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Radio Hamburg

Soko "Schwarzer Block"

Hamburg will Tausende G20-Täter ermitteln

Hamburg, 27.09.2017
Schanzenviertel, G20

Die Polizei-Sonderkommission "Schwarzer Block" bearbeitet mehr als 2000 Ermittlungsverfahren. Die Polizei und der Verfassungsschutz schätzen, dass in den drei Tagen vom 6. bis zum 8. Juli 5.000 Täter aktiv waren. 

Während des G20-Gipfels begingen nach Schätzungen 5.000 Menschen Straftaten in Hamburg. Die Polizei hat das Ziel, alle Täter zu ermitteln. 

Fast drei Monate nach den schweren G20-Krawallen in Hamburg bearbeitet die Polizei-Sonderkommission "Schwarzer Block" mehr als 2.000 Ermittlungsverfahren. "Wir gehen davon aus, dass wir perspektivisch bei 3.000 Ermittlungsverfahren landen werden", sagte Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer am Mittwoch (27.09.). Die Polizei und der Verfassungsschutz schätzten, dass in den drei Tagen vom 6. bis zum 8. Juli 5.000 Täter aktiv waren. 

25.000 Videos müssen ausgewertet werden

Angesichts der Fülle des Bildmaterials stehe die Arbeit der Soko noch ganz am Anfang, sagte ihr Leiter Jan Hieber. Es läge eine zweistellige Terabyte-Zahl an Daten vor, darunter gut 25.000 Einzelvideos von Polizeibeamten. Aus Überwachungskameras in Bussen, Bahnen und Bahnhöfen sei eine dreistellige Zahl an Festplatten sichergestellt worden. Über das Online-Portal seien 7.000 Hinweise eingegangen, die jetzt analysiert würden. Ziel sei, mit Hilfe der IT-Abteilung der Polizei eine recherchierfähige Übersicht zu erhalten, um etwa mit Geodaten suchen zu können. Durch die Verbindung mit einer Gesichtserkennungssoftware würden sich weitere Ermittlungsansätze ergeben, zeigte sich Hieber überzeugt. Er betonte zugleich, dass die Ermittler alle datenrechtlichen Vorschriften beachteten.

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Hunderte Täter sollen überführt werden

Die zahlreichen Geständnisse von Angeklagten in den bisherigen G20-Prozessen sind für den Soko-Chef auch Folge des hohen Standards der Videoaufnahmen. Es sei damit zu rechnen, dass zahlreiche weitere Täter identifiziert würden. "Ich glaube, dass noch viele Straftäter, die sich im Augenblick sicher wähnen (...), da noch eine Überraschung erleben werden", sagte Hieber. Bei der Staatsanwaltschaft würden derzeit 319 Ermittlungsverfahren gegen namentlich bekannte Verdächtige geführt. 23 Verdächtige säßen noch in Untersuchungshaft. Ursprünglich waren 52 Haftbefehle erlassen worden. Die 180-köpfige Soko hatte neun Tage nach dem Gipfel am 17. Juli ihre Arbeit aufgenommen.

Hausdurchsuchungen in Norddeutschland

Einen konkreten Ermittlungserfolg präsentierte Hieber ebenfalls: Im Zusammenhang mit der Plünderung eines Handyshops durchsuchte die Polizei am Mittwoch 16 Objekte, neun davon in Hamburg und sieben in Schleswig-Holstein. Es seien sieben aus dem Laden gestohlene iPhones gefunden worden, sagte der Soko-Chef. Zudem seien drei Drogendelikte und drei Verstöße gegen das Waffengesetz festgestellt worden. Die 100 an der Aktion beteiligten Polizeibeamten hätten jedoch niemanden festgenommen.

Durchsucht wurde unter anderem ein Handyshop im Stadtteil Wilhelmsburg. Zu den übrigen Objekten konnte Hieber keine näheren Angaben machen. Keine der etwa der Hehlerei verdächtigen Personen sei wegen politisch motivierter Kriminalität polizeibekannt gewesen. Es handle sich vermutlich um Gelegenheitstäter.

Schwere Plünderungen in der Schanze

Das Geschäft für hochwertige Elektronik an der Schanzenstraße war am 7. Juli gegen Mitternacht geplündert worden. In derselben Nacht waren auch andere Geschäfte im Schanzenviertel angegriffen, zerstört oder in Brand gesetzt worden. Es gebe auch in diesen Fällen Ermittlungsansätze wie Fingerabdrücke, DNA-Spuren und Bildmaterial. Die bislang festgestellte Schadenssumme bei den G20-Krawallen bezifferte Hieber mit sechs Millionen Euro, Tendenz weiter steigend. Herausragende Sachbeschädigungen seien die Brandstiftungen in einer Sparkassen- und einer Ikea-Filiale gewesen.

(dpa/san)

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