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Radio Hamburg

Chantal-Prozess fortgesetzt

Chantal: "Hole mich aus dieser schrecklichen Familie"

Hamburg, 08.12.2014
Eltern von Chantal beim Prozessauftakt

Chantals Pflegeeltern vor Gericht (Archivfoto).

Im Alter von elf Jahren starb Chantal an einer Methadon-Vergiftung. Die Pflegeeltern waren drogensüchtig, die Wohnung offenbar verwahrlost.

Die elfjährige Chantal aus Hamburg-Wilhelmsburg hat noch Wochen vor ihrem Methadon-Tod versucht, ihre drogensüchtige Pflegefamilie zu verlassen. "Bitte geh zum Jugendamt und hole mich aus dieser schrecklichen Familie", zitierte der Staatsanwalt Florian Kirstein am Montag (08.12.) einen Brief an den leiblichen Vater. Eine Frau, die im Auftrag des Jugendamts Chantals Pflegeeltern beraten hatte, sagte als Zeugin aus. Eine Mitarbeiterin der Behörde habe mit dem Kind über das Schreiben gesprochen. Chantal soll gesagt haben, dass sie bei ihrem Vater - ebenfalls drogenabhängig - leben wolle. Den Darstellungen der Zeugin zufolge wurden die Aussagen im Brief nicht weiter untersucht.

Grenzwertige Verhältnisse

Die Frau sah das Wohl des Kindes in der Pflegefamilie grundsätzlich nicht als gefährdet an. Der Zustand der Wohnung sei "grenzwertig" gewesen, erklärte unterdessen ein weiterer Mitarbeiter des Jugendamtes im Hamburger Landgericht. Die Räume hätten stark nach Tieren gerochen und seien sehr unordentlich gewesen. "Es herrschte ein Tohuwabohu." Das Mädchen sei aber gut in der Familie aufgenommen, der Gesamteindruck stimmig, aber verbesserungswürdig gewesen. Nach Darstellung der beiden Zeugen war den Mitarbeitern des Jugendamts die Drogenvergangenheit der Pflegeeltern nicht bekannt. "Mir wurde das nie, nie gesagt", sagte die Frau, die die Pflegeeltern seit 2008 betreut hatte.

Hinweise ignoriert

Laut Staatsanwaltschaft war das Jugendamt Hinweisen von Chantals Verwandten, die Angeklagten würden Drogen oder die Ersatzdroge Methadon konsumieren, nicht nachgegangen. Die Zeugin sagte aus, sie hätte die Hinweise als "Verleumdungen" abgetan. Bereits 1990 war der Angeklagten die Obhut für eine leibliche Tochter entzogen worden. Eine weitere Mitarbeiterin des Jugendamtes, die ebenfalls als ehemaliger Vormund Chantals befragt werden sollte, verweigerte ihre Aussage. Die Pflegeeltern sind wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht angeklagt.

Viele Versäumnisse

Bereits vergangene Woche haben im Prozess drei Polizisten ausgesagt, die nach dem Tod des Mädchens in der Wohnung gewesen sind. Alle haben von verheerenden Zuständen gesprochen und die Wohnung als "nicht kindgerecht" beschrieben.

Chantal ist Mitte Januar 2012 an der Heroin-Ersatzdroge Methadon gestorben, die die Pflegeeltern genutzt haben. Sylvia L. und Wolfgang A. sind wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht angeklagt.

(dpa/apr)