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Radio Hamburg

Air Berlin bleibt am Boden

Flugausfälle am Hamburger Airport

Hamburg, 12.09.2017
Air Berlin Flugzeug

Viele Air Berlin Maschinen bleiben am Dienstag (12.09.) auch in Hamburg am Boden.

Auch Hamburger Passagiere sind am Dienstag (12.09.) von Problemen bei der Fluglinie Air Berlin betroffen gewesen. 23 Flüge mussten gestrichen werden.

Auch Hamburger Passagiere sind am Dienstag (12.09.) von Problemen bei Air Berlin betroffen gewesen. Bis zum frühen Nachmittag wurden zwölf Abflüge und elf Ankünfte von Air Berlin sowie von Germanwings und Eurowings gestrichen, wie eine Sprecherin des Flughafens erklärte. Wie viele im Laufe des Tages noch hinzukommen, sei für den Flughafen nicht vorhersehbar.

Weitere Ausfälle am Abend und Nachmittag?

Mittags würden die Crews gewechselt und es hänge davon ab, wie viele Piloten dann zur Arbeit erscheinen. Air-Berlin-Maschinen und -Piloten fliegen auf Mietbasis auch für Eurowings und Germanwings, deren Flüge damit ebenso ausfallen können. Bundesweit fielen am Dienstag rund 100 der geplanten 750 Flüge von Air Berlin aus. Ursache war nach Angaben des Unternehmens, dass sich 200 der rund 1.500 Piloten quasi gleichzeitig krank meldeten - viele erst unmittelbar vor dem Flug. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor über eine "Piloten-Revolte" berichtet. Grund dafür soll dem Bericht zufolge eine Auseinandersetzung über den Übergang von Piloten der insolventen Airline auf den potenziellen neuen Käufer sein. Die Vereinigung Cockpit widersprach: "Zu keinem Zeitpunkt hat die VC dazu aufgerufen, sich krank zu melden", teilte die Pilotengewerkschaft mit.

Piloten in Angst

Die Vereinigung Cockpit (VC) befürchtet, dass der Langstreckenbetrieb der Air Berlin komplett eingestellt werden könnte. VC-Präsident Ilja Schulz sagte der "Rheinischen Post" am Dienstag, es bestehe die Sorge, dass mit einer "enormen Preiserhöhung die Langstrecke so unattraktiv gemacht werden soll, dass sie noch vor der Übernahme eingestampft werden kann".  Hintergrund könnte Schulz zufolge sein, dass man insbesondere die gut bezahlten Langstreckenpiloten loswerden wolle, bevor es zu einer Übergabe von Betriebsteilen komme. "Die könnte der Insolvenzverwalter bei einer Einstellung der Langstrecke sofort entlassen wollen", sagte Schulz der Zeitung. "Die Braut wird quasi für die Hochzeit hübsch gemacht. Das ist ein Skandal, den wir uns so nicht bieten lassen."

Air Berlin streicht weitere Flüge

Erst am Montag (11.09.) hatte Air Berlin bekanntgegeben, ihr Karibik-Flugprogramm ab Düsseldorf zum 24. September einzustellen. Flüge auf die Niederländischen Antillen, nach Cancún in Mexiko, Havanna und Varadero in Kuba sowie in die Dominikanische Republik entfielen damit. Hintergrund sei die im Insolvenzverfahren nötige Reduzierung der Langstreckenflotte. Bereits zuvor wurden zahlreiche Langstreckenverbindungen gestrichen. Betroffen war vor allem das Drehkreuz in Berlin-Tegel. 

Air Berlin gerät weiter in Bedrängnis

Nach Angaben des Unternehmens verschärfen die vielen Flugausfälle die Lage der insolventen Fluggesellschaft. "Der heutige Tag kostet uns mehrere Millionen Euro", teilte Vorstandschef Thomas Winkelmann mit. Ein stabiler Betrieb sei zwingende Voraussetzung dafür, dass die Verhandlungen mit Kaufinteressenten gelingen. Bisher seien die Beschäftigten professionell mit der schwierigen Situation umgegangen. "Das, was wir jedoch heute bei einem Teil der Belegschaft sehen, ist ein Spiel mit dem Feuer." Der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus warnte: "Wenn sich die Situation nicht kurzfristig ändert, werden wir den Betrieb und damit jegliche Sanierungsbemühungen einstellen müssen." Noch deutlicher wurde Oliver Iffert, der den Flugbetrieb steuert: "Heute ist ein Tag, der die Existenz der Air Berlin bedroht." Für die Verhandlungen mit Interessenten über eine Übernahme von Teilen des Unternehmens seien die Ausfälle "pures Gift", ebenso für das Ziel, dabei so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.

Infos für Air Berlin Reisende

Die Airline bat Passagiere, vor der Anfahrt zum Flughafen den Status ihres Fluges unter www.airberlin.com/fluginfo zu prüfen. Reisenden, die von Streichungen betroffen seien, solle die "bestmögliche Reisealternative" angeboten werden.  "Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für unsere Gäste", sagte eine Sprecherin. Auch auf der Website des Hamburger Flughafens können sich betroffene Reisende von Air Berlin informieren. 

(dpa/san)