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Radio Hamburg

Helmut Schmidt ist tot

Ein Hamburger Jung verabschiedet sich

Hamburg, 10.11.2015
Helmut Schmidt schwarzweiß

Helmut Schmidt geht als wortgewandter Politiker und Raucher in die Geschichte Deutschlands und Hamburgs ein.

Altkanzler Helmut Schmidt ist tot. Am Dienstag (10.11) starb der 96-Jährige im Kreis seiner Familie in seinem Haus in Langenhorn.

Deutscher Bundeskanzler, Hamburger Innensenator und wahrscheinlich der berühmteste Raucher der Republik - Helmut Schmidt ist tot. Der SPD-Politiker starb im Beisein seiner Tochter Susanne am Dienstagmittag (10.11) in seinem Haus im Hamburger Stadtteil Langenhorn, wie sein behandelnder Arzt Heiner Greten erklärte. Von einer Gefäß-OP vor zwei Monaten im Asklepios-Klinikum St. Georg hatte sich der 96-Jährige zuletzt auch zu Hause nicht mehr erholt.

Von Hamburg nach Bonn

Helmut Heinrich Waldemar Schmidt war Zeit seines Lebens ein Mann klarer und vor allem deutlicher Worte sowie ein zupackender Politiker und machte sich mit diesen Eigenschaften schnell einen Ruf in der Politik der Nachkriegsrepublik. Sein tatkräftiges Handeln in der Hamburger Sturmflut 1962, die er als Hamburger Innensenator verwaltete, brachte ihm über die Stadtgrenzen den Ruf als solider Krisenmanager und enorme Popularität ein. 1969 stieg Schmidt in der Sozialliberalen Koalition von Bundeskanzler Willy Brandt zum Verteidigungsminister auf, wurde 1972 zunächst Finanz- und Wirtschaftsminister, bevor er nach der Wahl 1972 das Finanzministerium führte. 1974 wurde der Hamburger Jung nach dem Rücktritt von Willy Brandt vom Bundestag schließlich zum 5. Kanzler der Bundesrepublik gewählt.

Seine Kanzlerschaft dauerte bis 1982 an und war national geprägt vom linken Terror der Roten Armee Fraktion (RAF), der Ölkrise und den damit verbundenen ideologischen Grabenkämpfen um die Nuklearkraft, aus der am Ende die Partei die GRÜNEN entstehen sollte. Auf europäischer Ebene gilt Schmidt als einer der Väter der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und trieb mit dem französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard D'Estaing die deutsch-französische Freundschaft als Motor der europäischen Integration maßgeblich voran. International geht unter anderem die Gründung der G7-Gruppe auf eine Idee von Schmidt zurück sowie auf einem der Höhepunkte des Kalten Krieges der NATO-Doppelbeschluss aus dem Jahr 1979 zurück, der die Stationierung von Atomsprengköpfen in Westeuropa und Abrüstungsverhandlungen zwischen dem Westen und der Sowjetunion vorsah.  

Helmut Schmidts Kanzlerschaft wurde unter anderem mit zunehmender Kritik am NATO-Doppelbeschluss im Jahr 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum beendet. Schmidts Nachfolge trat Helmut Kohl (CDU) an. Aber auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik blieb Schmidt mit seinen fundierten Analysen zur aktuellen politischen Lage stets eine wichtige Stimme in Deutschland und der SPD.

Hamburg, seine Perle

Geboren wurde Schmidt am Tag vor Heiligabend 1918 im Hamburger Arbeiterviertel Barmbek und hatte bis zu seinem Lebensende eine enge Verbindung zu der Hansestadt. 1937 legte Schmidt an der Lichtwarkschule in Winterhude sein Abitur ab, bevor er seinen Arbeitsdienst in Reitbrook ablegte. Nach dem Krieg studierte der Politiker in Hamburg Volkswirtschaftslehre und Staatswissenschaft und schloss die Studiengänge 1949 als Diplom-Volkswirt ab und trat im Anschluss daran als SPD-Mitglied in den Hamburger Staatsdienst ein, wo er schnell in höhere Positionen aufsteigen konnte. Sein Antrieb sich in der Hamburger Politik zu engagieren, erklärte Schmidt 2008 so: "Wir kamen aus dem Kriege, wir haben viel Elend und Scheiße erlebt im Kriege, und wir waren alle entschlossen, einen Beitrag dazu zu leisten, dass all diese grauenhaften Dinge sich niemals wiederholen sollten in Deutschland. Das war die eigentliche Antriebskraft." Kurz nach dem Ende seiner Kanzlerschaft wurde dem Hamburger 1983 die Ehrenbürgerwürde Hamburgs zuteil.

Loki, die Liebe seines Lebens

Neben der Liebe zur Politik bestimmte die tiefe und innige Liebe zu Hannelore Glaser, besser bekannt unter ihrem Spitznamen Loki, das Leben des Altkanzlers. Diese heiratete er im Juni 1942 und war mit ihr bis zu deren Tod im Jahre 2010 glücklich verheiratet und wohnte lange Jahre gemeinsam im Hamburger Stadtteil Langenhorn, in dem Schmidt bis zu seinem Tod am Dienstag (10.11) lebte. Das Paar bekam gemeinsam zwei Kinder. Der erstgeborene Sohn Helmut Walter verstarb jedoch noch vor seinem ersten Geburtstag. Schmidts 1947 zweitgeborene Tochter Susanne wohnt und arbeitet in London.

Der berühmteste Raucher Deutschlands

Neben seinen Verdiensten als Politiker und seiner Liebe zu Loki war der SPD-Politiker wohl am besten für seine öffentlichen Auftritte als Kettenraucher bekannt. Schmidt, der mehr als 80 Jahre lang am Glimmstängel hing, weigerte sich strikt an öffentlichen Plätzen auf seine geliebte Zigarette zu verzichten und geht damit wohl als einer der berühmtesten Raucher in der Geschichte ein, dessen Kolumne in der "Zeit" auch deshalb "Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt" hieß. So war es Schmidt erlaubt unter anderem in der Hamburger Bürgerschaft zu rauchen und auch in Fernsehinterviews oder Talkshows war die Zigarette stets Schmidts treuer Begleiter.

Mit Rückblick auf sein Leben sagte Schmidt: "Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen. Ich liebte meine Stadt so wie ich es heute noch tue." In Hamburg sagt man tschüss ...

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