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Radio Hamburg

Glücksspiel in Hamburg

Spielbanken in Hamburg - ein historischer Rückblick

Roulette Tisch Casino

Schon seit Jahrzehnten sind Spielbanken in Hamburg feste Institutionen. Dies belegt der Blick in die Vergangenheit, bei welchem die verschiedenen Lokale eine prominente Rolle spielten. Doch wie begannen die Spielbanken an der Elbe und welche Möglichkeiten stehen ihnen in der Zukunft offen?

Etablierung um 1900

Aufgrund ihres schlechten Rufs sind Hamburger Bürger nicht immer gut auf die verschiedenen Spielbanken zu sprechen, welche die Straßenzüge säumen. Eigentlich handelt es sich jedoch um ein gewachsenes Gewerbe, welches in der Hansestadt schon im Jahre 1900 Fuß fassen konnte. Zu dieser Zeit war die Stimmung im deutschen Kaiserreich gespalten. Besonders die aufkommenden Maschinen am Hamburger Hafen machten viele Hafenarbeiter überflüssig, die in ihrer unfreiwillig gewonnenen Freizeit anderen Beschäftigungen nachgehen wollten. Schnell fanden sich einige Spielbanken vor Ort ein, bei denen so mancher Arbeiter sein letztes Hemd verspielte. Andere schätzten den Zeitvertreib und gingen sparsamer mit ihrem hart verdienten Geld um. Zur damaligen Zeit waren noch keine entsprechenden Gesetze in der Reichsverfassung verankert, weshalb die Politik das neue Gewerbe in der Hafengegend zunächst duldete.

Höhen und Tiefen einer Branche

Auf der anderen Seite sind die Spielbanken in Hamburg immer wieder in Krisen geraten. Aktuell ist es die Verlagerung des Glücksspiels ins Internet, das sich als Herausforderung präsentiert. Denn wie auf dieser Seite deutlich wird, sind die digitalen Unternehmen häufig in der Lage, den Spielern attraktivere Angebote zu machen. Eine andere große Krise stellte die Eindämmung des Glücksspiels durch die Stadt in den 1950er-Jahren dar. Durch die zum Teil sehr strenge gesetzliche Regulierung wurde versucht, das Bild der Stadt in eine andere Richtung zu lenken. Auf der anderen Seite konnte selbst die Einschränkung der Freiheiten der Anbieter nicht dazu beitragen, die hohe Nachfrage auf der Seite der Bürger zu übertreffen. Aus diesem Grund gibt es nach wie vor andere Punkte, welche in der öffentlichen Betrachtung eine größere Rolle spielen.

Spielbanken in den Roaring Twenties

Eine absolute Hochphase erlebte das Glücksspiel in Hamburg im Laufe der 1920er-Jahre. Die Epoche der Weimarer Republik ist generell für ihre Freizügigkeit bekannt, die ihr auch den Beinamen der "Roaring Twenties" verpasste. In der Tat konnten sich auch die Bürger Hamburgs dieses Eindrucks nicht erwehren. Die abendliche Gestaltung bot mit einem Mal viel mehr Möglichkeiten, als dies noch im eher streng situierten Kaiserreich der Fall war. Neben den zahlreichen Tanzlokalen, die mehr und mehr ins Zentrum des öffentlichen Lebens rückten, konnten auch die Spielbanken in dieser Phase gute Umsätze verbuchen.

Glücksspiel als Teil des kulturellen Lebens

Glücksspiel wurde zu dieser Zeit nicht als Laster angesehen, wie das heute manches Mal der Fall ist. Stattdessen gehörte es zu einer unterhaltsamen Gestaltung der Freizeit, wie der Besuch von Theatern, Bars oder den ersten Kinos. Insgesamt trugen die Spielbanken in der Weimarer Republik auch in der Stadt an der Elbe einen wichtigen Teil zur Freizügigkeit bei, die viele Zeitgenossen so sehr schätzten. Dabei war das gesamte Spielangebot in den damaligen Jahren noch anders gestrickt, als dies heutige Kunden beim Blick in eine Spielhalle vernehmen können. Einarmige Banditen, die auf einen manuellen Antrieb setzen, waren noch nicht erfunden. Die klassischen Spiele, wie zum Beispiel Poker, Black Jack oder Roulette, nahmen vor diesem Hintergrund einen besonders hohen Stellenwert ein. Heute stehen sie noch immer für das klassische Glücksspiel, welche sich über weite Strecken von den blinkenden Automaten abgrenzt, die von der anderen Seite aus die Casinos dieser Tage füllen.

Die weiteren Jahrzehnte

Für viele Anbieter des Glücksspiels blieben die großen Erfolge aus den 20er-Jahren zunächst eine einmalige Angelegenheit. Die Nationalsozialisten gingen im folgenden Jahrzehnt rigoros gegen das lasterhafte Verhalten vor, welches die Arbeitskraft der unteren Klassen aus ihrer Sicht zu sehr in Anspruch nahm. In den späteren Jahren des Krieges war es dem überwiegenden Teil der Bevölkerung aufgrund der mangelnden materiellen Mittel ohnehin nicht möglich, sich auf das Glücksspiel zu konzentrieren und die entsprechenden Einsätze zu zahlen. Auch zur Zeit des Wirtschaftswunders wurden ganz andere Tugenden in den Mittelpunkt gestellt, auf die sich die Bevölkerung konzentrieren sollte. Von diesem Moment an blieb den Spielbanken in Hamburg nur noch die Rolle einer Randerscheinung, die nur selten zum Thema in der öffentlichen Debatte wurde. Trotz dieser vielen Höhen und Tiefen, welche die Betrachtung ihrer Geschichte mit sich bringt, konnten sich zahlreiche Spielbanken bis zum heutigen Tage in der Hansestadt halten und ihr Publikum mit immer neuen Angeboten begeistern.

Lehren eines Überblicks

Unter dem Strich gibt es also unterschiedliche Einflüsse, welche das Glücksspiel in Hamburg seit Jahrzehnten in die eine oder andere Richtung lenken. Nach einer fast 120 Jahre langen Historie der Spielbanken, die von manch kleinen Anbietern wohl noch übertroffen wurde, wäre es aber an der Zeit, die generelle Einstellung zu diesem Thema zu überdenken und das Gewerbe zur allgemeinen Wirtschaft der Stadt zu zählen. Gleichzeitig zeigt der Blick in die Geschichte, dass sich die Perspektiven auf das Thema mit den Jahren immer wieder neu verschoben haben. Dies sollte auch eine Warnung davor sein, zu schnell zu einem voreiligen Urteil auf diesem Gebiet zu kommen, das der Sache nicht gerecht wird.