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Radio Hamburg

Tourismusabgabe

Kippt Schleswig-Holstein die Kurtaxe?

Kiel/Lübeck, 18.08.2013
Wattenmeer

Schleswig-Holstein überlegt, die Kurtaxe abzuschaffen.

Die Kieler Landesregierung will sich Ende September in zweiter Runde mit der Reform der Tourismusabgabe befassen.

Die "Lübecker Nachrichten" hatten berichtet, dass die Regierung die ungeliebte Kurtaxe abschaffen wolle. Der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Harald Haase, bestätigte am Sonntag (18.8.) auf dpa-Anfrage den Bericht - entsprechende Pläne seien aber nicht neu. Bereits im April sei die Tourismus-Initiative auf einer Pressekonferenz vorgestellt worden.

Dehoga hat Bedenken bei Abschaffung der Kurtaxe

"Ich halte das für eine bestechende Idee", sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) am Sonntag. "Doch da ist noch ein dickes Brett zu bohren, bis wir alle Akteure im Tourismus-Bereich hinter uns haben", betonte er. Ende des nächsten Monats werde sich das Kabinett zum zweiten Mal mit dem Thema befassen. Erst dann geht die Vorlage zur Abstimmung ins Parlament. Während von Tourismus-Agenturen positive Signale kommen, gibt es beim Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) starke Bedenken. "Es geht hier meines Wissens um 40 Millionen Euro an Kurtaxe. Das müsste dann in die Zimmerpreise rein - also aufgeschlagen werden. Das ist völlig unrealistisch", sagte Peter Bartsch, Dehoga-Präsident in Schleswig-Holstein, am Sonntag. Mit der Abschaffung der Kurtaxe gehe man "den dritten Schritt vor dem ersten. Zunächst muss eine landesweite Tourismusabgabe her, die wir befürworten."

Mehr Übernachtungen für Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein wäre das erste Bundesland, das die Kurtaxe nicht mehr kassiert. Derzeit sind etwa 3 Euro pro Person und Übernachtung fällig. An bestimmten Stränden muss eine Tageskurkarte erworben werden. Die Abgabe dürfe nur in den 185 anerkannten Kur- und Erholungsorten des Landes erhoben werden. Das nördliche Bundesland verbuchte im vergangenen Jahr 24,5 Millionen Übernachtungen. "Wir müssen mit diesen Pfunden mehr wuchern", hatte Minister Meyer Mitte Juli in einem dpa-Interview gefordert. Das Land brauche eine Urlaubsmarke, die alle seine Stärken herausstellt. Eine überarbeitete Tourismusstrategie solle dazu beitragen, dass Schleswig-Holstein schon in das nächste Jahr besser hineingeht als in das laufende. Mittelfristig sollte es das Ziel sein, Mecklenburg-Vorpommern wieder zu überflügeln. Das Nachbarland verbuchte im vergangenen Jahr 27,9 Millionen Übernachtungen.

Wettbewerbsvorteil

Laut "Lübecker Nachrichten" soll als erster Schritt noch in diesem Herbst vom Landtag eine neue Tourismusabgabe beschlossen werden. Sie werde den Plänen nach nicht beim Urlaubsgast erhoben, sondern bei allen Betrieben, die in Tourismusorten - direkt oder indirekt - vom Urlaubsgeschäft profitieren. Christian Schmidt, Chefvermarkter bei der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, begrüßte den Plan: "Ein längst überfälliger Schritt", sagte er der Zeitung. "Wir würden einen Wettbewerbsvorteil haben."

 

(dpa/mgä)

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