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Radio Hamburg

Telefonisch unter: 116 117

Telefon-Arztdienst ab Februar in Hamburg

Hamburg, 20.09.2017
Krankenhaus, Arzt, Pfleger, Krankenschwester, Patient

Der Ärzteruf 116 117 soll zukünftig die Verteilung von Patienten auf Arztpraxen und Krankenhäuser besser steuern.

Ein neuer Ärzte-Notdienst soll künftig die Notaufnahmen der Hamburger Krankenhäuser entlasten. Ab 2018 können Patienten rund um die Uhr direkt mit Ärzten verbunden werden.

Überfüllte Notfallambulanzen, überlastete Ärzte, genervte Patienten: Die Zusammenarbeit bei der Notfallversorgung zwischen Kassenärzten und Kliniken klappt nicht. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf zur Reform, der für Patienten und Ärzte tatsächlich eine echte Verbesserung bringen könnte.

Ineffizientes Nebeneinander

Oberstes Ziel ist es, das ineffiziente Nebeneinander von ambulanter und stationärer Notfallversorgung von Patienten deutlich zu verbessern. Dazu legten Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Marburger Bund (MB), die Gewerkschaft der zumeist in Kliniken angestellten Ärzte, ein Reformkonzept vor - für eine integrierte Notfallversorgung durch die rund 150.000 Arztpraxen und die knapp 2.000 Krankenhäuser. 

Neue Arztnummer für Patienten

Im Kern wird die bereits bestehende Bereitschaftsnummer der niedergelassenen Ärzte 116117 und die bisherige Notrufnummer des Rettungsdienstes 112 stärker vernetzt und optimiert werden. Patienten sollen bei dieser gemeinsamem medizinischen Anlaufstelle rund um die Uhr anrufen können und eine qualifizierte Ersteinschätzung bekommen, damit sie "ohne Umwege in die für sie passende Versorgungsebene kommen", erläuterte der Vorsitzende des MB, Rudolf Henke.

Bessere Terminverteilung

Der Arzt entscheidet dann im Gespräch, ob der Patient sofort ins Krankenhaus muss, sogar ein Rettungswagen direkt über die Leitstelle braucht oder ob er ihm einen Notarzt vorbeischickt. Ist der Fall nicht akut, kann über den Arztruf auch gleich ein zeitnaher Termin bei einem Facharzt vereinbart werden. Die Ersteinschätzung solle möglichst IT-gestützt und bundesweit einheitlich erfolgen, sagte Henke. "Wir stellen uns vor, dass wir eine einheitliche, standardisierte Ersteinschätzung der Patienten erreichen, die an allen Anlaufstellen der Notversorgung gleich ist." Das könne man mit medizinisch geschultem Personal machen. Im Zweifel könne ein Arzt hinzugezogen werden. 

Entlastung der Notaufnahmen

Mit dem neuen Notfallservice will die Kassenärztliche Vereinigung erreichen, dass die Hamburger nur noch bei wirklichen Notfällen gleich in ein Krankenhaus gehen. Zuletzt hatte eine Studie des UKE ergeben, dass über die Hälfte der Patienten dort ihre Behandlung selbst gar nicht als Notfall empfinden. Grund für den Gang in die Notaufnahme ist demnach meist nur Bequemlichkeit. Deshalb forderte KBV-Chef Gassen auch mit Nachdurck, dass die Bereitschaftsnummer der Kassenärzte bekannter werden müsse. "Wenn das nicht funktioniert, wird der Versicherte beim nächsten Mal wieder ins Krankenhaus stapfen. Hier sind wir natürlich auch gezwungen zu liefern." Nach einer KBV-Studie läuft fast die Hälfte der Befragten zu sprechstundenfreien Zeiten automatisch in die Krankenhausambulanzen - auch, weil etwa 70 Prozent die bundesweite Rufnummer 116117 nicht kennen.

(dpa/san)