Lieber User,

anscheinend hast Du einen Ad-Blocker aktiviert oder Javaskript deaktiviert. Um unsere Existenz zu sichern, sind wir als werbefinanzierter privater Radiosender auch im Internet auf Werbung angewiesen. Damit Du auch weiterhin alle Inhalte unserer Webseite nutzen kannst, bitten wir dich, Deinen Ad-Blocker zu deaktivieren oder radiohamburg.de als Ausnahme hinzuzufügen. Sobald Du das gemacht hast, kannst Du unsere Inhalte nach einem Reload der Seite ganz normal weiternutzen.

103.6 Grüße
Dein Radio Hamburg Team


*Sollte diese Meldung fälschlicherweise angezeigt werden, schicke uns bitte eine Mail an adblocker@radiohamburg.de

Es gibt neue Inhalte auf unserer Startseite - jetzt aktualisieren! [Schließen]
Radio Hamburg

Notwehr oder Totschlag?

Hausbesitzer nach Schüssen auf Einbrecher wieder frei

Hamburg, 24.06.2015
Hausbesitzer erschießt Einbrecher, Jenfeld

Nach dem Schuss auf einen mutmaßlichen Einbrecher ist der Schütze wieder auf freiem Fuß.

Nach dem Tod eines mutmaßlichen Einbrechers am Dienstagabend (23.06) in Jenfeld äußern Anwohner Verständnis über das Handeln des Mannes.

Es ist wohl die Horrorvorstellung für viele Haus- und Wohnungsbesitzer schlechthin - mitten in der Nacht klingeln Unbekannte an der Haustür und verschaffen sich nach dem Öffnen der Haustier Zutritt. Als ein Hausbesitzer in Jenfeld in der Nacht zu Mittwoch (24.06) zwei Fremden die Tür einen Spalt weit öffnet, treten die Männer die Tür ein, woraufhin der Besitzer des Einfamilienhauses einen Schuss abgibt und ein Mann stirbt. Jetzt diskutiert die Öffentlichkeit: War es Notwehr?

Angeschossener flieht

Wie die Polizei mitteilte, sei der 25-Jährige Eindringling nach dem Schuss mit seinem Komplizen geflüchtet und an einer nahegelegenen Straßenkreuzung zusammengebrochen. Auch eine rasche notärztliche Versorgung konnte ihn
nicht mehr retten, er starb an seinen Schussverletzungen. Der zweite Mann setzte seine Flucht fort.

Kein Haftbefehl gegen Hausbewohner

Die Hamburger Staatsanwaltschaft sieht keinen Grund für einen Haftbefehl gegen den 63 Jahre alten Schützen. Nach ersten Ermittlungen der Polizei gab der Hauseigentümer den Schuss erst ab, als die beiden Einbrecher die Haustür eintraten und einer von ihnen in den Flur eindrang. Der überfallene 63-Jährige hatte die Polizei selbst über den Notruf verständigt. Er wurde vorläufig festgenommen, kam aber nach Vernehmung und erkennungsdienstlicher Behandlung wieder auf freien Fuß. "Wir sehen Anhaltspunkte für Notwehr", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Ob auch die Einbrecher bewaffnet waren, konnte sie nicht sagen. Die Polizei schloss dies nicht aus. Ob der 63-Jährige seine Pistole legal besaß, blieb ebenfalls unklar. "Dazu sagen wir nicht", erklärte eine Polizeisprecherin.

Eindringling polizeilich bekannt

Nach den Erkenntnissen der Ermittler hatten die beiden Männer schon vor dem tödlichen Zwischenfall unter einem Vorwand an der Haustür des Einfamilienhauses geklingelt, waren dann aber wieder gegangen. Etwa 15 Minuten später - kurz vor 23.00 Uhr - klingelte das Duo erneut. Als der 63-Jährige wieder die Tür öffnete, war diese noch mit einem Riegel gesichert. Die Täter traten die Tür den Angaben zufolge mit massiver Gewalt ein. Der kurz darauf von einem Schuss getroffene
25-Jährige soll etwa zwei Meter groß und bereits polizeibekannt gewesen sein.

Nachbarschaft häufiger von Einbrüchen betroffen

Der Schütze lebt nach Angaben von Nachbarn allein mit seinem hochbetagten pflegebedürftigen Vater in dem Haus. Vor etwa einem halben Jahr sei bei den beiden bereits eingebrochen und eine größere Geldsumme gestohlen worden. Das konnte die Polizei zunächst nicht bestätigen. In der Straße soll die Angst vor Einbrechern jedoch allgegenwärtig sein. "Es muss ein Schock sein. Die Angst sitzt wirklich tief", so eine 79-jährige Anwohnerin über die Stimmung in der Nachbarschaft nach dem tödlichen Schuss. "Ich muss sagen, dass ich teilweise Verständnis habe, obwohl es mir auch leidtut um den jungen Mann", so die Nachbarin weiter. In der Nähe seien erst vor Kurzem Einbrecher über ein Dach in ein weiteres Haus eingestiegen.

Notwehr oder Totschlag?

Wer zur Waffe greift, kann sich schnell ins Unrecht setzen. In Hannover sitzt ein 40-Jähriger, der vor zwei Wochen nachts auf einen jungen Mann geschossen hat, in Untersuchungshaft. Der mutmaßliche Einbrecher im Alter von 18 Jahren starb. Der Schütze beruft sich auf Notwehr. Die Ermittler sehen aber Ungereimtheiten in seiner Darstellung. Dem 63-jährigen Hausbewohner in Jenfeld scheint die Polizei dagegen ein Handeln aus Notwehr zu unterstellen. Dass Notwehr nicht einmal im ehemals Wilden Westen ein dehnbares Rechtsprinzip ist, haben die Hamburger erst im vergangenen Jahr gelernt. Ein Austauschschüler aus Altona war nachts im US-Staat Montana in eine Garage eingedrungen. Der Hausbesitzer erschoss den unbewaffneten 17-Jährigen und berief sich auf Notwehr. Das Gericht nahm ihm das aber nicht ab und verurteilte ihn wegen vorsätzlicher Tötung zu 70 Jahren Haft.

(dpa/san)