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Radio Hamburg

Am 28. Februar

Kohlekraftwerk Moorburg geht ans Netz

Hamburg, 23.02.2015
Kohlekraftwerk Moorburg, Vattenfall

Das Kohlekraftwerk in Moorburg wird voraussichtlich am 28. Februar ans Netz gehen.

Das umstrittene Kraftwerk Moorburg nimmt die kommerzielle Stromerzeugung auf.

Der Streit währte über Jahre, brachte beinahe eine Landesregierung zum Straucheln, die Kosten stiegen auf rund drei Milliarden Euro und bis heute ist der Nutzen umstritten. Dennoch geht das ungeliebte Steinkohlekraftwerk Hamburg-Moorburg nun ans Netz.

Das Kraftwerk, das keiner so richtig will

Da steht es nun - und produziert Strom. Richtig glücklich scheint aber niemand über die offizielle Inbetriebnahme des ersten Blocks von einem der größten Steinkohlekraftwerke Europas zu sein. Betreiber Vattenfall nicht, weil sich das Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg angesichts von rund drei Milliarden Euro Baukosten wirtschaftlich wohl kaum betreiben lässt. Die Politik nicht, weil Kohlekraftwerke im Allgemeinen und in dieser Dimension im Speziellen in Zeiten der Energiewende nicht mehr in die Landschaft passen.

Und doch geht der erste Block des Kraftwerks mit insgesamt 1.654 Megawatt Leistung voraussichtlich am Wochenende (28.02.) offiziell ans Netz. Es bleibt dem schwedischen Energiekonzern aber auch kaum etwas anders übrig, will er nicht seinen über Jahre vor Gerichten und in der Politik ausgefochtenen Kampf um das Großkraftwerk nachträglich aufgeben und von Anfang an eine Industrieruine hinterlassen.

Eigentlich wollte Vattenfall 2004 zwei kleinere Kohlekraftwerke bauen, eins in Moorburg, eins im sächsischen Boxberg. In Hamburg sollte so ein in die Jahre gekommenes Wärmekraftwerk in Wedel ersetzt werden. Die Pläne änderten sich jedoch, als Vattenfall und Europas größte Kupferhütte Aurubis ihren Streit um die Energieversorgung beigelegt hatten - und Hamburgs damaliger Bürgermeister Ole von Beust mit seiner CDU-Alleinregierung eine Verdoppelung der Kraftwerksleistung nicht nur befürwortete, sondern 2007 auch noch einen vorzeitigen Baubeginn zuließ.

"CO2-Monster"

Für die Politik ein Fanal: Denn als 2008 Deutschlands erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene die Arbeit aufnahm, war es ausgerechnet die Grünen-Umweltsenatorin Anja Hajduk, die das "CO2-Monster" aus juristischen Gründen genehmigen musste - und damit Partei und Koalition in eine ernste Krise führte. Schließlich waren die Grünen mit "Kohle von Beust"-Plakaten und dem Versprechen in den Wahlkampf gezogen, dass es mit ihnen kein Kohlekraftwerk geben wird. Hajduk, inzwischen wieder Bundestagsabgeordnete, wurmt die damalige Entscheidung noch heute: "Ich halte das Kraftwerk immer noch aus politischen, ökologischen und im übrigen auch wirtschaftlichen Gründen für nicht überzeugend und schon gar nicht nachhaltig." Denn selbst wenn der Wirkungsgrad des Kraftwerks laut Vattenfall mit 46,5 Prozent über dem deutschen Durchschnitt von 38 Prozent liegt, produziert Moorburg bei voller Auslastung dennoch 8,5 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr. Hajduk ist überzeugt: "Mit der Inbetriebnahme eines Kohlekraftwerks hinkt Vattenfall den Zeichen der Zeit hinterher." Die Zukunft gehöre den erneuerbaren Energien.

Insgesamt lief das Projekt alles andere als im Sinne Vattenfalls. Denn statt wie geplant 2012 mit dem Bau fertig zu sein und dafür nicht mehr als rund 1,7 Milliarden Euro ausgegeben zu haben, entwickelte sich das Kohlekraftwerk auch durch Hajduks kräftige Mithilfe zu einem politischen und juristischen Dauerstreit bis zum Bundesverwaltungsgericht. Möglicherweise wird es sogar noch ein Fall für den Europäischen Gerichtshof. Und auch die Öffentlichkeit war nicht begeistert, was aber auch daran gelegen haben mag, dass sich Vattenfall auf einem ganz anderen Feld, nämlich durch sein zugeknöpftes Verhalten bei Pannen in den nahe gelegenen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel kaum Freunde gemacht hatte.

Darum wurde gestritten

Die Streitthemen beim Kraftwerk Moorburg waren vielfältig, mal ging es um Fischtreppen, mal um Kühltürme. Öffentlichkeitswirksam war vor allem die Auseinandersetzung um eine Fernwärmeleitung durch Altona. Vattenfall wollte seine Heizrohre mitten durch einen Park führen und 400 Bäume fällen. Auch wenn der Konzern versprach, 1200 neue Bäume zu pflanzen, waren die Proteste groß.

Für Vattenfall bedeutete dies jedoch nicht nur hohe Mehrkosten etwa für Kühltürme, sondern mangels Fernwärme auch noch deutlich weniger Einnahmen. Der Konzern gibt sich dennoch tapfer. So sagt Hamburg-Chef Pieter Wasmuth: "Die Erlöse aus dem Stromverkauf sind höher als die Kosten der Stromerzeugung" - was BUND-Chef Braasch nicht überzeugt: "Alle wichtigen Parameter - von der fehlenden, ursprünglich geplanten Auskopplung von Fernwärme bis hin zu den heutigen Umbrüchen am Strommarkt - sprechen gegen einen profitablen Betrieb der Anlage."

Scholz hält sich bedeckt

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) scheint das Thema eher unangenehm. Zumindest lässt er ausrichten, dass er dazu nichts sagen will. Bleibt also nur ein Rückblick auf das Jahr 2011. Damals sagte Scholz auf einer Vattenfall-Mitarbeiterversammlung vor rund 2.500 Beschäftigten: "Ein CDU-Bürgermeister hat es initiiert, eine grüne Senatorin hat es genehmigt und ein SPD-Bürgermeister wird es einweihen."

(dpa/aba)

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