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Radio Hamburg

Ralf Güldner zu Kernenergie

E.ON-Chef im Interview

Ralf Güldner E.ON Geschäftsführung

Ralf Güldner von E.ON im Interview mit Radio Hamburg und Oldie 95.

Nach Vattenfall stellt sich jetzt auch E.ON Ihren und unseren Fragen zum Thema Atomstrom.

Ralf Güldner von E.ON im Interview Teil 2

Hannover - Seit dem Erdbeben in Japan und den dadurch beschädigten Atomkraftwerken ist bei uns in Deutschland eine Debatte über Atomenergie entbrannt. Radio Hamburg und Oldie 95 haben ohne Nachlass die Betreiber der Hamburg nahen Kernkraftwerke Brokdorf, Brunsbüttel und Krümmel zum Interview eingeladen. Nachdem es ohne Ende Absagen oder Ignoranz gehagelt hat, hat sich Dienstag (05.04.2011) schon Pieter Wasmuth, der Generalbevollmächtigte der Vattenfall Europe AG für Hamburg und Norddeutschland, einem Interview bei uns gestellt. Jetzt zieht E.ON nach! Unser Nachrichten-Anchor Rainer Hirsch hat Ralf Güldner aus der E.ON-Geschäftsführung in Hannover interviewt.

Hier lesen Sie Auszüge aus dem Interview noch einmal nach.

Warum hat's so lange gedauert bis Sie mit uns geredet haben?

"Ich kann das so nicht nachvollziehen, ob es wirklich lange war, weil ich habe seit Japan einen Medien-Marathon absolviert. Ich bin auch Präsident des deutschen Atomforums und daher immer in Talkshows und im Fernsehen unterwegs gewesen. Die Anfrage von Radio Hamburg ist Dienstag bei mir angekommen und heute haben wir Donnerstag."

Wie stehen Sie zum Moratorium Bundesregierung als Betreiber und als Cheflobbyist?

"Mit großer Besorgnis habe ich die Ereignisse in Japan gesehen und wir haben verfolgt, was die Kollegen in den japanischen Anlagen machen. Die Bundesregierung hat sehr schnell politisch gehandelt. Schneller als viele andere europäische Staaten. Es wird jetzt auch von einem Stresstest gesprochen, der ab Juli in die Überprüfung geht."

Ist das Moratorium Ihrer Meinung nach richtig?

"Man kann darüber diskutieren, ob es wirklich eine Veränderung der Sicherheitslage in Deutschland gibt. Kurz vorher haben wir noch gesagt, unsere AKWs sind sicher. Man kann diskutieren, ob man das sofortige Abschalten hätte verfügen müssen. Ich verstehe das aber."

Gehen Sie mit Umweltminister Röttgen genauso diplomatisch um wie mit uns?

"Wir gehen mit der Politik vernünftig um und diskutieren, wenn wir die Möglichkeit dazu haben. Mein Unternehmen hat ganz deutlich gesagt: Wir wollen in den Dialog mit der Regierung, wir haben nicht geklagt. Das ist ein gutes Zeichen, wir wollen konstruktiv zusammenarbeiten mit der Regierung. Wir müssen unsere AKW auf den Prüfstand stellen, können wir aus Japan etwas lernen. Wir dürfen nicht sagen: Der nächste Tsunami kommt nicht aus Europa. Wir müssen uns fragen: Wie sind wir gerüstet? Wir stellen uns jeder Überprüfung und es gibt ja auch einen Kriterienkatalog, den werden wir sehr sorgfältig abarbeiten. War es wirklich notwendig, die Anlagen vom Netz zu nehmen? Aber da haben wir Verständnis und können das verstehen."

RWE klagt gegen Biblis A. Haben Sie dafür Verständnis?

Das ist eine schwierige juristische Situation. Wir klagen nicht, RWE ist zu einer anderen Entscheidung gekommen.

Warum hat die Atomlobby nicht gegen die Laufzeitenverlängerung geklagt, denn sie hatten ja vorher mit Rot-Grün die Laufzeitverkürzung beschlossen?

"Naja, die jetzige Bundesregierung hat ja schon als sie noch in der Opposition war gesagt, dass sie darüber noch mal nachdenken möchte. Und das Energiekonzept, dass im Herbst vorgelegt wurde und in der die Kernenergie noch eine Rolle spielt, war sehr vernünftig, denn mit Kernenergie wird kein CO2 ausgestoßen. Kernenergie ist im Bereich der niedrigen Kosten und bedeutet die Stromkosten auf einem niedrigen Niveau zu halten und es reduziert den Import von Energien. Wir brauchen grundlastfähigen Strom. Die Alternative ist nicht Wasser und Sonne, sondern Gas. Es war ein ausgewogener Ansatz: Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Grundversorgung zu gewährleisten. Wir müssen auch immer erklären, was sind Auswirkung auf den Strompreis oder die Auslastung. Und wir müssen vor allem den Bürgern an der niedersächsischen Küste sagen, welche Auswirkungen Offshore Parks haben. Wir importieren momentan nach der Abschaltung von sieben AKW 3.000 Megawatt aus Frankreich und 2.000 Megawatt aus Tschechien."

Und Güldner weiter:

"Die Laufzeitverlängerung hat zwei Seiten: Das bedeutet acht Jahre länger für ältere, 14 Jahre für jüngeren AKW am Netz, aber es hat aber auch einen Vorteilsausgleich gegeben. Da wurde festgelegt, dass wir mindestens 2/3 aus den Gewinnen in dieser Zeit in erneuerbare Energien setzen müssen. In den Fond für erneuerbare Energien hätten wir im Lauf der Zweit ca. 20 Millionen Euro eingezahlt. Wenn es jetzt wieder zur Verkürzung kommt, wird der Beitrag wieder einschmelzen. Und das ist ein Beitrag in die Forschung zu erneuerbaren Energien zu verstärkt und voranzutreiben und das ist auch ein Aspekt, der der Bundesregierung am Herzen lag. Wir haben in diesem Jahr begonnen, in diesen Fonds einzuzahlen, obwohl wir noch gar keinen Strom aus der Laufzeitverlängerung erzeugt haben."

Stimmt das Gerücht, dass ein AKW 1 Million Euro Gewinn am Tag macht?

"Den Gewinn können Sie aus mir nicht raus locken. Es geht hier ja auch um Abschreibungen. Bei neuen AKW gibt es geringeren Gewinn. Ältere AKW sind profitabler, ja, aber wir investieren ja auch in die Sicherheit und den Schutz älterer AKW. Das muss man immer gegenrechnen."

Ab wann ist ein AKW für Sie profitabel?

"Die Investitionen muss man sehen, die Abschreibungen und dann die Strommengen verrechnen. Bei einem Neubau geht man davon aus, dass sich eine Anlage bei einem Neubau nach ca. 30 Jahre amortisiert. Aber da muss man dann auch Sicherheitsmaßnahmen wieder vornehmen, erneuern und bei einem AKW rechnet man 60 Jahre Laufzeit. Zum Beispiel kostet der Rückbau in Stade 700 bis 800 Millionen Euro."

Wie sicher sind Meiler rund um Hamburg?

"Jede Anlage in Deutschland ist gegen das sogenannte 10.000-jährige Erdbeben und das 1.000-jährge Hochwasser ausgelegt (statistische Hochrechnungen, Anm. de. Red.).Wir sind hier auf der sicheren Seite, so dass wir davon ausgehen können, dass alle AKW Erdbeben bei uns standhalten können.

Das hat auch Japan gedacht...

Ja, aber sie haben auch ausreichend reagiert, die Anlagen waren in einem kontrollierten Zustand, aber dann kam der Tsunami und die Schäden sind nicht durch das Erdbeben verursacht worden, sondern durch den Tsunami.

Und hier in Hamburg?

"Die Nachrüstung gegen höheres Hochwasser ist immer möglich. Das wird vorher aber eingehend geprüft."

Wenn ihre 1.000-jährige oder 10.000-jährige Statistik für Hochwasser und Erdbeben nicht greift, sondern es schlimmer kommt, was machen wir dann?

"Ein Tsunami dieser Größenordnung ist in Japan nicht so selten und wenn dort unsere Philosophie angewandt worden wäre, dann hätte die Anlage dem Tsunami standgehalten."

Flugzeugabstürze - wie schützen sie Ihre AKW?

"Alle unsere Anlagen haben eine gewisse Sicherung gegen Flugzeugabsturz. Die Reaktor- Sicherheits-Kommission hat diesen Schutz gefordert. In der Regel hat man den stärksten Einfluss einer Militärmaschine unterstellt und dann das Triebwerk als größtes Problem ausgemacht. Dagegen sind die Anlagen ausgelegt. Der Absturz einer Zivilmaschine war ins Restrisiko genommen worden. Ob der Schaden einer Zivilmaschine größer ist, darüber kann man diskutieren. Wir haben das diskutiert nach dem 11. September. Es sind einige Maßnahmen getroffen worden, darüber kann ich aber in der Öffentlichkeit nicht reden. Das war eine Übereinkunft der Bundesregierung und diese Aussagen haben Gültigkeit."

Nach statistischen Wahrscheinlichkeiten erfüllen Sie die Sicherheit. Was ist aber mit dem Restrisiko von Menschenhand?

"Wenn man das Japan-Ereignis nimmt, dann sieht man, dass die Natur auf das Einfluss nimmt, was wir als Menschen gemacht haben. Wir müssen uns auf die Natur einlassen. Das haben wir hier in Deutschland getan. Dann gibt es Sachen, die sind ins Restrisiko gegangen. Erdbeben, Hochwasser, Windlasten - dagegen sind die Anlagen ausgerüstet und nicht nur der nukleare Teil, sondern auch die Notstromversorgung. Man muss immer die Staffelung der Sicherheitsmaßnahmen sehen. Wir haben vierfach redundante, zum Teil verbunkerte Notstromanlagen und damit Notstrom für 72 Stunden zur Verfügungen, wenn wir ihn denn wirklich brauchen, das muss man ja auch sagen. Innerhalb von 72 Stunden müssen wir neuen Diesel an die Anlagen bringen. Wir haben unterschiedliche Notstromdiesel-Quellen, damit ein anderes Aggregat immer zur Verfügung steht. Wir haben Einspeisungen durch andere Stromnetze. Das ganze System an gestaffelten Sicherheitsmaßnahmen muss gesehen werden und das ist das, was die Bundesregierung untersuchen lassen will. Wir haben gerade gestern den Maßnahmenkatalog bekommen."

Gegen wen klagen eigentlich die Bürger, wenn es doch zum GAU kommt?

"Erst mal würde ich weiterhin davon ausgehen, und ich lebe mit meiner Familie auch in der Nähe solcher Anlagen, dass ein solches Szenario nicht auftritt. Wir haben eine Deckungsvorsorge - ich glaube es geht bis 2,5 Milliarden Euro, aber die genaue Zahl weiß ich jetzt leider nicht -  und die würden zur Verfügung stehen. Aber nochmal, es ist meine Überzeugung, dass wir solche Ereignisse in Deutschland ausschließen können."

Ist das nicht eine marginale Versicherungssumme, in Japan wird der Schaden auf 5 Billionen geschätzt. Wird der Schaden aus der Portokasse des Staates gezahlt?

Da müssen wir erst mal abwarten, was in Fukushima passiert, wenn die Anlagen unter Kontrolle sind. Wir haben hohe nicht unwidersprüchliche Zahlen zu Strahlung und eben auch zu den Kosten, die durch die Schäden verursacht worden sind.

Wir kenne doch aber auch die Situation aus Tschernobyl...

"Tschernobyl war eine ganz andere Technologie. In Japan kann man ja jetzt noch Systeme zur Kühlung in Betrieb nehmen. In Tschernobyl gab es ja einen offen liegenden Kern, Japan ist viel robuster. In Tschernobyl. hat's ja gebrannt und deshalb ist die Strahlung ja in die Umwelt gelangt, so dass wir es sogar bei uns gemerkt haben."

Der TÜV Süd, der unter anderem für die Sicherheitsprüfung der AKW zuständig ist, wird aktienmehrheitlich von Kernkraftwerken gehalten. Warum haben sie sich an einem Gremium beteiligt, dass sie selbst kontrollieren sollten?

"Die Frage kann ich nachvollziehen, das wusste ich aber bis vor kurzem auch nicht. Es gibt auch die TÜVs in den Ländern, die Shareholder Funktion kenne ich nicht. Die werden ja nicht in unserem Auftrag tätig, sondern im Auftrag der Aufsichtsbehörden. Und die Mitarbeiter des TÜV habe ich bis jetzt als sehr kompetent kennengelernt."

Wann können wir die alten Meiler abschalte. Ist 2015 möglich?

"2015 habe ich noch nicht in seriösen Studien gehört. Wenn wir den Zeitraum verkürzen wollen, müssen wir massiv in erneuerbare Energien investieren. Das kann dann aber nicht Gas oder Kohle sein wegen des CO2 Verbrauchs. Wenn wir Klimaschutz wollen dann sind die regenerativen Energien wichtig: Windenergie und Photovoltaik. Die Windenergie wird langsam wirtschaftlich, wenn wir Offshore gehen. Da geben wir Milliardenbeiträge aus. Aber die stehen dann in der Nordsee, aber dann geht es um die Verteilung des Stroms. Und bei Biomasse: Wieviel Ackerfläche wollen wir denn nutzen, um das umzusetzen. Photovoltaik geht nur bei Sonnenschein, Offshore nur mit Wind und Speichermöglichkeiten müssen auch geschaffen werden. Und hier reden wir über dreistellige Milliardenbeträge, um das umzusetzen. Und die Planstellungsenehmigungsverfahren dauern genau so lange wie zum Bau eines AKW. Wollen wir Blackouts, können wir die Stromversorgung flächendeckend gewählreisten, wollen wir vielleicht auch mehr bezahlen, wollen wir uns von anderen europäischen Ländern abhängig machen? Das müssen wir alles vorher klären? Ich bin sicher, wir müssen noch bis 2025 auf Kernenergie setzen, um mit anderen Energien wettbewerbsfähig zu sein und zu werden."

Aber wir exportieren ja auch?

"Wir haben im vergangenen Jahr 2-3 Prozent exportiert, aber auch viel importiert. Importe aus Frankreich und Tschechien haben wir intensiviert, Export in die Niederlande sind auf Null gegangen. Wenn wir lokal etwas verändern, dann drehen wir an der Schraube der Wettbewerbsfähigkeit. Wir müssen der Bevölkerung sagen, was die Konsequenzen sind, wenn wir schneller austeigen wollen. Es geht nicht zum Nulltarif!"

Die wichtigsten Auszüge des Interviews zum Nachhören:

Ralf Güldner von E.ON im Interview Teil 1

Ralf Güldner von E.ON im Interview Teil 2

Ralf Güldner von E.ON im Interview Teil 3

Ralf Güldner von E.ON im Interview Teil 4