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Radio Hamburg

Misshandeltes Baby

Staatsanwaltschaft fordert 8 Jahre Haft

Hamburg, 25.11.2015
Gericht, Justiz, Gerechtigkeit

Die Staatsanwaltschaft fordert 8 Jahre Haft für den Vater des misshandelten Kindes aus Finkenwerder. 

Im Fall des misshandelten Babys aus Finkenwerder, welches schwerste Schäden davongezogen hat, fordert die Staatsanwaltschaft 8 Jahre Haft für den Vater. 

Alkoholisiert und aufgebracht durch einen Streit mit der mutter soll ein junger Vater in der Nacht zum 29. April 2015 das gemeinsame Baby schwer misshandelt haben. Die Staatsanwaltschaft forderte in dem Prozess um die schwere Misshandlung acht Jahre Haft für den angeklagten Vater. Die Vertreterin der Anklage beantragte am Dienstag (24.11.) vor dem Hamburger Landgericht zusätzlich, den Angeklagten innerhalb der Haftzeit für zwei Jahre in einer Alkoholentzugsklinik unterzubringen. 

Schmerzensgeld und monatliche Rente

Der 27-Jährige habe den drei Monate alten Säugling nach einem Streit mit der Mutter und viel Alkoholkonsum nachts aus seinem Bett genommen. Als der kleine Junge anfing zu weinen, habe er ihn so stark geschüttelt, dass das Baby schwerste Schäden erlitt. Zugunsten des Angeklagten wertete die Staatsanwältin das Teilgeständnis des Vaters und seine Reue. Die Vertreterin der Nebenklage forderte mindestens zehn Jahre Haft. Ferner solle der Angeklagte dem schwerstbehinderten Kind 250.000 Euro Schmerzensgeld und eine monatliche Rente zahlen, deren Höhe das Gericht festsetzen müsse. 

Baby musste reanimiert werden

Am Donnerstag (26.11.) will der Verteidiger sein Plädoyer halten, eventuell wird dann auch bereits das Urteil gesprochen. Sofort nach der Geburt des Kindes Anfang Februar 2015 sei das Jugendamt eingeschaltet worden, da sich die Eltern wenig kooperativ zeigten. Es habe einen unangekündigten besuch in der elterlichen Wohnung gegeben, danach folgten derartige Besuche ein Mal pro Woche. Eine Woche vor der Tat seien diese Besuche eingestellt worden, weil das Kind an Gewicht zugenommen hatte. Den 28. April verbrachten der Angeklagte und die 30 Jahre alte Mutter nach eigenen Angaben mit Spiele am Computer und Handy sowie Alkoholtrinken. Schließlich gerieten sie in Streit, das Kind sei weinerlich gewesen, ist jedoch am Abend eingeschlafen. Als der Angeklagte den Säugling nachts aus seinem Bett gehoben hatte und dieser erwachte, habe er ihm ein bis drei Schläge mit dem Handballen gegen den Hinterkopf gegeben und das Kind wieder ins Bett gelegt. Am Morgen habe er das Baby erneut hochgenommen und gemerkt, dass es zusammensackte. Daraufhin wählte er den Notruf und weckte seine Frau. Gemeinsam reanimierten sie das Kind auf Anweisung der Retter. Die lebensgefährlichen Verletzungen am Gehirn gehen nach Ansicht von Gutachtern nicht auf die Schläge zurück, vielmehr müsse das Baby heftig geschüttelt worden sein. Daran konnte sich der Angeklagte im Prozess nicht erinnern, wollte dem jedoch auch nicht widersprechen. 

"Es wird im Bett dahinvegetieren"

Das Kind wurde nach Angaben der Staatsanwältin in ein künstliches Koma versetzt und insgesamt sieben Mal operiert worden. Es ist blind, taub, hat spastische Lähmungen und bekommt täglich Anti-Schmerzmittel. "Es wird nie wieder in der Lage sein, sein Leben wirklich zu leben", sagte die Staatsanwältin. Die Rechtsanwältin, die das Opfer als Nebenankläger vertritt, schilderte den Zustand des Babys noch drastischer: "Es wird die nächsten Jahre in seinem Bett dahinvegetieren". Vergeblich hatte sie beantragt, das Gericht möge die Palliativstation aufsuchen, wo das Kind inzwischen liegt. Im Gegensatz zur Staatsanwältin nahm sie dem Angeklagten die gezeigte Reue nicht ab: "Für mich ist das ein taktisch geprägtes Aussageverhalten. 

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(dpa/pgo)

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