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Radio Hamburg

Kriminalstatistik der Polizei

Zahl der Straftaten in Hamburg gesunken

Hamburg, 08.02.2017
Einbruch Rolladen hochschieben

Besonders deutlich ist die Zahl der Wohnungseinbrüche und Taschendiebstähle zurückgegangen.

Hamburg ist im vergangenen Jahr sicherer geworden - das sagt zumindest die polizeiliche Kriminalstatistik. Die Opposition hält die Verbesserungen für marginal.

Die Zahl der Straftaten in Hamburg ist laut polizeilicher Kriminalstatistik im vergangenen Jahr gesunken. Es seien 239.230 Delikte registriert worden, sagte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer am Mittwoch (08.02.) bei der Vorstellung der neuen Zahlen. Das bedeute einen Rückgang von 1,9 Prozent im Vergleich zu 2015. Die Aufklärungsquote stieg um einen Prozentpunkt auf 44,8 Prozent.

Weniger Wohnungseinbrüche

Besonders deutlich verringerte sich die Zahl der Wohnungseinbrüche, und zwar um 16,6 Prozent. Die Zahl der Taschendiebstähle sank um 8,8 Prozent. Meyer führte die Erfolge auf die Schwerpunkteinsätze gegen Taschendiebe und die Arbeit der „Soko Castle“ zurück. Er sei "stolz wie Bolle" auf seine Kollegen, sagte der Polizeipräsident. "Das ist ein großer Erfolg der Hamburger Polizei", lobte Innensenator Andy Grote (SPD).

Zahl der Vergewaltigungen gestiegen

Eine starke Zunahme registrierte die Polizei bei den Beleidigungen auf sexueller Grundlage. Die Zahl der Fälle stieg von 507 auf 1438, also um 54,5 Prozent. Auch die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen nahm zu, und zwar von 145 auf 181 (+25 Prozent). Hintergrund seien die Silvesterübergriffe beim Jahreswechsel 2015/2016 und eine erhöhte Anzeigebereitschaft der Opfer, auch aufgrund der Medienberichterstattung über die massenhaften Übergriffe auf junge Frauen, sagte der Leiter des Landeskriminalamts, Frank-Martin Heise.

Die Rauschgiftdelikte nahmen um 11,4 Prozent auf 10.484 zu. Das führte Meyer auf die Arbeit der Task-Force Drogen zurück. Mit den vielen Kontrollen auf St. Pauli, im Schanzenviertel und in St. Georg habe die Polizei das statistische Dunkelfeld aufgehellt. Gehandelt werde in Hamburg vor allem mit Cannabis und Kokain. Synthetische Drogen spielten keine große Rolle.

Gewaltkriminalität geht zurück

Auch bei den leichten Körperverletzungen verzeichnete die Polizei einen Anstieg um 6,6 Prozent. Die gefährlichen und schweren Körperverletzungen nahmen jedoch nur um 0,9 Prozent zu. Die Gewaltkriminalität insgesamt ging um 2,4 Prozent zurück. Zu diesem Bereich zählen neben gefährlichen und schweren Körperverletzungen auch Raubüberfalle, Vergewaltigungen sowie Mord und Totschlag. Die Raubdelikte liegen nach Angaben von Heise mit 2447 Taten auf einem historischen Tiefstand. Die Anzahl der vorsätzlichen Tötungsdelikte wuchs um 6 auf 68 Fälle. Elf Menschen wurden im Jahr 2016 bei einem Verbrechen getötet, nach 17 im Vorjahr.

Die Polizei ermittelte im vergangenen Jahr 74.888 Verdächtige. 43 Prozent (2015: 41,4 Prozent) von ihnen waren Ausländer. Zählt man die Verstöße gegen Aufenthalts- und Asylgesetze mit, so wären es 47,4 Prozent (Vorjahr 45,2). Von den nicht-deutschen Verdächtigen waren knapp ein Fünftel (19,1 Prozent) Flüchtlinge. An den Verdächtigen insgesamt hatten Flüchtlinge einen Anteil von 9,1 Prozent. Zur Last gelegt wurden ihnen vor allem Körperverletzungen, Ladendiebstähle und Schwarzfahren.

Kritik an Menge der Sonderkommissionen

Der Innenexperte der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Dennis Gladiator, warf dem rot-grünen Senat vor, bei der Bekämpfung der Kriminalität allenfalls im Schneckentempo voranzukommen. "Der leichte Rückgang bei den Straftaten kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Hamburg bei der Kriminalitätsbelastung weiterhin auf einem Zehn-Jahres-Hoch befindet und die Aufklärungsquote trotz marginaler Verbesserung weiterhin erschreckend gering ist", meinte der Abgeordnete.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter kritisierte die Bildung der vielen Sonderkommissionen, von der "Soko Castle" bis zur "Soko Fahrradklau". Die Beamten würden "in immer kürzeren Intervallen von einem Brandherd zum nächsten gejagt", sagte der Landesvorsitzende des Bundes, Jan Reinecke. Anderswo fehlten Kräfte, und Straftaten könnten nicht mehr bearbeitet werden. Zudem sei die Ausstattung der Hamburger Kriminalpolizei im IT-Bereich vollkommen veraltet und unzureichend. (dpa)

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