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Radio Hamburg

Öl in Schleswig-Holstein

RWE Dea will Öl in Kieler Bucht fördern

Kiel/Hamburg, 07.08.2013
Öl, Ölbohrung, Ölplattform, Bohrinsel

RWE plant Ölbohrungen in der Kieler Bucht (Beispielbild).

RWE Dea will die zuletzt unrentablen Ölfelder in Schleswig-Holstein wieder in Betrieb nehmen. Eine Diskussion ist entbrannt.

Die geplante Wiederaufnahme der Förderung auf ehemaligen Ölfeldern in Schleswig-Holstein hat eine Kontroverse ausgelöst. Der Energiekonzern RWE Dea will die Felder "frühestens ab 2015" wieder in Betrieb nehmen.

Kieler Umweltminister geht auf Distanz zu Plänen von RWE Dea

Der Kieler Umweltminister Robert Habeck will am Mittwoch (7.8.) einen Landtagsausschuss über den Stand unterrichten. Parteien und Naturschutzverbände kündigten Widerstand an, die IHK Kiel betonte dagegen die Notwendigkeit fossiler Energieträger auch in Zukunft. Bereits vor der Ausschusssitzung ging Habeck spürbar auf Distanz zu den Plänen von RWE Dea: "Energiewende heißt, die klimaschädlichen konventionellen Energieträger abzulösen." Schleswig-Holsteins Zukunft liege in den Erneuerbaren, "nicht in Kohle, Öl und Gas".

Vorherige Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig

Sollten Anträge auf Bohrungen nach Öl oder den Bau einer Pipeline eingehen, werden laut Habeck das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Niedersachsen als zuständige Behörde und das Kieler Umweltministerium als Fachaufsicht sie nach Recht und Gesetz prüfen und Belange wie den Naturschutz "streng berücksichtigen". Laut Umweltministerium hat RWE Dea für das gesamte Vorhaben eine Umweltverträglichkeitsprüfung zugesagt.

Neue Fördertechniken und gestiegener Ölpreis machen Altfelder wieder attraktiv

Ein RWE Dea-Sprecher sagte am Dienstag (6.8.) in Hamburg, erste Bohrungen könnten nicht vor 2015 beginnen. Anträge hierfür müssten noch gestellt und behördlich bewilligt werden. Es handelt sich um das Gebiet Schwedeneck-See in der Kieler Bucht sowie Ölfelder an Land in Preetz und Plön-Ost mit einem geschätzten Gesamt-Fördervolumen von 660 000 Tonnen Öl. Neue Fördertechniken und der gestiegene Ölpreis hätten die Altfelder wieder attraktiv gemacht. Die Förderung war in Preetz 1998, in Plön-Ost 1999 und in Schwedeneck-See im Jahr 2000 mangels Wirtschaftlichkeit eingestellt worden. Seit 1984 seien allein aus dem Feld Schwedeneck-See insgesamt fast 3,5 Millionen Tonnen Öl sowie 31,5 Millionen Kubikmeter Erdölgas "störungsfrei" gefördert worden, betonte der Konzernsprecher.

Fracking soll nicht angewandt werden

Inzwischen hat RWE Dea sogenannte Bewilligungen vom LBEG erhalten, die aber noch keine Bohrungen erlauben. "Im Zuge der weiteren Planungen sucht RWE Dea den direkten Kontakt zur Bevölkerung und informiert aktiv über die Projekte", versicherte der Konzernsprecher. Obwohl die Ölförderung in den betreffenden Regionen eine lange Tradition habe, werde RWE Dea "durch offene, transparente Kommunikation die Akzeptanz der heimischen Ölförderung stärken". Die umstrittene Fördermethode Fracking werde auf keinen Fall angewandt, sie sei hier nicht notwendig. Die Bohrungen reichen von 1400 Meter Tiefe (Schwedeneck-See) bis 2900 Meter Tiefe (Plön-Ost).

BUND und Nabu kündigen Widerstand an

Die Umweltorganisationen BUND und Nabu kündigten massiven Widerstand insbesondere gegen eine Wiederaufnahme der Förderung in der Kieler Bucht an. "Das Projekt Schwedeneck ist grauenhaft", sagte BUND-Landesgeschäftsführerin Ina Walenda den "Kieler Nachrichten". Nabu-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski verwies auf Schutzgebiete vor Schwedeneck für Schweinswale und Eiderenten. Auch Politiker von SPD, Grünen und SSW wandten sich in der Zeitung aus ökologischen und ökonomischen Gründen gegen die Wiederaufnahme der Ölförderung.

Deutschland weiterhin auf Energiemix angewiesen?

Dagegen betonte der Hauptgeschäftsführer der IHK Kiel, Jörn Biel, Deutschland werde auch weiterhin auf einen Energiemix angewiesen sein. "Dazu gehören neben erneuerbaren Energien auch fossile Energieträger." Biel forderte eine ideologiefreie Diskussion. Die reflexhafte Reaktion einiger Politiker auf die Pläne zeige, dass es ihnen weniger um eine pragmatische Energiepolitik gehe, sondern vielmehr um den Einsatz regenerativer Energien um nahezu jeden Preis. Biel erinnerte daran, dass das Öl bis zum Jahr 2000 ohne Umweltverschmutzung gefördert worden sei. Angesichts der hohen Umweltstandards in Deutschland sei davon auszugehen, dass dies auch künftig der Fall sein werde.

 

(dpa/mgä)

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