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Radio Hamburg

Flüchtlinge in Hamburg

Rainer Hirsch: Lieber "Hamburger Jung", ...

Hamburg, 07.09.2015
Flüchtlinge, Flüchtlingsdrama, Kinder, Krieg

Täglich kommen in Deutschland Tausende Flüchtlinge an.

Rainer Hirsch aus der Radio Hamburg Nachrichtenredaktion hat am Wochenende eine verstörende Email erhalten - liest hier seine Anwort dazu.

Gestern Nachmittag als es so heftig geregnet hat, habe ich meine Firmenmails gecheckt. Soll man ja eigentlich nicht machen wegen der seelischen Gesundheit. Aber manchmal tue ich das, dann entrümpele ich das Postfach und der Einstieg in die Woche ist Montagmorgen einfacher.

Gestern erreichte mich dabei die Mail eines mir unbekannten Herrn, der jedoch offenbar meine Mailadresse kennt. Als Absender hat er eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen angegeben, nicht mal zum Ende der Mail gibt’s eine Namensangabe, das „Mit freundlichen Grüßen“ (immerhin) endet sozusagen im Nichts.

Warum schreibe ich das? Weil der Herr, der sich als „Hamburger EinJung“ bezeichnet, sich über Radio Hamburgs Engagement für eine Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen bei mir beschwert. Meine Antwort an ihn möchte ich Euch hier zum Lesen geben - :

Lieber „Hamburger Jung“,

vielen Dank für Ihre E-Mail!  

Leider weiß ich gar nicht so genau, auf welche Programminhalte Sie sich bei ihrer Kritik und Ihren Beschimpfungen uns gegenüber beziehen. Vielleicht gefällt Ihnen unsere Berichterstattung über die Flüchtlingssituation in unseren Nachrichten nicht? Möglicherweise stören Sie sich aber auch an Äußerungen unserer Moderatoren, die für eine offene Aufnahme von Flüchtlingen plädieren.

Um Ihre drängendste Frage gleich zu beantworten: natürlich sind wir uns der im Zusammenhang mit der Flüchtlingszuwanderung bestehenden Probleme und Fragestellungen bewusst. Selbstredend ist die Unterbringung und Integration von in diesem Jahr vermutlich einer Million zu uns kommenden Menschen kein Selbstläufer. Die Hamburger Sozialbehörde ist mit den Bezirksämtern im Dauereinsatz, um – mit Blick auf den bevorstehenden Winter – geeignete Unterbringungsmöglichkeiten zu finden. Ja, das ist eine richtig große Nummer und das betrifft uns alle. Entweder weil wir ein Flüchtlingsheim in der Nähe haben, weil auch wir dafür Steuern zahlen oder weil wir im Alltag vielleicht im Supermarkt Flüchtlingen gegenüber stehen.

Nur, was bitte ist denn die Alternative? Die Menschen nach ihren Kriegserlebnissen, nach Erfahrungen körperlicher und seelischer Gewalt einfach nicht zu uns hereinlassen? Sollen wir uns wieder mit Grenzzaum umgeben, Soldaten an die Grenze stellen und die Flüchtlinge vertreiben lassen?

Das geht nicht. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass einst Deutsche im vergangenen Jahrhundert maßgeblich an zwei Kriegen beteiligt waren, „wir“ Millionen Menschen in die Flucht geschlagen und umgebracht haben, Leid über ganze Generationen Europäer gebracht haben, hat sich unsere Gesellschaft eine Verfassung gegeben, die das Asylrecht als maßgeblich für unser Werteverständnis betrachtet. Und demnach hat erst einmal jeder das Recht, dass sein persönliches Anliegen auf Schutz von uns geprüft wird. Einige Länder werden als „sicher“ bezeichnet, ihre Bewohner können hier per se kein Asyl bekommen.

Dass Sie das nicht so sehen, entnehme ich Ihrer Mail ganz deutlich. Eine (vielleicht auch nur aus humanistischen Gründen) existierende Verantwortung unsererseits scheinen Sie nicht zu akzeptieren. Sie schreiben, dass die Flüchtlinge schwer zu integrieren sind, dass sie „Streitigkeiten mit Messer und Gabel lösen“, dass ihre Mentalität nicht mit europäischen vergleichbar ist. Dass Sie kein Nazi sind, betonen Sie auch. Das will ich Ihnen auch gar nicht vorwerfen. Aber ich denke, Sie sind Rassist. Sie schreiben den Flüchtlingen und auch der Religion des Islam in Ihrer Mail Attribute zu, die ausschließlich negative Konnotationen haben.

Sie werfen uns in Ihrer Mail vor, keine vernünftige Diskussion über das Thema Zuwanderung zu führen. Sorry, wir thematisieren auch die Fallstricke der Zuwanderung und die Kritik in unserem Programm. Sie sind es, der in seiner Mail nur die negativen Aspekte anführt. Sie werfen uns „rosa-rote Asyl-Propaganda-Kacke“ und doch entnehme ich selbiges Ihrer Mail nur in braun.  

Ich möchte Ihnen die subjektiv empfundene Unsicherheit im eigenen Land wegen der hohen Flüchtlingszahlen gar nicht absprechen. Durch Negierung der nötigen Aufgaben (Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen) werden Sie dieses Gefühl jedoch nicht loswerden.

Ihrem Vorwurf, im „schönen Eppendorf“ zu wohnen, muss ich strikt widersprechen. Ich lebe in Harburg, einem Stadtteil mit erheblichem moslemischem Bevölkerungsanteil und auch einer hohen Zahl von Flüchtlingen um mich herum. Im persönlichen Kontakt habe ich sie bisher immer als freundlich empfunden. Vielleicht liegt es an meinen vielen Reisen in entfernte Regionen, aber dunkelhäutige Menschen machen mir keine Angst, ich erfreue mich bestenfalls an ihrer optischen Andersartigkeit und ihrer mich vielleicht auch inspirierenden Kultur. Ganz ehrlich, auch mich befremdet es manchmal, so viele Burka-Trägerinnen in Harburg zu erleben. Die Idee, sich verstecken zu müssen, nicht offen der Welt gegenübertreten zu können, finde ich beängstigend. Und trotzdem sind diese Frauen doch keine schlechten Menschen. Sie teilen nur nicht meine Vorstellungen. Das müssen sie auch nicht, solange sie meine Freiheit nicht einschränken, wir sind ja schließlich keine Diktatur.

Lieber Hamburger Jung, als „feige Hunde“ beschimpfen Sie uns bei Radio Hamburg und werfen uns vor, „dass wir uns eingeschissen haben“, weil wir nicht Ihrer Meinung entsprechend über den NSA-Skandal berichtet haben.

Manchmal denke ich: schade eigentlich, dass Deutschland die Staatsangehörigkeit nicht entziehen kann. Aber das steht auch im Grundgesetz. Einen Artikel vor dem Kram mit dem Asyl. Und das ist auch gut so. Siehe oben!

Beste Grüße

Wer von Euch engagiert sich in der Flüchtlingshilfe und welche Erfahrungen macht Ihr dort? Freue mich auf Eure Kommentare!

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