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Radio Hamburg

Fluglärm über Hamburg

15.000 Hamburger für ein konsequentes Nachtflugverbot

Hamburg, 19.09.2017
Flughafen Hamburg

Der Hamburger Airport ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort - sorgt bei zahlreichen Hamburgern allerdings wegen des zunehmenden Fluglärms für Unmut.

Seit Jahren kämpfen die Anwohner des Hamburger Flughafens gegen den zunehmenden Lärm durch landenden und startende Flugzeuge - eine Petition soll nun für strikte Regeln sorgen.

Röhrende Turbinen, vibrierende Fenster und schlaflose Nächte - viele Anwohner des Hamburger Airports leben teilweise seit Jahrzehnten mit dem Lärm durch startende und landende Jets und viele direkte Anwohner haben schon längst genug von dem Lärm über ihren Dächern. Da das eigentlich sehr deutliche Nachtflugverbot von 23 Uhr abends bis 6 Uhr morgens am Airport in Fuhlsbüttel immer weiter aufgeweicht wird, hat der Streit um das Nachtflugverbot die nächste Eskalationsstufe erreicht. 15.000 Bürger haben dem BUND ihre Stimme für eine Volkspetition mit der Forderung für ein Flugverbot ab 22 Uhr gegeben, wodurch sich nun die Hamburger Bürgerschaft mit dem Thema auseinandersetzen muss.

Tausende für ein konsequenteres Nachtflugverbot

Die etwa 100.000 Flughafenanwohner werden ein Lied davon singen können, wie auch innerhalb des Nachtflugverbots Passagierjets und Frachtmaschinen mit Sonder- oder Ausnahmegenehmigungen über die Köpfe hinwegbrettern. Seit März 2017 hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) deshalb die Hamburger über eine Unterschriftenaktion für ein strikteres Nachtflugverbot schon ab 22 Uhr mobilisiert - mit durchschlagendem Erfolg. Die Organisatoren konnten fast 15.000 Unterschriften für ein früheres Nachtflugverbot sammeln. Am Dienstag (19.09.) wurde einem Vertreter der Hamburgischen Bürgerschaft fünf pralle Aktenordner übergeben. Die Bürgerschaft prüft nun, ob die Unterschriften für eine Volkspetition gültig sind. Dazu müssten formal mindestens 10.000 gültige Unterschriften vorliegen.

Fluglinien missachten Flugverbot

In seiner Petition kritisiert der BUND-Landesverband vor allem, dass das bestehende Nachtflugverbot in den letzten Jahren von den Fluggesellschaften zunehmend aufgeweicht und missachtet werden würde. Unter dem Motto "Einmal aufwachen reicht", will man für eine konsequentere Nachtruhe kämpfen, die an Sonn- und Feiertagen sogar von 22 bis 8 Uhr gelten soll. Bereits am Tag seien die startenden und landenden Maschinen eine Belastung, wenn den Betroffenen dann auch noch der Schlaf geraubt werde, sei dies in hohem Maße gesundheitsgefährdend. "Diese Belastungen müssen ein Ende haben", mahnte Hamburgs BUND-Chef Manfred Braasch die Flughafeneigner und damit direkt auch die Stadt Hamburg, die Mehrheitseigner des Flughafens ist. Die jüngst verschärfte Entgeltordnung, mit der Verstöße geahndet werden, hätten das Problem nicht kleiner werden lassen. 

"Das lauteste Jahr am Flughafen"

Im August mussten nach Angaben des Flughafens 125 von 15.135 Flügen zwischen 23 Uhr und 24 Uhr landen, im Vorjahresmonat waren es 91. Das werde erlaubt, wenn unvermeidbare Gründe vorliegen wie beispielsweise technische oder wetterbedingte Probleme sowie starke Verzögerungen im Tagesumlauf eines Flugzeugs, die nicht mehr aufgeholt werden können. Von Januar bis August griff diese Verspätungsregelung bei 685 Flügen, im Gesamtjahr 2016 traf sie auf 774 Flüge zu - "das bisher lauteste Jahr am Flughafen", sagte Braasch. 

Wie geht es weiter?

Sollte die nötige Anzahl an Unterschriften erreicht werden, wandert das Thema zuerst in den Umweltausschuss, wo BUND-Vertreter das Anliegen noch einmal erörtern müssen. Anschließend trifft die Bürgerschaft ihre Entscheidung. Da die Stadt Mehrheitseigner des Airports ist, kann danach auch die Betriebserlaubnis des Flughafens geändert werden. Im rot-grünen Senat hat man das Thema durchaus erkannt und will auch mit dem Rückwind der Unterschriftensammlung aktiv werden. Die Fraktionschefs Andreas Dressel (SPD) und Anjes Tjakrs (Grüne) kündigten an, weiter an den "Schrauben" drehen zu wollen. Wenn die Entgeltregelungen so nicht griffen, müssten sie weiter verschärft werden- "bis die Steuerungswirkung in Kraft tritt", sagte Dressel. Angesichts der Spitzenzahlen aus dem Sommer (Juli: 181 Verspätungen) erwarte er Bewegung bei den Fluggesellschaften. Wer ständig zu spät komme, müsse seinen Flugplan ändern, verlangte Dressel. Tjarks sieht in den Unterschriften "den Druck, den wir brauchen, damit die bestehenden Regeln umgesetzt werden". 

Opposition zeigt sich gesprächsbereit

Auch bei den Opposition stößt das sensible Thema auf Gesprächsbereitschaft. Man sei bereit für kurzfristige Lösungen zur Verbesserung der Lage, erklärte der verkehrspolitische Sprecher der Hamburger CDU, Dennis Thering. Man halte allerdings unbedingt an dem Nachtflugverbot ab 23 Uhr fest, um die Wettbewerbsfähigkeit des Airports nicht zu gefährden. Für die Linke-Fraktion forderte deren umweltpolitischer Sprecher, Stephan Jersch, dass der 16-Punkte-Plan gegen Fluglärm endlich umgesetzt wird - "und zwar ohne Abstriche".

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(dpa/san)

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