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Radio Hamburg

Wissen, wo's weht

Hamburg baut gegen den Wind an

Hamburg, 08.02.2018
Wind in derStadt

Hamburger Forscher wollen jetzt mit einem Rechenmodell gegen den Wind anbauen.

Klimaforscher haben jetzt aber herausgefunden, dass es nicht an jeder Ecke so zugig sein müsste. Stadtplaner sollen künftig genau wissen, wie sie Böen befördern oder bremsen können.

Mit einem Rechenmodell aus Millionen Messdaten wollen Klimaforscher künftig den Einfluss des Städtebaus auf die Windverhältnisse genau vorhersagen können. Das Modell werde erlauben, den Einfluss von Gebäuden auf Windstärke, die Temperatur oder die Menge an Luftschadstoffen in unmittelbarer Nähe genau zu bestimmen, erklärte Prof. Felix Ament vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg am Mittwoch.

"Das ist so, als ob man in einen Bach Steine reinlegt und Stromschnellen entstehen", sagte der Meteorologe über die Wirkung von Bauten auf die Windverhältnisse. Das Modell soll in anderthalb Jahren fertig sein und für Stadtplaner kostenfrei zur Verfügung stehen.  Ingenieure und Architekten arbeiteten bislang mit sehr grobmaschigen Analysen, das neue Rechenprogramm solle auch Gebäudeteile ganz genau erfassen. "Wir können dann sagen, an welcher Ecke ein Straßencafé gut aufgehoben ist oder welchen Windeffekt ein achtstöckiger Neubau auf Fußgänger hätte", sagte Aments Kollegin Sarah Wiesner. Ob es sich lohnt, den Ort mit Bäumen oder Hecken zu schützen, könne das Modell ebenfalls zeigen.

Derzeit läuft eine dritte Messserie an der Hafencity-Universität, wobei die Forscher neben sechs Messstationen in Bodennähe und einem 30-Meter-Mast am Hafen auch einen kleinen Fesselballon der TU Dresden einsetzen. Im Rahmen des vom Bundesforschungsministeriums geförderten Projekts "Stadtklima im Wandel" wird zudem die Temperatur und Feinstaubbelastung in Berlin und Stuttgart gemessen.

Unglaublich starke Kräfte

Hamburg sei eine ziemlich windige Stadt, sagte Ament. Dafür sei die Schadstoffbelastung aber auch nicht so massiv wie in Stuttgart. Die Elbe bilde ein Einfallstor für den Wind, die städtische Bebauung wirke wie eine Schutzglocke, die allerdings nicht perfekt funktioniere. Ament und Kollegen fanden heraus, dass am Stadtrand der Wind zwar stärker weht, die Böen jedoch nur etwa um 65 Prozent schneller sind als der Durchschnittswind. Das zeige eine Messstation in Billwerder. Am Ausgang der U-Bahnstation Hafencity Universität seien die Böen dagegen um 130 Prozent kräftiger als die durchschnittliche Windgeschwindigkeit. "Auf einen Fußgänger mit Regenschirm wirken dann extreme Kräfte, denn der Winddruck steigt mit
dem Quadrat der Windgeschwindigkeit", erläuterte Wiesner.

An den extremen Böen könnte die neue Universität selbst schuld sein. Messdaten wiesen darauf hin, dass der Wind womöglich weniger pfeifen würde, wenn die Planer auf den nordöstlichen Zipfel des Gebäudes verzichtet hätten. So sei die Station Hafencity Universität der U-Bahnhof mit dem vielleicht größten Böen-Risiko in Deutschland, erklärte Wiesner. Jedoch sind Böen mit mehr als 40 Kilometer pro Stunde in der Hamburger Innenstadt generell häufig.

Den wissenschaftlichen Wert ihrer Arbeit sehen Ament und sein Dresdner Kollege Ronald Queck vor allem in der Fähigkeit, künftig die Verteilung von Abgasen und Feinstaub genauer vorhersagen zu können. Sie kooperieren in diesem Punkt auch mit der Hamburger Feuerwehr, die mit dem Modell CT-Analyst arbeitet, um die Ausbreitung von gefährlichen Stoffen nach einem größeren Störfall zu berechnen.

(dpa/aba)