der Polizei, eine Massenschlägerei wie am Vorabend zu verhindern. Wie ein Sprecher der Polizei sagte, versuchten beide Seiten dennoch, mit Knüppeln, Flaschen und Steinen aufeinander loszugehen und die Polizeiketten zu durchbrechen. Dabei wurden vier Beamte und fünf Teilnehmer verletzt.

Aufruf von islamistischem Prediger Pierre Vogel

Zu dem Gewaltausbruch kam es trotz mehrerer Schlichtungsversuche von Vertretern beider Lager gemeinsam mit dem Oberbürgermeister und der Polizei. Aufrufe radikaler Islamisten befeuerten den Konflikt nach Angaben der Stadt Celle zusätzlich. Über soziale Medien habe unter anderem der islamistische Prediger Pierre Vogel dazu aufgerufen, den Muslimen zur Hilfe zu eilen, teilte eine Sprecherin mit.

Auslöser der Auseinandersetzungen am Montag- und Dienstagabend sei zunächst ein banaler Streit zwischen jungen Leuten gewesen, berichtete sie. Dies sagte auch der Vertreter des jesidischen Zentrums in Celle, Pashin Ipek, der Nachrichtenagentur dpa. 

Ausschreitungen auch in Stuttgart

Auch in Stuttgart wurden Polizisten bei Kurden-Demonstrationen am Dienstag mit Steinen und Flaschen beworfen, wie das Innenministerium mitteilte. Ein Polizist sei dabei leicht verletzt worden. Zunächst hatten rund 100 Kurden eine Straße versperrt und Autofahrer provoziert. Unter den Blockierern seien auch etwa 20 Angehörige der linksextremistischen Szene und vermummte Demonstranten gewesen.

(dpa/mgä)