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Flughafen, Bahn, Straßen

Droht Hamburg zu Olympia der Verkehrskollaps?

Hamburg, 11.11.2015
Olympia

Hamburg erwartet während der Olympischen Sommerspiele 2024 bis zu 4 Millionen Besucher - kann die Stadt diese Massen von A nach B bringen?

Am Dienstag (10.11) haben die Olympiaplaner ihr Mobilitätskonzept für die Olympischen Spiele 2024 präsentiert. Bis zu 4 Millionen Besucher werden bei den Spielen erwartet.

Im Falle eines erfolgreichen Olympiareferendums Ende November 2015 und einer darauffolgenden siegreichen Olympiabewerbung hat die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation am Dienstag (10.11) ihren 700-Seiten starken Plan vorgelegt, wie während der Sommerspiele 2014 der Verkehr durch Hamburg rollen soll. Das Mobilitätskonzept zur Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele geht von etwa vier Millionen Zuschauern während des Sportereignisses aus und verfolgt primär das Hauptkonzept der "kurzen Wege" und hat darüber hinaus das Ziel alle Besucher, Sportler und Hamburger "zuverlässig und in angemessener Zeit", barrierefrei und umweltfreundlich von A nach B zu bringen.

Vier Millionen Besucher

Erdacht wurde der Verkehrsplan unter der Federführung von Verkehrssenator Frank Horchs Behörde in enger Zusammenarbeit mit externen Planungsbüros, der Innenbehörde, der Hamburg Port Authority, Hochbahn, HVV, Deutscher Bahn und dem Hamburger Airport. Von den geschätzten vier Millionen Besuchern sollen 60 Prozent aus Norddeutschland, 30 Prozent aus dem Rest Deutschlands und 10 Prozent aus dem Ausland kommen. Die Planer gehen davon aus, dass täglich bis zu 600.000 Zuschauer zu den Olympischen Sportstätten in Hamburg und im Umland pilgern werden. Allein die drei Sportstättenschwerpunkte OlympiaCity auf dem Kleinen Grasbrook, Volkspark und Messe/CCH/Millerntor werden täglich von 300.000 bis 400.000 Zuschauern besucht werden, so das Konzept.

Erstickt Hamburg im Verkehr?

Angesichts dieser gigantischen Zahlen, müssen sich die Logistiker natürlich die Frage gefallen lassen, wie Hamburg angesichts bereits jetzt chronisch verstopfter Straßen und voller öffentlicher Verkehrsmittel täglich rund eine halbe Million Besucher und zusätzlich 300.000 Mitarbeiter, Freiwillige, Sportler und Journalisten durch die Hansestadt lotsen will. "Die Hamburger wie auch die Hafenwirtschaft und alle anderen Unternehmen haben das Recht, dass während der Spiele natürlich der ganz normale Alltag funktioniert. Dafür werden wir mit sehr sorgfältiger Vorbereitung sorgen", beteuert Politiker Horch (parteilos) bei der Präsentation am Dienstag. Der Großteil der Zuschauer, Besucher, Pressevertreter und Co. soll während der Spiele mit dem HVV zu den Sportstätten kommen. Knapp 80 Prozent sollen den öffentlichen Nahverkehr nutzen, 6 Prozent das Rad und 7 Prozent sollen die sportlichen Veranstaltungen sogar zu Fuß erreichen. Von lediglich 2 Prozent mehr Autoverkehr gehen die Logistiker während der Spiele aus.

Olympia, Verkehrskonzept

Massive Investitionen in die Infrastruktur

Horch räumte ein, dass die Bewältigung der Massen in der Tat eine Herkulesaufgabe sei, zeigte sich aber überzeugt, dass Hamburg den Besucheransturm bewältigen könne. Möglich ist dies laut der Planer nur durch enorme Investitionen in die Hamburger Infrastruktur sowie durch ein geschicktes Management der Verkehrsströme. Hauptsächlich setzen die Olympiaverantwortlichen dabei auf die Nutzung, Optimierung und Modernisierung des bestehenden Hamburger Verkehrsraums und einen nachhaltigen Aus- und Neubau der Infrastruktur. Darüber hinaus soll es während der Spiele auch temporäre Infrastrukturmaßnahmen geben, die nach den Spielen wieder aus dem Hamburger Verkehrsraum verschwinden werden.

Hauptbahnhof

Für die Spiele soll der Hamburger Hauptbahnhof und die Umgebung um das Gebäude so umgestaltet werden, sodass der Bahnhof die zusätzlichen Besucherströme möglichst leistungsfähig und zuverlässig verkraften kann. Auch der Bahnhof Harburg soll umgestaltet werden, um mehr Reisende abzufertigen.

Olympische Fahrspuren

Dem Konzept einer "autofreien Innenstadt" erteilte Horch eine klare Absage. Der parteilose Politiker schloss allerdings nicht aus, dass es während der Spiele bestimmte Fahrspuren für olympische Fahrzeuge geben könnte. Bereits bei den Spielen in London 2012 hatte es diese sogenannten "Olympic Lanes" gegeben, um die Sportler, Funktionäre und Journalisten staufrei durch die Stadt zu bringen. Durch zusätzliche Parkverbote in der City wolle man aber im Sommer 2024 temporär mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer schaffen, heißt es in dem Konzept.

Olympiagelände: Haltestelle Elbbrücken

Man geht davon aus, dass sich rund um das Olympiastadion täglich bis zu 100.000 Menschen aufhalten werden. Durch weite Flächen und zwei zentrale Eingänge zum Kleinen Grasbrook soll eine gefährliche Anhäufung von Menschenmassen vermieden werden. Abgewickelt werden sollen die Besucherströme über die neue S-U4-Haltestelle "Elbbrücken", die sich derzeit im Bau befindet und die bereits bestehende U4-Haltestelle "Hafencity Universität".

Flughafen

Während der Olympischen Sommerspiele 2024 wird sich das Verkehrsaufkommen am Hamburger Flughafen und auf den Flughäfen im Umland vermutlich um bis zu 50 Prozent verstärken, weshalb es am Hamburger Airport zusätzlich, temporäre Abfertigungsschalter geben soll.

Bau der S4

Für das Konzept ist der Neubau der S4 nach Bad Oldesloe essentiell und wird von den Planern als "unbedingt erforderlich" eingestuft.

Neue S-Bahnlinie S32

Die neue Linie S32 würde während der Hauptverkehrszeit in einem dichten Takt zwischen Harburg und der Elbgaustraße verkehren.

Weiterbau der A26, A252

Der zusätzliche Autoverkehr aus dem Umland soll durch den Ausbau A26 bis Hohen Schaar und die Südanbindung des Veddeler Damms an die A 252 bewältigt werden.

Neue Fährverbindungen

Auch auf der Elbe soll der Verkehr verstärkt werden. Die Fährverbindung von den Landungsbrücken zur HafenCity soll bis zur OlympiaCity verlängert und deren Takt verdichtet werden.

Bahn, U- und S-Bahnnetze

Während der Spiele soll es ein deutliches Mehrangebot an Fahrten im Nah-, Regional und Fernverkehr geben. Unter anderem sollen die Bahnhöfe Sternschanze und Landungsbrücken umgestaltet werden. Um die Schiene zu entlasten, planen die Macher den Einsatz von Shuttlebussen zu den wichtigsten Sportstätten. 

Fernbusse

Darüber hinaus plant die Verkehrsbehörde bis zum Jahr 2024 einen zusätzlichen Fernbus-Bahnhof.

Olympia, Verkehrskonzept gesamt

Am Ende profitiert ganz Hamburg nachhaltig

Wichtig ist es den Planern zu betonen, dass Hamburg auch noch nach den Olympischen Spielen lange von den Investitionen in die Infrastruktur profitieren wird. "Die Bewerbung Hamburgs um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 ist eine große, einmalige Chance für die Weiterentwicklung unserer Stadt und der gesamten Metropolregion. Wir haben die Möglichkeit, für Hamburg wichtige Projekte umzusetzen, die den Anforderungen der nächsten Jahrzehnte entsprechen. Die Investitionen werden auch nach den Spielen für Hamburg von Nutzen sein.", so Senator Horch. Besonders im Bezug auf Rad- und Fußwege sowie durch den Ausbau des ÖPNVs würden die Hamburger noch lange profitieren können, sofern Hamburg die Spiele am Ende tatsächlich erhalten sollte.

Eine Kurzfassung des Mobilitätskonzeptes gibt es per Download auf der offiziellen Homepage der Stadt. Dort kann auch die 700-seitige Langfassung heruntergeladen werden.

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