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Radio Hamburg

In der Silvesternacht

Sexuelle Übergriffe von Männergruppen auf Frauen

Hamburg, 05.01.2016
Reeperbahn, Kiez, Große Freiheit, St. Pauli, Symbolbild

Auf St. Pauli kam es in der Silvesternacht zu sexuellen Übergriffen von Männergruppen auf Frauen.

In Hamburg sind in der Silvesternacht auf dem Kiez mehrere Frauen von einer Männergruppe sexuell belästigt und ausgeraubt worden.

Der Polizei liegen sechs Anzeigen vor. Die Aussagen der 18- bis 24-jährigen Opfer sind vage. Sie sprechen von sechs, teilweise aber auch von 20 Tätern, die südländisch ausgesehen haben sollen. Passiert sind die Übergriffe im Gedränge auf dem Kiez. 

Polizei sucht Geschädigte und Zeugen

Die Hamburger Polizei bittet weitere Geschädigte und Zeugen, sich bei ihr zu melden. Die Ermittler benötigen aufgrund der bislang nur vagen Personenbeschreibungen dringend weitere Zeugen. Auch Fotos und Videos aus dem Bereich Große Freiheit/ Beatlesplatz sind für die Polizei interessant. Das Bildmaterial sollte in der Zeit von 00:30 bis etwa 02:00 entstanden sein und größere Personengruppen mit mehreren Männern zeigen. 

Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle oder die Verbindungsstelle im Landeskriminalamt unter der Rufnummer 040/ 42 86 56 789 entgegen.

Zusammenarbeit mit Kölner Polizei

Unsere Nachrichtenredaktion hat mit Jörg Schröder von der Hamburger Polizei gesprochen. Nach seiner Aussage seien die Hamburger Polizisten mit den Kölner Kollegen in Kontakt. Sie prüften nun, inwiefern die Vorfälle zusammenpassen könnten, und ob hier ein neuer Modus operandi vorliege. Jörg Schröder wies auch daraufhin, dass das sogenannte "Antanzen" eine Masche des Taschendiebstahls sei. Ob das auch eine Rolle gespielt haben könnte, werde derzeit von der Polizei untersucht. Fälle dieser Art und Weise, vor allem in dieser Häufung, seien der Polizei bisher nicht bekannt, so Jörg Schröder im Gespräch mit der Nachrichtenredaktion.

CDU fordert hartes Vorgehen

Nach der Serie von sexuellen Übergriffen auf junge Frauen in der Silvesternacht fordert die CDU in der Hamburger Bürgerschaft ein hartes Vorgehen gegen die Täter. "Gegenüber solch widerlichen Straftaten darf es keinerlei Toleranz geben, unabhängig davon, wer sie begeht", erklärte am Dienstag (05.01.) der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dennis Gladiator. Sollte es sich bestätigen, dass es sich bei den Tätern um Ausländer handele, müsse das Aufenthaltsrecht verschärft werden. Die Christdemokraten fordern, dass Flüchtlinge bei jeglicher Verurteilung zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe abgeschoben werden können, und nicht erst ab einer Strafe von drei Jahren.

In der Silvesternacht sollen laut Polizei an der Reeperbahn Frauen von jeweils bis zu 20 Männern umringt und sexuell belästigt worden sein. Zugleich hätten ihnen die Täter Handys, Papiere und Geld weggenommen. Bis Dienstagabend (05.01.) wurden 27 Fälle angezeigt - dabei geht es um sexuelle Belästigung und / oder Diebstahl.

Frauen umzingelt und bedrängt

In Köln hatten sich am Silvesterabend laut Polizei etwa 1.000 Männer auf dem Kölner Bahnhof versammelt, die "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammen. Dies hätten alle Zeugen übereinstimmend ausgesagt. Ähnlich hatten sich die Polizei und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Pressemitteilungen geäußert. Aus der Menge bildeten sich demnach Gruppen von mehreren Männern, die Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt haben sollen.

Polizeipräsident Wolfgang Albers sprach am Montag von Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung. Die Zahl der Anzeigen ist mittlerweile auf 90 gestiegen.

Krisentreffen in Köln

Nach Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof hat Oberbürgermeisterin Henriette Reker für diesen Dienstag (5.01) ein Krisentreffen angesetzt. Daran sollen unter anderem die Kölner Polizei, die Bundespolizei und Stadtdirektor Guido Kahlen teilnehmen, wie eine Stadtsprecherin sagte.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) reagierte scharf auf die Ereignisse. "Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen", zitierten der Kölner "Express" und der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstag) den Minister. "Deshalb ist es notwendig, dass die Kölner Polizei konsequent ermittelt und zur Abschreckung Präsenz zeigt."

Die FDP-Landtagsfraktion forderte am Montag, dass Minister Jäger im Innenausschuss Ende Januar Rede und Antwort zu den Übergriffen stehen müsse. "Wenn es selbst mit einem aufgrund der Silvesternacht bereits verstärkten Aufgebot an Einsatzkräften der Polizei nicht mehr gelingt, Straftaten mit Nachdruck zu unterbinden und Täter unverzüglich festzusetzen, gerät unser Rechtsstaat ins Wanken", sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Marc Lürbke, laut Mitteilung.

Videoüberwachung ausweiten?

Reker bezeichnete die Vorfälle im "Kölner Stadt-Anzeiger" als "ungeheuerlich". Es könne nicht sein, dass Besucher, die nach Köln kämen, Angst haben müssten, überfallen zu werden. "Wir können nicht tolerieren, dass hier ein rechtsfreier Raum entsteht", sagte die parteilose Politikerin der Zeitung. Polizei und Bundespolizei seien "dringend gefordert". Es müssten Schritte unternommen werden, um "insbesondere Frauen vor solchen Übergriffen zu schützen". Möglicherweise müsse man auch die Video-Überwachung im Hauptbahnhof ausweiten.

Erst im Laufe der Silvesternacht und in den Folgetagen war das Ausmaß der Gewalt deutlich geworden, die von der Gruppe ausgegangen sein soll. Nach Polizei-Angaben sollen alle Einsatzkräfte, die zur Verfügung waren, vor Ort gewesen sein. Doch die Beamten hatten anscheinend nichts von den sexuellen Übergriffen und Diebstählen gemerkt.

"Organisiertes Verbrechen"

Als zwischen 1.00 und 1.30 Uhr bei der Kölner Polizei und Bundespolizei die ersten Anzeigen erstattet wurden, habe die Polizei von dem "massiven Vorgehen" erfahren, sagte der NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, der Deutschen Presse-Agentur. Die Vorfälle hätten eine neue Qualität. "Das ist im Prinzip ein organisiertes Vorgehen, was wir da festgestellt haben", sagte Plickert. Es müsse ermittelt werden, wie es eigentlich möglich gewesen sei, "dass diese Tausend nach Köln gekommen sind und sich da getroffen haben".

(dpa/mgä/rh)

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