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Radio Hamburg

Neun Monate Bewährung

Rentner wegen Totschlags an 16-Jährigem verurteilt

Stade, 27.10.2014
RHH - Expired Image

Ernst B. beim Prozessauftakt im April 2014.

Staatsanwaltschaft und Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert - am Montag (27.10) wurde der 81-jährige Ernst B. vor dem Landgericht Stade zu neun Monaten Bewährung verurteilt.

Seit April 2014 stand der 81-jährige Ernst B. aus Sittensen vor dem Landgericht in Stade, da er im Dezember 2010 einen 16-Jährigen bei einem Überfall auf sein Haus erschossen hatte - am Montag (27.10) wurde der Rentner wegen Totschlags zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt.

Überfall außer Kontrolle

Der damals 77 Jahre alte Ernst B. hatte kurz vor Weihnachten 2010 einen Jugendlichen aus Neumünster erschossen, der ihn zusammen mit vier weiteren Tätern in seinem Haus im Kreis Rotenburg/Wümme überfallen und ausgeraubt hatte. Als die Männer aus dem Haus flüchteten, schoss der Senior einem der Jugendlichen mit seiner Pistole in den Rücken. Das Geschoss drang in das Herz des Jugendlichen, der verblutete und wenig später starb. Laut Beweisaufnahme hatte der Verurteilte ein Verhältnis mit einer Prostituierten. Deren Freundin gab den Tätern den Tipp, dass der Rentner vermögend sei. Vor dem Landgericht in Stade sollte die Frage geklärt werden, ob Ernst B. den Jungen aus Notwehr erschossen hatte oder wegen Totschlags schuldig zu sprechen sei.

Freispruch abgelehnt

Vor Gericht hatten sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung auf Freispruch plädiert. Der Nebenkläger-Vertreter forderte eine Verurteilung wegen Totschlags, überließ das Strafmaß aber dem Ermessen des Gerichts. Letztlich argumentierten die Richter, dass der Rentner wegen Totschlags in einem minder schweren Fall verurteilt werden müsse. Nach Überzeugung des Gerichts gab der Rentner die Schüsse aus Angstum sein Leben bewusst ab, überschritt dabei aber die Grenzen der Notwehr. "Ein gezielter Schuss auf Arme oder Beine wäre ausreichend gewesen und hätte auch den Angreifer gestoppt", sagte der Vorsitzende Richter Berend Appelkamp in seiner Urteilsbegründung.

Tod in Kauf genommen

So habe der Rentner auf einen ohnehin fliehenden Menschen geschossen. Als Jäger sei er waffenkundig gewesen und hätte wissen müssen, dass er nicht auf den Oberkörper zielen dürfe. "Er hat den Tod des Räubers subjektiv billigend in Kauf genommen", so das Urteil. Die Strafkammer hielt dem 81-jährigen jedoch zugute, dass er in einer akuten Belastungsreaktion gehandelt habe. Der Rentner, selbst vorvielen Jahren Opfer einer Erpressung, glaubte demnach in der Tatnacht einen Schuss gehört zu haben und fühlte persönlich bedroht. In der Zeitung habe er von einem Raubüberfall in Oldendorf im Kreis Stade gelesen, bei dem das Opfer getötet worden sei. "Der Angeklagte hatte Todesängste", sagte Appelkamp. Darum könne das Gericht nicht ausschließen, dass er die Schüsse in einem Zustand verminderter Schuldfähigkeit abgegeben habe. Seine Steuerungsfähigkeit sei wegen der extremen Belastung während des Überfalls erheblich eingeschränkt gewesen.

Hohe Haftstrafen

Für den Überfall waren die Komplizen des Erschossenen, junge Männer im Alter von knapp über 20 Jahren, von einer anderen Strafkammer des Stader Landgerichts zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.Eine 21-jährige Frau wurde wegen Anstiftung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Lest auch: Prozessauftakt in Stade: 80-Jähriger wegen Totschlags vor Gericht

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(dpa/san)

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